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Besorgte Eltern stören die Provinzidylle

In Grimmen wird seit mehreren Monaten eine Auseinandersetzung um die Neonazi-Szene in der Stadt geführt. Ein Überblick und eine Presseschau zu den Ereignissen.

Artikelübersicht zuletzt aktualisiert am 19.07.2005

16.06.2005


Vielleicht war seine Idee doch nicht so gut, gestand Benno Rüster am letzten Donnerstag ein. Nachdem ihm eine Elterninitiative gegen Rechtsradikalismus und betroffene Jugendliche das Ausmaß von Neonazi-Aktivitäten in Grimmen deutlich gemacht hatten, ließ der Bürgermeister der nordvorpommerschen Kreisstadt Zweifel an seinem Vorhaben erkennen, der rechten Szene einen Jugendclub zur Verfügung zu stellen. Damit, so die Gegner/innen dieser Idee, würden deren Strukturen noch weiter gestärkt werden.

Das Treffen war Teil einer seit Monaten andauernden Debatte um das Problem des Neonazismus in der Stadt - der das kleine Grimmen zu einem Schwerpunkt rechtsradikaler Aktivitäten in Mecklenburg-Vorpommern macht. Das sind allerdings weniger die Infostände vor Schulen, an denen die Neonazi-"Schülerzeitung" Avanti verteilt wird oder eine Demonstration von 60 Rechten im März, die eher Versuche aus der Umgebung darstellen, die lokale Szene zu politisieren. Diese fällt vielmehr immer wieder durch brutale Übergriffe gegen nicht-rechte Jugendliche oder Aussiedler auf und gefällt sich darin, Nazi-Parolen zu sprühen oder, im Rahmen von Partys mit Gleichgesinnten oder auf städtischen Parkplätzen, lauthals gröhlend Hitler und den Holocaust hochleben zu lassen.

Bürgermeister Benno Rüster will so etwas in seinem beschaulichen, CDU-dominierten Städtchen nicht dulden. Er, der gegen Überlegungen, ein Flüchtlingsheim in Grimmen einzurichten, bereits erfolgreich die Einwohner/innen aufgerufen hatte, aktiv zu werden, wollte gleichfalls nicht länger zusehen, wie die betrunkenen Rechten in dem städtischen Jugendtreff Klub 96 regelmäßig randalieren. Als "Geschäft" schlug er deshalb gegenüber den Neonazis vor, dass sie einen eigenen Raum bekommen würden, aber dafür nicht mehr öffentlich trinken und randalieren sollten. Ihre Einstellung, so machte Rüster wiederholt deutlich, sei weniger das Problem: Schließlich sei die Gesellschaft schuld, dass sie so werden. Polizeichef Frank Piotrowski stand ihm beiseite und erklärte, dass er nichts gegen "anders Denkende" hätte.

Gegen diese Provinzidylle, die Neonazis integriert, statt ihr Gedankengut zu bekämpfen, macht eine Initiative von Eltern erfolgreich mobil. Sie sind nicht mehr bereit, zuzusehen, wie ihre Kinder regelmäßig von Rechten durch die Stadt gejagt werden; ihnen geht es darum, "rechtsextreme Denk- und Verhaltensweisen klar zu verurteilen" und "durch gemeinsames politisches Handeln rechtsextreme Tendenzen zurückzudrängen und eine Gegenkultur zu entwickeln". In einem dem Bürgermeister übergebenen Papier wird gefordert, dass den Neonazis keien Räume zur Verfügung gestellt werden und eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Problem Rechtsradikalismus in der Stadt unterstützt wird.

Bisher ist es der Initiative gelungen, die Ereignisse in Grimmen landesweit bekannt zu machen. Nun will sie mit Veranstaltungen zur Information über die rechte Szene, zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus oder zur Förderung interkultureller Verständigung die Diskussion in Grimmen vorantreiben. Doch auch die Neonazis bleiben nicht untätig: Sie sind inzwischen nicht nur unabhängig von der Stadtverwaltung auf der Suche nach Räumlichkeiten, sondern haben auch die Elterninitiative im Visier. So fotografierten sie die Teilnehmer/innen der Gesprächsrunde im Rathaus am vergangenen Donnerstag ab und veröffentlichten Bild und Namen eines Mannes im Internet. So schnell wird Grimmen wohl nicht das ruhige und beschauliche Städtchen, das sich Benno Rüster wünscht.

Links

"Gemeinsam gegen Rechtsextremismus aktiv werden"
Offener Brief zu Neonazi-Aktivitäten in Grimmen vom 09.05.2005
http://www.lobbi-mv.de/presse/pm050523.htm

"Mitmachen für mehr Zukunft für diese Stadt"
Seit Monaten ist Grimmen ein Schwerpunkt von Aktivitäten von Neonazis. Nun will die Stadt sie dafür mit einem Jugendclub belohnen.
links-lang.de vom 12.04.2005
http://www.links-lang.de/0504/05.php

Neonazis in Grimmen gestört
Früh aufstehen hieß es am vergangenen Donnerstag für eine handvoll autonome Antifas. Sie machten sich auf den Weg nach Grimmen, wo Stralsunder Neonazis ihr Propaganda-Blättchen Avanti vor einer Schule verteilen wollten.
links-lang.de vom 14.06.2004
http://www.links-lang.de/0406/06.php

Zuversichtlich gegen Flüchtlinge
Mit der Aufforderung des Bürgermeisters von Grimmen an die Einwohner/innen, ihre Meinung zu einem geplanten Flüchtlingsheim deutlich zu sagen, haben die rassistischen Proteste gegen Asylbewerber/innen in Mecklenburg-Vorpommern eine neue Qualität erreicht.
links-lang.de vom 04.04.2003
http://www.links-lang.de/0304/02.php

Presseschau

Grimmen in entimon-Projekt aufgenommen
Ostseezeitung-Grimmen vom 19.07.2005
http://www.links-lang.de/presse/2980.php

Treffen der rechten Szene
Ostseezeitung-Grimmen vom 14.07.2005
http://www.links-lang.de/presse/2968.php

CDU-Mitglieder gründen konservative Gruppe
Grimmener Kreis. Der Parteivorstand zeigt sich überrascht von der Profilierung einiger seiner Mitglieder.
Nordkurier vom 11.07.2005
http://www.links-lang.de/presse/2954.php

17-Jähriger angegriffen
Ostseezeitung-Grimmen vom 27.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2914.php

Rechte Parolen gegrölt
Ostseezeitung-Grimmen vom 27.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2915.php

Ziel: Alle Jugendlichen erreichen
Die rechte Szene war einer der Tagesordnungspunkte der jüngsten Stadtvertretersitzung. Der Polizeichef informierte.
Ostseezeitung-Grimmen vom 24.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2909.php

Stadt im Netz Demokratie
Ostseezeitung-Grimmen vom 18.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2885.php

Initiative stellte Forderungen
Die Teilnehmer des Gesprächs mit dem Bürgermeister riefen am Donnerstagabend einen "Runden Tisch für Demokratie und Toleranz" ins Leben, der sich gegen rechtsextremes Gedankengut wendet.
Ostseezeitung-Grimmen vom 11.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2860.php

Jugendzentrum als »no go area«
In Grimmen lehnten Neonazis Angebot der Stadt für eigene Räumlichkeiten ab
junge Welt vom 08.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2846.php

Stadt will offen sein für alle Jugendlichen
Um die Spannung aus der Jugendszene zu nehmen, wird in Grimmen derzeit einiges unternommen.
Ostseezeitung-Grimmen vom 08.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2845.php

Forderung: Analyse öffentlich vorstellen
Zeit der Gespräche längst vorbei
Ostseezeitung-Grimmen vom 01.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2833.php

Beratungsteam warnt
Ostseezeitung-Grimmen vom 01.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2822.php

Polizei: "Nichts verharmlost"
Die Aktivitäten der "rechten Szene" macht vielen Grimmenern in letzter Zeit verstärkt Sorgen. Die Polizei wehrt sich gegen Vorwürfe eines Initiativkreises.
Ostseezeitung-Grimmen vom 01.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2821.php

2005 bisher vier politisch motivierte Straftaten
Ostseezeitung-Grimmen vom 01.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2820.php

Kein Geld für Stadtjugendpfleger
Ostseezeitung-Grimmen vom 01.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2819.php

Bewährungsstrafen für Angriff auf Spätaussiedler
Ostseezeitung-Grimmen vom 01.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2818.php

Initiativen gegen Rechts in Grimmen und Stralsund
Ostseezeitung-Grimmen vom 01.06.2005
http://www.links-lang.de/presse/2817.php

Gesprächsrunde über Rechtsextremismus
Ostseezeitung-Grimmen vom 31.05.2005
http://www.links-lang.de/presse/2807.php

Gespräch gegen Rechts angeboten
Eltern und Politiker sorgen sich um die "rechte Szene" in der Stadt. Doch noch fanden sie mit ihren Aktionen nicht zusammen.
Ostseezeitung-Grimmen vom 26.05.2005
http://www.links-lang.de/presse/2793.php

Abgeordneter: Reden ist richtig
CDU-Landtagsabgeordneter unterstützt Nazi-Club-Offerte in Grimmen
Ostseezeitung-Grimmen vom 24.05.2005
http://www.links-lang.de/presse/2785.php

Deutschland im Mai
In Grimmen streiten Bürger und Stadtväter um Räume für Rechtsextreme
BZ und epd vom 11.05.2005
http://www.links-lang.de/presse/2735.php

"Wir wollen keinen Nazi-Club"
Plakate, die sich gegen einen Club für rechte Jugendliche richten, wurden am Wochenende in Grimmen verklebt.
Ostseezeitung-Grimmen vom 04.05.2005
http://www.links-lang.de/presse/2677.php

Unbekannte ritzen Hakenkreuz in Autolack
Ostseezeitung-Grimmen vom 03.05.2005
http://www.links-lang.de/presse/2665.php

Flugblätter umgehend entfernt
Neonazi-Kundgebung in Grimmen
Ostseezeitung-Grimmen vom 26.04.2005
http://www.links-lang.de/presse/2616.php

Bürgermeister wehrt sich gegen rechtsextreme Vorwürfe
Polizei: Rüster nicht an Straftat in Grimmen beteiligt
Ostseezeitung-Grimmen vom 20.04.2005
http://www.links-lang.de/presse/2584.php

Rechte Parolen gebrüllt und Nazi-Symbole geschmiert
Ostseezeitung-Grimmen vom 18.04.2005
http://www.links-lang.de/presse/2569.php

Grimmen macht Jugendlichen Klub-Offerte
Ostseezeitung-Grimmen vom 24.03.2005
http://www.links-lang.de/presse/2521.php

Demonstration ohne Zwischenfälle
Knapp 60 Neonazis bei Aufmarsch in Grimmen
Ostseezeitung-Grimmen vom 21.03.2005
http://www.links-lang.de/presse/2463.php

Rechte Szene im Kreis nicht "verfestigt"
Polizei: Ausbreitung der rechten Szene in Nordvorpommern verhindert worden
Ostseezeitung-Stralsund vom 24.02.2005
http://www.links-lang.de/presse/2377.php

Präventionsräte sollen aktiv werden
Stadtpräsident will demokratische Kräfte in Grimmen gegen Rechts ansprechen
Ostseezeitung-Grimmen vom 02.02.2005
http://www.links-lang.de/presse/2311.php

Staatsschützer bereiten Nazi-Gegröle ein Ende
Über 20 Tatverdächtige in Grimmen von Polizei festgestellt
Nordkurier vom 31.01.2005
http://www.links-lang.de/presse/2307.php

Entsagen Rechte der Gewalt?
Polizeichef: Grimmen trotz mehr als 40 Straftaten kein Schwerpunkt des Rechtsextremismus
Schweriner Volkszeitung vom 25.11.2004
http://www.links-lang.de/presse/2143.htm

Staatsschutz ermittelt gegen Jugendlichen
Neonazi zeigte Hitlergruß und rief "Sieg Heil"
Ostseezeitung-Grimmen vom 05.10.2004
http://www.links-lang.de/presse/1985.htm

Polizei befragt Opfer der Garten-Schlägerei
Ostseezeitung-Grimmen vom 28.07.2004
http://www.links-lang.de/presse/1819.htm

Kripo fahndet nach Gartenparty-Schlägern
Gruppe von Aussiedlern wurde von Neonazis überfallen
Ostseezeitung-Grimmen vom 27.07.2004
http://www.links-lang.de/presse/1818.htm

Heimsuchungen statt Asyl
Kaum gute Nachrichten für Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern
junge welt vom 27.08.2003
http://www.links-lang.de/0308/06.php

Wohin sollen die Asylbewerber?
Jetzige Heime sind zu klein - Landratsamt hat altes Seniorenzentrum Grimmen im Auge
Ostseezeitung vom 04.04.2003
http://www.links-lang.de/presse/758.htm

Diskussion über Rechtsextremismus
Junge Union diskutiert über Vorfälle in Grimmen
Ostseezeitung-Ribnitz-Damgarten vom 11.05.2005
http://www.links-lang.de/presse/2734.php

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"Zur Hebung der Gesundheit und der Wehrkraft" - Fußball in Rostock im Nationalsozialismus
Infoveranstaltung
09.02., Peter-Weiss-Haus Rostock

Dresden Nazifrei 2012
Infoveranstaltung
09.02., Ikuwo Greifswald

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08.02.2012 [NK]
Auf der Suche nach Maß / Verwaltungen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte diskutieren über neuen Umgang mit Wahlwerbung

07.02.2012 [OZ]
Polizei verhindert Nazi-Rock im Schweinestall / Zwei Funktionäre der NPD hätten das Gebäude zwischen Viereck und Pasewalk gemietet

06.02.2012 [NK]
SPD-Ratsherr startet Initiative gegen "Fight Night" / Rüdiger Bretschneider will Gewaltverherrlichung und Extremismus künftig keinen öffentlichen Raum mehr in der Stadt bieten. Deshalb möchte er auch die "Fight Night" verbieten lassen.

04.02.2012 [NK]
TSV schafft Regeln gegen rechte Sportler / Der älteste Sportverein Deutschlands aus Friedland hat sich mit einer geänderten Satzung ganz klar gegen Rechtsextremisten in den eigenen Reihen ausgesprochen.

04.02.2012 [OZ]
Suche nach dem Motiv blieb ergebnislos / Prozess gegen den Vize-Bürgermeister wegen "Heil-Hitler"-Ruf endet mit Freispruch.

04.02.2012 [NK]
Jürgenstorf zwischen Unverständnis und Freude / Am Tag nach der Nachricht von der Schließung des Asylheims wird in Jürgenstorf viel diskutiert.

04.02.2012 [NK]
"Engere Verbindungen zur NPD" / FDP-Landesvorsitzender Christian Ahrendt sieht mehr Verknüpfungen zur rechten Terrorzelle und ist für ein NPD-Verbot.

03.02.2012 [NK]
Caffier will Gesichtsscanner in Fußballstadien / Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, der CDU-Politiker Lorenz Caffier, will Gewalttäter künftig mittels Gesichtsscanner aus Fußballstadien fernhalten.

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