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Auch böse Menschen haben Lieder

Mitte August stürmten mit Baseballschlägern bewaffnete Neonazis aus dem "Wehrwolf-Shop" in Wismar, um eine Demonstration der Anti-NPD-Kampagne "Keine Stimme den Nazis" zu attackieren. Die Polizei konnte die Angreifer nur mit gezogenen Dienstwaffen stoppen. Immer offensiver treten in Mecklenburg-Vorpommern Neonazi-Bands, rechte Versände, Läden und Clubs auf. Die aggressive Mischung aus Propaganda und Kommerz wird von organisierten Neonazis unterstützt und ausgenutzt. Staatliche Bekämpfungsstrategien laufen zunehmend ins Leere. Gegenaktivitäten sind in den Regionen mehr als selten.

Das Nazikonzert nebenan

Getarnt als private Geburtstagsfeier, bekannt gemacht nur über interne Kanäle und geheime Schleusungspunkte für die anreisenden Gäste - das kennzeichnete bisher die meisten Rechtsrock-Konzerte in Mecklenburg-Vorpommern. Doch in letzter Zeit etablieren sich feste Veranstaltungsorte der rechten Szene im Land. Mindestens 21 Konzerte soll es im letzten Jahr gegeben haben. Viele diese Konzerte sprechen sich zuvor herum und werden teilweise offen beworben.

In der Hansestadt Wismar kündigte beispielsweise ein handgemalter Flyer für den 18. März diesen Jahres unverholen ein "Nazikonzert" an. In einer Lagerhalle besuchten dann auch 50 Gäste den Auftritt der Band. Ein Termin für eine weitere Musikveranstaltung mit Liedermachern in dem Gebäude wurde auf der Internetseite der NPD veröffentlicht. Das Haus gehört offenbar zum Versand "Hatestore" - dessen Betreiber Philipp Schlaffer, ist einer der Beteiligten an der verhinderten Baseballschlägerattacke vom 12. August in Wismar.

Auch ein Konzert am 14. Januar 2006 in einem Neubaugebiet im ostvorpommerschen Lassan war den Jugendlichen in der Region schon vorher bekannt. Hunderte Zuschauer/innen feierten den Geburtstag des Rockervereins Vengator. Die Musik kam dazu unter anderem von der berüchtigten Band "Kraftschlag", die Konzertgäste feierten zu Textzeilen wie "Für die Reinheit der deutschen Rasse sind wir bereit - zu den Waffen zu greifen, es kommt unsere Zeit." In der ehemaligen Kaufhalle am Rande Lassans fanden schon etliche Veranstaltungen statt, zuletzt am vergangenen Samstag. Auch das sogenannte "nationale Wohnprojekt" in Salchow wenige Kilometer von Lassan entfernt ist nicht nur Veranstaltungsraum für Neonazi-Schulungen und Lagerplatz für NPD-Wahlkampfmaterialien, sondern auch als Konzertort bekannt.

Auf eigenem Terrain können rechte Subkultur und organisierte Neonazis das Potenzial der Hassgesänge besser ausschöpfen. Das betrifft nicht nur den finanziellen Aspekt - Eintrittsgelder und Getränkeumsatz bleiben in eigener Hand und müssen nicht fremden Vermietern überlassen werden. Die Veranstalter können in den eigenen Räumen auch nahezu ungehindert ihre Ideologie verbreiten. Zudem ist der Zugang für das rechte Klientel einfacher - man muss nicht mehr zur Elite gehören, um von Konzerttermin und Veranstaltungsort zu erfahren.

"Schuba duba du Zyklon B"

In der Öffentlichkeit versuchen Kameradschaften und NPD, sich ein bürgernahes Image zu geben und beklagen angebliche "Pressehetze" und "linke Lügen". Wenn sich die Clubtüren schließen, ist allerdings Schluss mit der taktischen Zurückhaltung. Die antisemitische Wolgaster Band "Skalinger" ließ schon 1999 mit dem Album "Heim ins Reich" keine Zweifel an ihrer Einstellung aufkommen: "Wir scheissen auf die gesamte jüdische Rasse. Wie Hasen werden wir euch jagen und gesamten Zentralrat im Massengrab verscharen. Schuba duba du Zyklon B. Yeah! (...) Ein Hoch auf Mengele, er hatte recht. Schuba duba du ausgerottet". Die Texte auf zwei weiteren Veröffentlichungen, "Tag X" und "Hass regiert", und einige Samplerbeiträge stossen in das gleiche Horn. Die Band unterhält auch Kontakte ins Ausland; das schwedische antifaschistische Magazin EXPO teilte mit, dass im Juli 2005 Skalinger auf einem Konzert der Neonaziorganisation NSF im schwedischen Travâd auftraten. Mit der NSF pflegt auch das vorpommmersche Neonazi-Netzwerk Soziales und Nationales Bündnis Pommern (SNBP) Kontakte.

Nach Hausdurchsuchungen und Geldstrafen zog sich die Band nur scheinbar zurück. Im Herbst 2005 tauchte "Die Liebensfels Kapelle" mit dem Album "11. September" auf dem rechten Musikmarkt auf. Der Bandtitel ist nur eine anderer Name für "Skalinger", auf rechten Internetseiten wird die Gruppe als Nachfolgeprojekt der Wolgaster Band gehandelt. Der Name bezieht sich offenbar auf den 1874 geborenen Lanz von Liebenfels. Der ariosophische und frauenfeindliche Rassenideologe behauptete, der Vordenker Hitlers gewesen zu sein. Auch seine antisemitischen Verschwörungstheorien dürften die vorpommerschen Neonazis zu der Namenswahl bewogen haben. Textlich hält sich die Kapelle etwas zurück, bleibt aber der Tradition von Skalinger treu. So wird angekündigt, dass "in Königsberg bald wieder deutsche Fahnen wehen."

Auch andere Bands aus Mecklenburg-Vorpommern nehmen kein Blatt vor den Mund. Die eher als Nachwuchs zu bezeichnende Gruppe "Underground Rebels" aus Neustadt-Glewe droht im Lied "Verräter" langhaarigen Abweichlern offen mit dem Tod. Im Booklet eines Samplers texten die Westmecklenburger "und treffen wir dich mal ganz allein, dann wünscht du dir, nicht geboren zu sein" - daneben ist ein Galgen abgebildet. Die CD mit dem Titel "60 Jahre Lügen und Verrat" ist 2005 bei Front Records erschienen und enthält außerdem Lieder der Bands "Thrima" aus Niepars bei Stralsund und "Nordic Storm" aus Güstrow. Die von der Insel Rügen stammende Band "Kommando Ost" kann ebenfalls auf einen Samplerbeitrag verweisen. Allerdings ist die Compilation "Status quo Germania" des Neonazi-Netzwerkes Hammerskins, auf der die Sassnitzer vertreten sind, mittlerweile als jugendgefährdend indiziert worden.

Immer beliebter werden in der rechten Szene so genannte Hatecore-Bands. In Mecklenburg-Vorpommern zählen vor allem "Inborn Hate" aus Güstrow und "Path of Resistance" (PoR) aus Rostock dazu. Gerade haben die beiden Gruppen einen neuen Sampler auf dem sächsischen Label Front Records heraus gebracht. Bereits 2004 hatten die Güstrower mit dem "angeborenen Hass" die Platte "Filled with hatred" veröffentlicht. Die Rostocker "PoR" schauen schon auf zwei Alben zurück.

Neben "Storm of Hate" aus Bad Doberan mit der CD "Das System es wackelt" ist noch die Band "Mythos Nord" zu erwähnen. Die Stralsunder geben zwar vor, nur heidnischen Metal zu spielen - Forumbeiträge lassen aber den Schluss zu, dass auch sie sich eher in der rechten Ecke sehen. Nicht zuletzt gehören die Liedermacher Andre Lüders aus Rostock und "Hagalaz" aus Ostvorpommern zum musikalischen Angebot der rechten Szene in Mecklenburg-Vorpommern.

Das Geschäft mit dem Hass

Neben den Livekonzerten sind vor allem Szenegeschäfte ein niedrigschwelliges Angebot aus der rechten Szene. Etliche dieser einträglichen Läden existieren mittlerweile in Mecklenburg-Vorpommern. Neben dem "Wehrwolf-Shop" in Wismar sind das unter anderen die "Thor Steinar"-Läden in Rostock und Güstrow, der "New Dawn" in Anklam, der "Patriotentreff" in Waren und "Youngland" in Strasburg.

Neben den Ladengeschäften existieren mehrere Versände über die der Rechtsrock-, Hardcore-, Metall- oder Balladenliebhaber seine Musik beziehen kann. Einer der größten Versände im Bundesland ist der in Grevesmühlen gemeldete "V7/TTV-Versand" von Ingo Knauf. Er wartet mit einem breiten Programm an verschiedenen Musikstilen, aber auch einer Auswahl an Büchern und Fanzines, einschlägigen Szeneklamotten wie T-Shirts und Hosen oder Accessoires wie Fahnen und Schmuck auf. Nebenbei erscheinen bei seinem Label "V7 Records" regelmäßig neue Rechtsrockveröffentlichungen. Daneben betreibt Knauf noch die Sublabels "Bloody Core Records" und "Bloody Creed Records", auf denen er Metal- und Noisecorebands veröffentlicht. In der Szene hat Knauf allerdings keinen leichten Stand. Trotz mehrerer Gerichtsverfahren wird er nicht mehr als Teil der Szene angesehen. So wird etwa im "Hatecore"-Forum dazu aufgerufen, "Ufos vom Himmel zu holen", denn das Firmenlogo ist ein solches. Hier werden Stimmen laut, nach denen Knauf nur wegen des Geldes den Versand betreibt. In den vergangenen Monaten hatte Knauf zunächst "Wotan Records" und vor kurzem den "Aufruhr Versand" übernommen. Das stößt einigen Neonazis übel auf, denn wer von der Szene lebt, soll gefälligst einen Großteil wieder in die Szene fließen lassen. Trotzdem scheint das Geschäft zu florieren.

Nicht weit entfernt in Wismar ist der "H8store" (sprich: Hatestore) beheimatet. Betreiber Philip Schlaffer bietet in etwa das gleiche wie der "V7/TTV-Versand" an, Musik, aber auch Sachen für das Szeneoutfit wie Accessoires und Lesestoff. Und auch Schlaffer betreibt ein Label namens "North X", um rechten Bands Plattenveröffentlichungen zu ermöglichen. Die Güstrower "Inborn Hate" etwa veröffentlichten ihre Debut-CD bei ihm.

Ein dritter Versand ist in Waren-Müritz beheimatet. Dort betreibt seit einiger Zeit Steffen Bartke den "BiB-Versand". Allerdings funktioniert die Website des Versandes derzeit nicht. Aus einem Interview ist aber zu entnehmen, dass auch hier hauptsächlich mit Musik-CDs gehandelt wird - und dass auch indizierte CDs vertrieben werden, darf durch Bartkes Jammerei über beschlagnahmte CDs angenommen werden. Der Besitzer zeigt sich in diesem Interview auch als Szenetyp, der "auf so vielen Veranstaltungen wie möglich" im In- und Ausland auftaucht und sich auch um die Belange der Szene kümmert, wenn er sich an Spendenaktionen "für das 'nationale Wohnprojekt Salchow', die Soliaktionen für Luni (die Neonazi-Band Landser, Anm.), diverse Spenden- und Soliaktionen auf regionaler Ebene bei uns in Mecklenburg" beteiligt. Allerdings nur als Privatperson, da der Versand noch nicht genug Gewinn abwerfe.

Recht neu im Versandgeschäft ist Markus Thielke aus Anklam. Zwar betreibt er schon seit Jahren den Szeneladen "New Dawn" in der Hansestadt, doch hat er sein Geschäftswirken nun um den Versand "4u Vinyl Versand" ausgeweitet. Vertrieben wird aber keinesfalls ausschließlich Vinyl. Das Angebot deckt sich mit dem der anderen Versände. Neben jeder Menge Rechtsrock und anderer Nazimusik (Black Metal, Hatecore, Liedermacher) werden Sachen von Thor Steinar, Fahnen, Schlüsselbänder, Fanzines und Bücher angeboten. Im Endeffekt die gleichen Dinge, die auch im "New Dawn" erhältlich sind.

Spürbare Effekte

Die musikalische Erlebnis- und Konsumwelt der rechten Szene hat spürbare Auswirkungen. Die enge Verflechtung von subkulturellen Angeboten und Neonazi-Strukturen fördert direkt deren ideologische und organisatorische Weiterentwicklung. In Lassan gehören extrem rechte Einstellungen schon zur Normalität. Dort erreichte die NPD bei den Bundestagswahlen 16 Prozent der Stimmen. In Wismar scheinen mit der Gründung eines Konzerttreffs und des "Wehrwolfshops" neue Impulse für die rechte Szene auszugehen, Schmierereien und Übergriffe häufen sich. Der Konzerttreff wird auch von der NPD für "Stammtische" genutzt.

Unterstützung gab es von der NPD auch nach einem Polizeieinsatz bei einem Konzert in Schönbeck im Landkreis Mecklenburg-Strelitz. Ein Parteifunktionär kündigte an, künftigt selbst Rechtsrock-Konzerte zu organisieren, sollte es weitere Behinderungen geben. Ein derartiges Vorgehen ist auch aus Sachsen bekannt. Im laufenden Landtagswahlkampf hat die NPD erneut eine Rechtsrock-CD verteilt, um vor allem Erstwähler/innen anzusprechen.

Nicht zu vernachlässigen sind auch die materiellen Aspekte für politische Projekte. Der Ausbau des Salchower Nazi-Zentrums etwa wurde durch Unterstützungskonzerte und T-Shirt-Verkäufe mitfinanziert.

Kaum Widerstand

Immer wieder versuchen Neonazis, sich als Opfer ungerechtfertigter Proteste und staatlicher Repression darzustellen. Tatsächlich trifft die Ausweitung des rechten Kulturangebots und der Ausbau von Strukturen aber nur auf wenig Gegenwehr. Gegen ein geplantes Pfingstkonzert in Scharbow verabschiedeten Einwohner/innen eine Petition und zeigten Anti-Nazi-Transparente. Derartiges zivilgesellschaftliches Engagement ist anderswo nicht zu beobachten. Der Rechtsrock-Club in Lassan scheint weder beim Bürgermeister Heino Repkowski noch bei anderen genug Bauchschmerzen hervorzurufen, um sich dagegen zu engagieren. Statt dessen wird geleugnet. Der PDS-Mann meinte nach einem Neonazi-Konzert zur Lokalzeitung: "Das wird von außen nach Lassan getragen. Und ich glaube nicht, dass jemand aus Lassan dabei war." Ob ein Garagentreff in Ueckermünde, ein Nazishop in Anklam oder ein rechtes Zentrum in Salchow - von lokalen Akteuren aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bevölkerung Bevölkerung kommt kaum Widerstand.

Innenminister Gottfried Timm wird dagegen nicht müde, den "Konzerterlass" als erfolgreiches Instrument zu präsentieren. Nur ist dies längst eine stumpfe Waffe. Zwar meldet die Polizei hin und wieder aufgelöste Rechtsrockevents. Doch in Schönbeck beispielsweise traf die Polizei am 24. September 2005 erst ein, als die letzte Band bereits gespielt hatte. Bei anderen Konzerten, etwa im März 2006 in Wismar, begnügten sich die Beamten mit der Beobachtung der anreisenden Konzertgäste. Oder wie in Lassan mit Frage nach Warndreieck und Verbandskasten. Ein Besucher des Konzertes im Januar 2006 freute sich über "unspektakuläre Polizeikontrolle, Cops, die sogar einen fröhlichen Abend wünschen." Am letzten Wochenende kolportierte die Polizei dann, sie habe ein Rechtskonzert in Lassan mit einem Großaufgebot beendet. Der User eines Neonazi-Forums mit dem Banner "Nationale Sozialisten Pommern" hingegen meldet: "Es gab keine Störungen". Für die Sondereinheit der Polizei gegen Extremismus MAEX haben die Neonazis nur Spott übrig. Die "Liebenfels-Kapelle" widmete zwei Beamten sogar ein eigenes Lied. An "Pezzy" und "Lizzy" von der "supenkasper k" gerichtet heißt es da: "ist doch immer wieder lustig euch Vollidioten zu sehen".

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