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Der Duft des Geldes

Bei einem Gewinnspiel eines regionalen Radio-Senders wurde ein Wismarer mit 10.000 Euro bedacht, der in der bundesweiten Neonazi-Szene kein Unbekannter ist.

08.11.2009

Phillip aus Wismar
Phillip aus Wismar - Faksimile von Ostseewelle.de, 1018x888, 269 KB
Am 27.10.2009 klingelt in der Mittagspause bei einem gewissen "Phillip aus Wismar" das Telefon. Als dieser sich nicht mit seinem Namen, sondern mit den Codeworten eines Radiogewinnspiels "Bargeldanruf" des Senders "Ostseewelle" meldete, gewinnt er 10.000 Euro.

Nun könnte mensch meinen, die meisten Bewohner der Hansestadt könnten sich über den "Glückspilz" aus ihrer Stadt freuen. Doch "Phillip aus Wismar" ist in der Hansestadt ganz und gar kein Unbekannter. Vielen dürfte er noch durch einen Angriffsversuch aus dem von ihm damals betriebenen rechten Szene-Laden auf eine antifaschistische Demonstration am 12. August 2006 im Gedächtnis geblieben sein. Diese Attacke mit Baseballschlägern auf die Demonstrierenden konnte nur durch das Androhen von Schusswaffengebrauch durch einen Polizeibeamten verhindert werden.

Phillip S., geschäftlich auch bekannt unter dem Pseudonym "Harry Andersen", betrieb seit 2002 den "H8store Versand" und das rechte Musiklabel "NorthX", welche später - laut Szenekennern - ihre Fortführung im "Totenkopf Versand" und "Werwolf Shop" fanden. Desweiteren wird ihm auch die Initialisierung des nationalen Wohnprojektes "Wolfshöhle 2" in der Fischerstraße und dessen Vorläufer, dem Klubhaus "Wolfshöhle 1" im Dorsteinweg sowie Beteiligung am rechten Tatoostudio "Needle of Pain" in der ABC-Straße in Wismar angerechnet.

Diese bieten und boten der rechten Szene Wismars aus Nazischlägern eine Aktionsbasis und führten somit zu einem erheblichen Anstieg des Gewaltpotentials in der Stadt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass aus dem Haus in der Fischerstraße auf eine Demonstration mit Stahlkugeln geschossen wurde. Am 15. Februar 2007 wurde bei Hausdurchsuchungen in Szeneläden und Privatwohnungen bei "Phillip aus Wismar" unter anderem eine feuerbereite "Pumpgun" gefunden. Diese könnte "Harry Andersen" alias Phillip S. zu Hause gelagert haben aufgrund schlechter Erfahrungen mit Kameraden - so zum Beispiel Alexander Willibald Bahls, Schlagzeuger der Rechtsrockband "Spreegeschwader", der der Neonazi-Gang "Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft" zugerechnet wird.

Beide dürften sich noch von S.' kurzem geschäftlichen Berlinaufenthalt kennen, bei dem Phillip S.' Firma "Accessoires Handel Deutschland" als offizieller Mieter des Berliner Naziladen "Parzifall" in Erscheinung trat. Geführt wurde das Geschäft von Bahls, der S. im Oktober 2007 in Wismar besuchte und 10.500 Euro als Gegenleistung für die Vermarktung rechter Artikel verlangte. Dieser rief die Polizei, da er auf die Forderung nicht eingehen wollte. S. habe, so der Vorwurf aus der rechten Szene, über den Laden lediglich Geschäftskontakte mit Michael Regener (alias Lunikoff), "Landser"-Frontmann und "Obergruppenführer" der "Vandalen", aufnehmen wollen. Nachdem dieser Kontakt zustande kam, habe S. den Laden geschlossen.

Da der kurze Wismarbesuch für Alexander Willibald Bahls im Gefängnis endete, löste dies eine Welle der Entrüstung in rechten Internet-Foren aus, die zu einem öffentlichen Boykottaufruf wurde. Die Unterzeichner, andere rechte Versände, warfen S. vor, er wirtschafte zu viel Geld in die eigene Tasche und gebe der Szene nicht genug zurück. Da der Druck nicht nachließ, verkaufte er im April 2007 sein Online-Geschäft und das Label "NorthX" an den Mitarbeiter und Wismarer Kameraden Norman P.

Ob er damit der rechten Szene entwachsen ist, bleibt weiterhin fraglich. Laut Szenekennern ist S. seit einiger Zeit als führendes Mitglied eines Wismarer Motorradchapters aktiv, welches wiederum große Überschneidungen zur örtlichen Neonaziszene und ehemaligen Werwolf-Clique aufweist. All diese Fakten dürften klar aufzeigen, dass "Phillip aus Wismar" kein gewöhnlicher "Glückspilz" und auch keine beliebte Person der Hansestadt ist. Vielleicht hätte Marcus Japke vom Radiosender "Ostseewelle" mal fragen sollen, was Phillip, wenn er nicht gleich wieder Besuch aus Berlin bekommt, mit den 10.000 Euro so anstellen will, und ob die davon möglichen Neuanschaffungen auch noch nach der nächsten Hausdurchsuchung in seinem Besitz sind.

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03.02.2012 [OZ]
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02.02.2012 [TAZ]
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