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Neonazis kassieren im Internet ab

Beim Geschäft mit dem Hass setzen rechte Szeneläden in MV zunehmend auf den Versandhandel. Der "braune Markt" ist heiß umkämpft.

03.09.2007

Rostock (OZ) Das Geschäft mit dem Hass boomt. Auch in Mecklenburg-Vorpommern nutzen rechtsradikale Geschäftemacher zunehmend das Internet, um ihre menschenverachtende Ideologie zu vertreiben. Versandläden wie "V7" aus Grevesmühlen oder der "H8-Store" aus Wismar machen kräftig Kasse mit Reichskriegsflaggen, platten T-Shirt-Sprüchen ("Weiße Macht - Deutsch, Stolz und Treue") oder CDs einschlägiger Nazibands.

Bundesweit hat sich der kommerzielle Handel mit den Fan-Utensilien der rechtsradikalen Szene zu einem Millionen-Markt entwickelt. Allein ein Unternehmen in der Größenordnung des V7-Versands mache jährliche Umsätze zwischen 750 000 und einer Million Euro, sagt Michael Weiß vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum (Apabiz) in Berlin. Grundlage für diese Schätzung sind Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform für einen Versand in vergleichbarer Größenordnung. Als Marktführer der Szene gilt der bei Rechtsextremisten beliebte Klamottenanbieter "Thor Steinar" (MediaTex GmbH/Königs Wusterhausen), der laut Apabiz einen Jahresumsatz von zwei Millionen Euro schreibt.

Für MV hat der Verfassungsschutz aktuell elf Nazi-Versandbuden gezählt. Davon gehören fünf zu den Platzhirschen "V7" und "H8". Kleinere Anbieter wie "Nebelklang" in Niederklütz (Nordwestwecklenburg) oder "Nordost Versand" (Löcknitz/Uecker-Randow) verkaufen via Internet vor allem braune Musik.

Neben den reinen Internet-Shops, die u. a. NPD-Utensilien oder Bücher anbieten, die für fünf Euro den "nationalen Angriff" propagieren, versuchen sich zunehmend auch die Betreiber der sogenannten Nazi-Läden im Internet. Diese Shops sind seit einiger Zeit in Städten des Landes präsent (z. B. Rostock, Schwerin, Wismar, Stralsund, Anklam).

So verkauft beispielsweise der Neonazi Markus Thielke die Schallplatten und CDs an Liebhaber rechtsradikaler Verse nicht nur in seinem Anklamer Szeneladen, sondern auch via Internet. Auch der vor einigen Monaten in Schwerin eröffnete und mit provisorischen Regalen und Kleiderständern spärlich eingerichtete "Thule-Store" setzt auf das Standbein Internet. Kein Wunder - die rechtsradikalen Unternehmer müssen sich neue Einnahmequellen erschließen. Sowohl im "Thule-Store" als auch in dem kürzlich in Rostock eröffneten "East Coast Corner" des Hamburger Neonazis Torben Klebe tauchen laut Szenebeobachtern kaum Kunden auf.

Nach außen hin zeigen sich die Neonazis gern geschlossen. Wenn es jedoch ums Geld geht, hört die Kameradschaft auf. Hinter den Kulissen tobt zurzeit ein erbitterter Verteilungskampf um die Marktanteile. So kündigt der Betreiber des Schweriner "Thule-Store", bei dem es sich laut der SPD-Kampagne "Endstation Rechts" um den Berliner Stefan Suhr handelt, auf der Internetseite an, die Zusammenarbeit mit "V7" und "H8-Store" abzulehnen.

Gründe für den Boykott werden nicht genannt. Insider vermuten, dass dabei geschäftliche Interessen im Vordergrund stehen. "Die Versände werfen sich vor allem Geldmacherei vor", sagt Tobias Albrecht, Sprecher der antifaschistischen Initiative A3. "Je mehr Geld im Spiel ist, desto heißer wird der Markt umkämpft."

Zu dieser Einschätzung kommt auch der Verfassungsschutz. "Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um eine gezielte Kampagne anderer Szene-Produzenten und Großvertriebe handelt, um die ungeliebte Konkurrenz loszuwerden", sagt Bernd Fritsch, Sprecher des Innenministeriums MV. Die rechtsextremistische Szene stehe den Betreibern Ingo Knauf ("V7") und Philip Schlaffer (Ex-"H8"-Chef) zwiespältig gegenüber.

In einem rechtsradikalen Forum beklagt sich daher ein Teilnehmer über die Monopolstellung, die "V7" und "H8" eingenommen hätten. Unlängst hatte zudem die Nazi-Aussteigerin Tanja Privenau im Berliner "Tagesspiegel" von Mafiamethoden berichtet, nach denen der Markt aufgeteilt sei. Gerade unter den großen Anbietern herrsche ein harter Verdrängungswettkampf.

Ingo Knauf, der seinen "V7"-Versand von dem Ort Plüschow bei Grevesmühlen aus betreibt, hat in den vergangenen Jahren mehrere Konkurrenten (z. B. "Show-Down-Records") geschluckt. Seit einiger Zeit bietet der Mann, der aus der Heavy-Metal-Szene stammt, auch eine "nationale T-Shirt-Druckerei" an.

Dem Druck nicht mehr standgehalten hat nach Angaben von Insidern der Wismarer Nazi-Unternehmer Philipp Schlaffer. Im Oktober vergangenen Jahres soll der Betreiber des "H8-Store" und des berüchtigten Szene-Ladens "Werwolf Shop" von dem Berliner Gesinnungsgenossen und Konkurrenten Alexander B. überfallen worden sein. B. sitzt seitdem in Haft. Dem Vernehmen nach habe B. von Schlaffer "eine fünfstellige Summe" gefordert - als Entschädigung für die Vermarktung von Neonazi-Artikeln in Berlin.

AXEL MEYER

Ostseezeitung

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