81 Prozent vertrauen ihren Nachbarn
14.12.2009
Von Reinhard Wehden
Neubrandenburg. Wann gibt es endlich wieder eine Einkaufsmöglichkeit in der Katharinenstraße, wo die ehemalige Edeka- Halle seit Jahren leer steht? Wie lässt sich der Autoverkehr besser durchs Viertel lenken? Was wird aus dem Latücht? Für diese Fragen interessieren sich die Bewohner des Katharinenviertels und die zirka 50 Teilnehmer des Bürgerforums waren deshalb teilweise enttäuscht, dass im Ratssaal zum Thema Das Katharinenviertel Dein Ort zum Leben?! solche Fragen nicht auf der Tagesordnung und auch keine Kommunalpolitiker Rede und Antwort standen. Hier hielt die Universität Bielefeld dem Viertel einen Spiegel vors Gesicht, in dem Qualitäten des sozialen Zusammenlebens abgebildet wurden. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und bürgerschaftliches Engagement ist die große Überschrift der Untersuchung, die unter der Aufsicht des Professors Wilhelm Heitmeyer steht und in zehn Orten Deutschlands, Ost wie West, durchgeführt wird.Insgesamt komme Neubrandenburg bei der Bewertung der politischen Kultur, dem bürgerschaftlichen Engagement und den Potenzialen sehr gut weg , so auch das Katharinenviertel, wertete Dierk Borstel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni. Es gebe nicht die Probleme wie in anderen deutschen Städten, auch ostdeutschen. In Neubrandenburg sei insbesondere der hohe Grad bürgerschaftlichen Engagements auffällig: Während in Deutschland insgesamt 35 Prozent aktiv sind, liegt Neubrandenburg mit 55 Prozent vorn und steht auch das Katharinenviertel mit 49 Prozent positiv da. 35,9 % seiner Bewohner würden in einer Bürgerinitiative mitarbeiten, 43,3 % an einer genehmigten Demonstration teilnehmen. 73,2 % sind bereit, sich gegen Rechtsextremismus zu engagieren (65,2 % Neubrandenburg insgesamt, 57 % Datzeberg). Konfliktpotenzial wird im Zusammenleben von Alt und Jung von 32 % der Anwohner gesehen. Als drei lokale Besonderheiten und Probleme nannte Borstel die Abwertung von Langzeitarbeitslosen, was soziale Sprengkraft habe; die Forderung, mehr für Recht und Ordnung zu tun und deshalb härter gegen Außenseiter und Unruhestifter vorzugehen und die Meinung, lokale Politiker interessieren sich nicht für unsere Probleme (78 %). Im Widerspruch dazu steht, dass sich die Hälfte der Befragten an Kommunalpolitiker wenden würde. Als positiv hob Dierk Borstel hervor, dass 81 % ihren Nachbarn vertrauen und auch über 80 % stolz sind, in Neubrandenburg zu leben. Die Neubrandenburger Ergebnisse, so hob der Bielefelder Wissenschaftler hervor, beruhen auf 611 halbstündigen Telefoninterviews, was in der Statistik als sehr repräsentativ gesehen werde. Am 15. und 16. Januar soll die Studie im Marktplatz-Center mit einer Ausstellung öffentlich gemacht werden, im April will man die Ergebnisse, einschließlich der Stellungnahmen von Politikern und Bürgern, in einer unentgeltlichen Broschüre vorlegen.Aber auch die aktuellen Probleme der Bürger des Katharinenviertels sollen nach dem Forum nicht vergessen sein. Manuela Becker vom CJD-Regionalzentrum für demokratische Kultur versprach, ein Bürgerforum mit Politikern aus dem Rathaus unter dem Motto Ein Ort zum Leben zu initiieren.
Nordkurier-Neubrandenburg
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