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Neue Gedenktafel für Synagoge gestohlen
04.11.2009
Stralsund - Unbekannte haben die Tafel zum Gedenken an die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Stralsund auf dem Hof der Langenstraße 69 gestohlen. Ein Foto des abgebauten Messingschildes tauchte in der vergangenen Woche auf der Internetseite einer rechtsextremen Organisation auf. In dem dazu gestellten Text heißt es unter anderem hämisch: "Wir selbst haben natürlich selbstredend keinen blassen Schimmer, welcher Unhold diese Tafel wann und warum entfernt hat. Man hat uns lediglich dieses Bild ohne weiteren Kommentar zukommen lassen." Nach Angaben von Uwe Werner, Sprecher der Polizeidirektion Stralsund, sind Beamte bei eigenen Recherchen auf die Veröffentlichung gestoßen. "Am 29. Oktober wurde Anzeige erstattet", sagte er.
Ermittlungsergebnisse lägen allerdings noch nicht vor.
Die Tafel war erst am 28. April dieses Jahres in Gegenwart von Landesrabbiner William Wolff und der Bundeskanzlerin Angela Merkel angebracht worden. Sie hatte das Schild in ihrer Eigenschaft als Bundestagsabgeordnete auch bezahlt.
Die Initiative zur Erinnerung an das wohl dunkelste Kapitel deutscher Geschichte war von den Stralsundern Ute Nitz und Jörg Zink ausgegangen. Beide engagieren sich auch seit Jahren für die so genannten Stolpersteine, die an jüdische Mitbürger in der Hansestadt erinnern. Ute Nitz, die für die CDU in der Bürgerschaft sitzt, äußerte sich empört: "Es ist nicht zu fassen, unverfroren, da fehlen einem die Worte." Sie habe bereits das Wahlkreisbüro von Angela Merkel informiert. Auch dort sei man betroffen. Derzeit bemühe sie sich um eine neue Tafel, die vielleicht schon zur Gedenkveranstaltung am 9. November wieder angebracht werden könnte.
Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) reagierte genauso entsetzt über diese Straftat kurz vor dem Jahrestag der Reichspogromnacht. "Ich hoffe nur, dass die Täter ermittelt werden können. So etwas schadet natürlich auch in hohem Maße dem Ansehen unserer Stadt." Als "dreiste Provokation" bezeichnete der Pfarrer von St. Nikolai, Hanns-Peter Neumann, den Diebstahl. Geantwortet werden müsse mit polizeilichen und strafrechtlichen Maßnahmen. "Nachdenklicher stimmt mich, dass im Zusammenhang mit dem Diebstahl eine Gruppe auftaucht, die sich schon in ihrem Namen dem Hass verschreibt. Wir müssen als demokratische Gesellschaft aufpassen, dass junge Menschen nicht dermaßen in Perspektivlosigkeit abgleiten, dass nur noch blanker Hass zu ihrem Lebensinhalt wird." Am 30. März 1787 hatte die jüdische Gemeinde Stralsund ihre Synagoge im Hof der Langenstraße 69 eingeweiht. Sie war die erste in der Region. Im Sommer 1913 wurde das Bethaus umgebaut und am 16. September 1913 in Gegenwart des damaligen Oberbürgermeisters Ernst Gronow wieder eingeweiht.
Während der Pogromnacht vom 9. zum 10. November hatten die Nationalsozialisten auch in Stralsund die Synagoge in Brand gesteckt. Die evangelischen Gemeinden laden am 9. November daher zu verschiedenen Veranstaltungen ein, die die Erinnerung wachhalten. Um 14 Uhr wird der Reichspogromnacht 1938 an der Stele am Johanneskloster gedacht. Anschließend sind die Stralsunder eingeladen zum stillen Gedenken auf dem Jüdischen Friedhof an der Greifswalder Chaussee.
Um 19 Uhr beginnt ein Friedensgebet in St. Marien. Hier wird der Fall der Mauer vor 20 Jahren im Mittelpunkt stehen. Im Anschluss heißt es dann am selben Ort: "Mir leben ejbig". Es erklingen jiddische Lieder aus den Ghettos, gespielt vom Trio Quer-Beet.
JENS-PETER WOLDT
Ostseezeitung-Greifswald
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