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In Boizenburg gabs was auf die Ohren
Das Phänomen "Rechtsextremismus/Fremdenfeindlichkeit" bleibt nach wie vor gesellschaftlich relevant. Das gilt auch für seine Behandlung im Schulunterricht. Am Elbe-Gymnasium ging es gestern um die Gefährlichkeit rechtsextremer Musik.
14.10.2009
von Dietmar Kreiß
BOIZENBURG - Wild und laut, fast schon aggressiv klang es gestern im Musikraum des Elbe-Gymnasiums aus den Boxen. Nach kurzer Zeit schaltete Hans-Joachim Stockschläger den CD-Player aus und beendete die Hörprobe. Der Historiker aus Mönchengladbach legte den Text auf eine Glasscheibe und warf ihn mit einem Polylux an die Wand, um ihn gemeinsam mit den Zehntklässlern des Elbe-Gymnasiums zu durchleuchten. Schnell war klar, für dieses Stück hatte die Punk-Band nur einfache Akkorde verwendet und mit wenigen Worten eine klare Ansage gemacht. Sie war unzufrieden mit den Verhältnissen dieses Landes und rief dazu auf, diese mit Gewalt zu verändern.
Die Jugendlichen sollten dies tun, nannte der Referent die Zielgruppe. Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich Stockschläger mit politischem Extremismus und in letzter Zeit zunehmend auch mit der Gefährlichkeit rechtsextremer Musik. Da gibt es, wie er sagte, eine breite Szene, die mit Rave, Schlager, Pop, Techno, Rock und Rap verschiedene Altersklassen je nach Geschmack erreichen will. Der Mitte der 1970er-Jahre in New York und London entstandene Punk kam erst später hinzu, weil dieser gerade die Jugendliche ab 12 Jahre besonders ansprach. In der Pubertät seien diese auf der Suche nach ihrem eigenen Weg sehr stark beeinflussbar.
In der rechtsextremen Jugendszene kommt der Musik eine äußerst wichtige Rolle bei der Rekrutierung von Nachwuchs und bei der Festigung von Gruppenstrukturen sowie bei der Festlegung und Verbreitung ideologischer Bilder zu, hob Stockschläger im Elbe-Gymnasium hervor.
Die Friedrich-Naumann-Stiftung für Freiheit hatte diese ansprechende Unterrichtseinheit für die Jahrgangsstufen 9 bis 13 entwickelt, die sich auch in die Lehrpläne der gesellschaftlichen Fächer sowie des Musikunterrichts der Boizenburger "Schule mit Courage - gegen Rassismus" einfügen ließ. Nach zwei Doppelstunden in Boizenburg referierte Stockschläger gestern noch in Vellahn.
Schweriner Volkszeitung-Hagenow
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