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Ungeliebter Arndt

Ernst Moritz Arndt war ein Rassist, sagen Studenten der Greifswalder Hochschule. Mit einer Urabstimmung wollen sie erreichen, dass der Senat die Uni umbenennt. Die Leitung zögert.

08.10.2009

von Sybille Marx

GREIFSWALD - Sebastian Jabbusch ist zufrieden. Endlich hat er die Unterschriften zusammen: 1300 Studenten der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald fordern eine Urabstimmung über den Namen ihrer Hochschule - und stellen sich so auf die Seite der Studenteninitiative "Uni ohne Arndt", die seit Monaten mit einer Internetseite, Plakaten und Aktionen gegen Arndt als Namenspaten kämpft.

Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860) lehrte einst als pommerscher Theologe und Historiker an der Uni. 1933 verlieh Herrmann Göhring der Hochschule seinen Namen, weil man in Arndt einen Vordenker des Dritten Reichs sah. Dass die Uni heute noch Arndts Namen trägt, findet Politikstudent Sebastian Jabbusch, der bei "Uni ohne Arndt" in vorderster Reihe kämpft, völlig unverständlich. "Wir sehen in Arndt einen Rassisten, Antisemiten und Nationalchauvinisten", sagt er - und verweist auf juden- und fremdenfeindliche Äußerungen, die sich zuhauf in Arndts Schriften finden. Wenn sich die Uni nicht umbenne, solle sich die Leitung zumindest öffentlich von Arndt distanzieren, fordert Jabbusch.

Nichts davon ist bisher passiert, obwohl Arndt schon einmal, 2001, unter Beschuss stand. Werner Buchholz, Professor für Pommersche Geschichte in Greifswald, erinnert sich: "Kollegen aus dem Ausland fanden den Namen befremdend." Der damalige Rektor berief ein Kolloquium ein. Doch der Name blieb, gewissermaßen als "Stachel im Fleisch". Buchholz hält dieses Argument inzwischen für vorgeschoben, weil die Pressestelle der Uni erst in diesem Jahr einen Text über Arndt auf die Internetseite gestellt hat. "Und der ist extrem unkritisch."

Wie Jabbusch ist der Professor der Meinung: "Die Uni sollte den Namen ablegen." An Arndt gebe es viele unappetitliche Seiten, und das gelte selbst dann, wenn man ihn im Kontext seiner Zeit sehe. Verkürzt formuliert, sagt Buchholz: Juden- oder fremdenfeindliche Parolen waren zu Arnds Zeiten zwar nicht ungewöhnlich. Aber Arndt schrie noch lauter als andere.

So wie Buchholz und die Studenteninitiative denken aber nicht alle in Greifswald. Unter den Studenten gibt es laut dem Allgemeinen Studierendenausschuss viele, die den Namen behalten wollen und noch mehr, die das Thema bisher gar nicht interessiert. "Wir als Asta positionieren uns deshalb nicht". sagt der amtierende stellvertretende Asta-Vorsitzende Pedro Sithoe. "Wir vertreten ja die Meinung aller Studenten."

Rektor Rainer Westermann, der ohnehin nicht die Entscheidungsbefugnis hätte, will sich zu dem Thema nicht äußern. Die Entscheidung treffen muss der Senat. Der hat aber erstmal eine Namenskommission eingesetzt, die prüfen soll, welche Vor - und Nachteile eine Umbenennung hätte. Senatsleiterin Maria-Theresia Schafmeister sagt, eigentlich gebe es viel drängendere Probleme.

Der entscheidende Schritt wird also wohl eher von der Urabstimmung kommen, auf die nun alles zusteuert. Vermutlich im Januar soll diese erste Urabstimmung an der Universität über die Bühne gehen. 12000 Immatrikulierte könnten dann Druck auf den Senat machen. Der muss ihrem Votum zwar nicht folgen. Doch Jabbusch glaubt: "Das wäre eine große Hürde."

Schweriner Volkszeitung

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