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Nazi-Angriff auf Polizisten: Zwei Angeklagte verurteilt

11.09.2009

Pasewalk/Rostock (OZ) - Sie feierten mit Hakenkreuzfahne und Nazi-Musik Adolf Hitlers Geburtstag. Und als zwei Polizisten in dem Garagenkomplex in Löcknitz (Kreis

Uecker-Randow) auftauchten, eskalierte am 20. April 2008 die Gewalt. Für den Angriff sind gestern die Neonazis René B. (22) und Jens T. (28) vom Amtsgericht Pasewalk wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung zu Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Die Strafen von je einem Jahr und acht Monaten wurden auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zwei weitere Angeklagte kamen aus Mangel an Beweisen frei.

Die Schläger, die zunächst die Aussagen verweigert hatten, wurden vom Hauptzeugen, dem Fahrer des Polizeiwagens, wiedererkannt. "Ich dachte schon daran, die Waffe zu ziehen -

ich hätte nicht gedacht, dass die Sache so eskaliert", schilderte Polizeimeister Michael Dietz die Dramatik. Der 28-jährige Neonazi Jens T. habe den Polizeikollegen auf dem Beifahrersitz angegriffen. Der 22-jährige René B. habe zudem mehrfach auf den Beamten eingeschlagen und versucht, ihn aus dem Wagen zu ziehen. Um den Wagen herum hätten weitere zehn bis zwölf Männer gestanden.

Der Übergriff ereignete sich am Rande einer Feier einer rechtsextremen Gruppe von 20 bis 30 Leuten in einem Garagenkomplex in der Nacht zum 20. April 2008, dem Geburtstag Adolf Hitlers. Die Polizisten wurden bei einer Streife in dem Komplex in ihrem Dienstwagen angegriffen. "Erst als wir das Pfefferspray einsetzten, konnten wir fliehen", sagte Dietz. Die Polizisten im Streifenwagen holten Verstärkung und lösten die Feier später auf.

Der brutale Überfall von Löcknitz reiht sich ein in zahlreiche Angriffe auf Polizeibeamte in Mecklenburg-Vorpommern. Ende vergangenen Jahres demolierte eine Gruppe von 20 Neonazis nach einem Konzert in Teterow (Kreis Güstrow) einen Polizeiwagen. Ende August griff eine Gruppe Hooligans einen Polizisten im Rostocker Stadtteil Schmarl an. Auf einem Stadtfest in Bützow (ebenfalls Kreis Güstrow) kam es vor zwei Wochen zu schweren Ausschreitungen, als rund 50 Rechte mit Eisenstangen und Sitzbänken auf Einsatzbeamte losgingen. Alle sechs Festgenommenen sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Bereits zwei Jahre zuvor war es bei dem Bützower Fest zu schweren Krawallen gekommen.

Der Attacke von Löcknitz waren 2008 mehrere ausländerfeindliche Vorfälle vorausgegangen. Die Gemeinde etwa 20 Kilometer westlich von Stettin (Szczecin) gilt als Modellort für das Zusammenleben von Deutschen und Polen in der Grenzregion. Erst kürzlich hatte die rechtsextreme NPD in dem Ort rund 60 Hetz-Schilder mit der Aufschrift "Polen-Invasion stoppen" in dem Ort aufgehängt und dafür eine Strafanzeige des Landkreises Uecker-Randow kassiert.

Ostseezeitung

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