NPD in 47 Wahlbezirken zweistellig
12.06.2009
Von Rainer Marten
Uecker-Randow-Kreis. Der große Medienrummel blieb aus: Uecker- Randow kam bundesweit nicht an den Pranger, weil die rechtsextreme NPD in der Region bei den Europa- und Kommunalwahlen prognostizierte Erfolge erreichte. Trotzdem: In 47 von 112 Wahllokalen zur Wahl des Kreistages Uecker-Randow kam die NPD auf über zehn Prozent der Stimmen. In vier Wahllokalen übersprang sie die 20 Prozent-Marke, in acht Wahllokalen die 15 Prozent-Marke.
Löcknitz und auch Ueckermünde waren Orte, die mit Plakaten massiv von der NPD beworben wurde. In beiden Orten entschieden sich im Vergleich zu früheren Wahlen weniger Wähler, hinter die NPD ihr Kreuz zu setzen. "Bei den Bundestagswahlen 2005 entschieden sich bei einer Wahlbeteiligung von 65,2 Prozent 9,6 Prozent für die NPD. Bei den Landtagswahlen 2006 waren es 18,2 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 55,2 Prozent und bei der Kreistagswahl 13,3 Prozent der Stimmen bei 41,6 Prozent Wahlbeteiligung", schlüsselt der Sprecher der Stadt Ueckermünde, Sven Behnke, auf. Je geringer die Wahlbeteiligung, je stärker schlage sich das NPD-Ergebnis in den Prozenten nieder, wertete er. Da bei der Stimmenauszählung am
7. Juni auf einem Stimmzettel sowohl Stimmen auf rechts als auch auf links verteilt wurden, geht Behnke in vielen Fällen von Protestwählern aus. "Wir dürfen darüber hinaus nach wie vor nicht die soziale Situation unterschätzen. Die Leute sind unzufrieden mit der Situation am Arbeitsmarkt", sagte er. Die über 18 Prozent für die NPD bei den vergangenen Landtagswahlen in Löcknitz konnte am Sonntag die Partei in diesem Ort nicht wieder erreichen. Etwa 13 Prozent stehen hier zu Buche, so Bürgermeister Lothar Meistring (Die Linke). Meistring, der mit einem über 60-Prozent-Ergebnis in einer früheren CDU-Hochburg in seinem Amt bestätigt wurde, sieht in den sozialen Verwerfungen eine Ursache dafür, dass rechts gewählt wird. "Natürlich wurden wir auch in vielen Fragen von der Entwicklung überrollt; die Politik hinkt der Entwicklung hinterher", gesteht er ein. Angesichts des beachtlichen Zuzuges entstanden in Schule und Kita Probleme, deren Lösung erst auf den Weg gebracht werden musste, sagte er. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute, die bei uns in Löcknitz rechts gewählt haben, meinen, das deren Vertreter jetzt die Probleme in der Gemeinde lösen", sagte er. Ahlbeck gehört wie Belling, Gemeinde Jatznick, zu den Orten, in denen die NPD auf über zehn Prozent kam. Ahlbecks Bürgermeisterin Angela Zeisler (parteilos) sagte, dass sich dieses Ergebnis in keiner Weise vorher abgezeichnet habe. "Ich weiß, dass die jungen Leute in der Gemeinde bleiben wollen, das aber aufgrund der wirtschaftlichen Situation nicht können und dagegen rebellieren", sagte sie.
Für Peter Fischer (Bürgerbündnis), Bürgermeister der Gemeinde Jatznick, relativiert sich das Bellinger Ergebnis ebenfalls. Das Ergebnis könne auf 20 Wähler, die weitgehend zu einer Familie gehören, reduziert werden. Die NPD wird in Fraktionsstärke im Kreistag Uecker-Randow sitzen. Fraktionsstärke bedeutet, dass sie über Anträge auf das Sitzungsgeschehen Einfluss nehmen kann.
Nordkurier-Pasewalk
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