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Vorbestrafter NPD-Mann will in den Kreistag
06.06.2009
Mit fünf Kandidaten tritt die NPD zur Kreistagswahl an. Darunter Sven Krüger aus Jamel, der mehrfach vorbestraft ist.
Grevesmühlen Das Plakat, das der SPD-Ortsverein im Grünen Weg in Grevesmühlen aufgehängt hatte, hielt gerade einmal eine Nacht. "Am nächsten Morgen hatte es schon jemand heruntergerissen", sagt Stefan Baetke und zuckt mit den Schultern. "Das war auch abzusehen." Das Plakat, auf dem vor der NPD gewarnt wird, hing genau vor dem ehemaligen Betonwerk, das Sven Krüger, Abrissunternehmer aus Jamel und Kreistagskandidat der NPD, vor Monaten gekauft hatte. "Man muss nicht lange raten, um zu ahnen, wer das 'runtergeholt hat", so Stefan Baetke.
Während die SPD-Plakate im übrigen Teil der Stadt noch an den Laternenmasten hängen, hat die NPD den Grünen Weg mit ihren Wahlkampfsprüchen zugepflastert. Auch vor dem Autohaus unweit des Betonwerkes, das Uwe Wandel gehört. Wandel ist nicht nur Unternehmer, sondern auch gleichzeitig Bürgermeister der Gemeinde Gägelow, zu der auch Jamel gehört. Jenes Dorf, um das sich aufgrund der rechten Aktivitäten um Sven Krüger seit Jahren der Verfassungsschutz bemüht. Denn seit Anfang der 1990er Jahre steht das kleine Dorf im Fokus der Ermittler und der bundesweiten Medien. Illegale Wehrsportübungen im nahen Wald sind nur ein Teil der Aktivitäten, mit denen sich die Polizei dort herumschlägt. Dass sich Sven Krüger nun zusammen mit vier weiteren Kandidaten für das Kreisparlament bewirbt, ist nicht nur der SPD und Bürgermeister Uwe Wandel ein Dorn im Auge (siehe Aufruf). Denn Sven Krüger ist nicht nur Mitglied der NPD, er verfügt auch über eine ellenlange Vorstrafenliste. Die allerdings hindert ihn nicht daran, sich zur Wahl zu stellen. Die Kommunalverfassung macht es möglich: Die Kandidaten müssen weder ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, noch spielt es eine Rolle, ob gegen sie ermittelt wird. Krüger wurde Anfang der 1990er Jahre laut Medienberichten wegen Landfriedensbruch, Überfall auf einen Dorfkrug und einer angezettelten Gefängnismeuterei verurteilt. 2004 verdonnerte ihn das Amtsgericht Grevesmühlen wegen versuchtem Diebstahl zu zehn Monaten Haft. Mehr als ein Dutzend Vorstrafen und unzählige Ermittlungsverfahren gehen auf das Konto des Abrissunternehmers.
MICHAEL PROCHNOW
Ostseezeitung
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