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Couragiert gegen Rechts
Eine Stadt wehrt sich gegen Rechts: Etwa 70 couragierte Boizenburger gründeten am Montagabend in der St.-Marien-Kirche das Bunte Bündnis Boizenburg und verabschiedeten ein Manifest. Darin stehen sie für ein demokratisches, angst- und gewaltfreies Miteinander in ihrer Stadt.
20.05.2009
von Katharina Hennes
BOIZENBURG - "Es reicht, wir wollen nicht mehr länger tatenlos zusehen, wie Rechtsextreme sich mehr und mehr in unser Stadtbild mischen." Bürgermeister Harald Jäschke trat am Montag als Erster vor die vollbesetzten Reihen in der Marienkirche. Erst vorgestern seien wieder rechte Jugendliche am Lauenburger Postweg fahnenschwenkend gesehen worden, erzählte er. "Sie drücken ihre Aufkleber an öffentliche Einrichtungen, attackieren Wehrlose und verbreiten Angst."
Dem wollen sich die Boizenburger jetzt entgegenstellen. Mit einem öffentlichen Bekenntnis zur Demokratie. Unter lautstarkem Beifall verabschiedeten sie am Montagabend in der Kirche ein Manifest für Boizenburg. Darin erklären sie ihren Wunsch für eine friedliche Zukunft, in der Minderheiten ohne Angst leben und die Menschen füreinander einstehen. Die Angst, so Bürgermeister Harald Jäschke, sei inzwischen so groß, dass Jugendliche überlegen, unsere Stadt zu verlassen. Auch Gymnasiasten ergriffen an diesem Abend das Wort. Thomas* erzählte, dass er vor vier Wochen von acht Rechtsradikalen mit Dachlatten angegriffen worden war. Bei Franks* Familie haben Unbekannte zu Hause die Tür eingetreten. Die beiden Schüler gehören zur Antifa-Gruppe. "Wir sind nur eine Handvoll", sagt Thomas, aber wir wollen etwas tun gegen rechte Gesinnung in unserer Stadt." Sie planen ein Konzert gegen Faschismus und hoffen, "damit viele Jugendliche aus dem tristen grauen Alltag zu holen".
Heidrun Dräger, Stadtvertreterin und Mitunterzeichnerin des an diesem Abend neu gegründeten Bunten Bündnis' Boizenburg zollte Respekt. "Es kann nicht sein, dass Ihr Jungen mutig auf die Straße geht und wir uns hinter Euch verstecken. Ihr gebt den Anstoß und Ihr braucht unsere Unterstützung." Für Stadtvertreter Rainer Wilmer von "Bürger für Boizenburg" zählt jetzt nur eines: "Die Boizenburger müssen wählen gehen. Nur über eine hohe Wahlbeteiligung kann unsere Stadt zeigen, dass es hier eine feste gewachsene demokratische Struktur gibt." Er erinnerte an die niedrige Wahlbeteiligung der letzten Wahlen in Boizenburg von nur 39 Prozent. "Eines ist gewiss: Die NPD-Radikalen gehen zu 100 Prozent wählen. Deshalb zählt jede, aber auch jede demokratische Stimme." (* Namen geändert)
Schweriner Volkszeitung-Hagenow
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