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Im Osten was Neues
Premiere. Polinnen und Polen mit Hauptwohnsitz im Uecker-Randow-Kreis streben Sitze in Kreistag und Stadtvertretung an.
06.05.2009
Pasewalk (mart). Im Landkreis Uecker-Randow prallen Gegensätze hart aufeinander: In der Region lassen sich einerseits seit Jahren mehr und mehr Menschen aus dem Nachbarland Polen nieder. Sie gründen Unternehmen, schaffen Arbeitsplätze, bewahren Häuser und Wohnungen vor Verfall und Leerstand, sind dennoch oder gerade darum nicht von jedem gern gesehen. Andererseits reiht sich im Grenzland eine Hochburg der rechtsextremistischen NPD an die andere. Ausländer wie Ausländerfeinde treten nun zur Kommunalwahl an. Polnische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger mit Hauptwohnsitz Mecklenburg-Vorpommern bewerben sich erstmals um Mandate für Kreistag und Stadtvertretung - auf Listen von Wählergemeinschaften und Parteien ebenso wie als Einzelkandidaten.
Einen polnischen Unternehmen hat die Wählerinitiative Pasewalk (WIP) für den Kreistag Uecker-Randow nominiert. Jaroslaw Wieczorek tritt in drei Wahlbereichen an, in einem sogar als Spitzenkandidat. Im Städtchen Löcknitz sind zwei Polinnen unter den 39 Bewerbern für die Stadtvertretung. Die eine steht auf der Liste der CDU, eine Erzieherin, parteilos, die seit drei Jahren in der Kleinstadt lebt. "Sie wurde von einem Parteifreund angesprochen und hat Ja gesagt", erklärt CDU-Ortsgruppenchef Detlef Ebert. "Schon 2004 hatten wir einen Briten auf der Liste, der auch jetzt wieder dabei ist", sagt er und fügt mit leisem Vorwurf hinzu, dass sich damals kein Mensch dafür interessiert habe.
Die Idee einer Zusammenarbeit Polen sei ins Gespräch gekommen, als sich anlässlich einer Abiturfeier am deutsch-polnischen Gymnasium in Pasewalk die Außenminister beider Länder trafen, wie Detlef Ebert erinnert. Der Wunsch von ganz oben sorgte an der christdemokratischen Basis zunächst für eine handfeste Kontroverse, befördert von der Angst vor den Verbalattacken der NPD. Der amtierende linke Bürgermeister von Löcknitz, so behauptet die rechtsextremistische Propaganda, sei das ideale polnische Stadtoberhaupt. Wie würde es ankommen - so die Sorge der Christdemokraten - wenn die CDU mit Polen in den Wahlkampf zieht? Als die abstrakte Idee ein Gesicht bekam, das Gesicht von Dorota Siuda-Pankau, verflogen die Zweifel, die CDU entschied sich klar für das Zusammengehen mit Polen. Kleinreden will Detlef Ebert die Probleme nicht, die mit den derzeit 200 polnischen Einwohnern nach Löcknitz und vielen mehr auf den Dörfern drum herum anstehen. "Es muss ein Geben und Nehmen sein", betont er salomonisch. "Wir müssen zusammen leben, wollen und können es auch." Seine Partei will dazu beitragen. Immerhin: "Löcknitz war von einer 40-jährigen Pause abgesehen und ist ein Vorort von Stettin", sagt Christdemokrat Ebert, Spitzenkandidat seiner Partei für das Amt des Löcknitzer Bürgermeisters. Um das sich übrigens auch ein "aus Schwedt eingeflogener NPD-Mann" bemühe.
Die zweite polnische Kandidatin in Löcknitz hatte einen Platz auf der CDU-Liste ausgeschlagen, um es als Einzelkämpferin für den deutsch-polnischen Verein Pomeraniak zu versuchen. Ihr würden von den 9617 Wahlberechtigten zur Kommunalwahl die Stimmen ihrer Landsleute genügen. Womit die strikte Zurückhaltung, sich in der Öffentlichkeit zu äußern, begründet wird. Zudem, so war mit einiger Mühe zu erfahren, soll die NPD möglichst wenig Stoff für ihre bekanntermaßen Wahlkampf-Hetze finden. Taktische Überlegung im Grenzland, wo Ausländer und Ausländerfeinde Nachbarn sind.
Nordkurier-Pasewalk
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