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KTV-Anwohner fürchten 1. Mai
18.04.2009
Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Lärm, fliegende Flaschen, brennende Papiertonnen, Blaulicht. Immer häufiger wird die KTV zum Austragungsort der Gewalt politischer Gruppen. Am Karfreitag war es zuletzt so weit. Nach einem Konzert in der Niklotstraße versammelten sich nach Polizeiangaben rund 250 Demonstranten mit Plakaten. Einige sollen versucht haben, eine Polizeistreife mit Flaschen zu bewerfen. Eine Gruppe junger Randalierer wurde in der Budapester Straße vorübergehend festgenommen, nachdem sie einen Laden, der der rechten Szene zugeordnet wird, attackierten. Zwei von ihnen wurden wegen Landfriedensbruch angezeigt. 130 Polizisten aus ganz Mecklenburg-Vorpommern waren im Einsatz. Einige Anwohner fürchten nun, dass es am 1. Mai zu ähnlichen Bildern kommen könnte. Mark Apitz, der am Freitag das Geschehen von seinem Fenster beobachtete, ist schon jetzt klar: "Ich parke mein Auto am 1. Mai bestimmt nicht am Brennpunkt." Immer wieder seien in der Budapester Straße Außenspiegel abgetreten oder Lacke zerkratzt worden. Seitdem der Naziladen an der Doberaner Straße vor zwei Jahren eröffnet habe, sei die Gegend nicht mehr dieselbe. Ein Nachbar, der seinen Namen nicht nennen will, packt deswegen sogar bereits die Umzugskartons. "Wir haben die Schnauze voll. Und die Stadt interessiert sich ohnehin nicht die Bohne für das Problem. Die verteilen lieber Knöllchen, als sich um die Kaputten zu kümmern", schimpft er. Anette Niemeyer, Ortsratvorsitzende, versteht die Beschwerden von Anwohnern und bestätigt: "Die Stadt nimmt die Lage nicht ernst." Sie wünscht sich eine Arbeitsgruppe, die das Problem aktiv angeht. Auch Ordnung und Sauberkeit spiele eine Rolle. Zudem sei sie von Anfang an eine Gegnerin der blauen Papiertonnen gewesen. "Die brennen eben besonders gut." Auch Stephanie Hameister, Leiterin des Ortsamts Mitte, nimmt die Klagen der Anwohner ernst. Doch eine Patentlösung hat sie auch nicht. "Wir greifen hier in einen luftleeren Raum. Und wenn Demonstrationen nicht angemeldet sind, sind uns die Hände gebunden. Es werden Müllbehälter als Barrikaden benutzt. Aber was können wir machen? Die Bürgersteige können wir schlecht hochklappen", so Hameister. Die Situation in der KTV sei wie eine Sinuskurve. "Mal ist es wieder ruhig, dann ist wieder Bambule. Das kann am 1. Mai wieder soweit sein oder Pfingsten." Der Rostocker Polizei-Chef Michael Ebert geht nicht davon aus, dass es am ersten Mai zu Ausschreitungen in der KTV kommt. "Der 1. Mai war in Rostock immer sehr ruhig. Es wird auch diesmal bei den üblichen Kundgebungen bleiben", so Ebert. Ganz hundertprozentig sicher ist er jedoch nicht. Das Konzert mit der späteren spontanen Demonstration am Karfreitag war nicht angemeldet und in nur kurzer Zeit haben sich rund 250 Personen versammelt. "Wir beobachten die Lage in der Stadt aber ständig, und auch am 1. Mai werden wir uns die Veranstaltungen genau ansehen. Darüber, wie die Polizei an diesem Tag aufgestellt ist, wollte Ebert jedoch keine Angaben machen. KTV-Bewohner Jürgen Fornacon (46) geht auf Nummer sicher. "Ich werde übers Wochenende einfach wegfahren. Dann kriege ich das alles gar nicht mit."
BIANCA HANNIG
Ostseezeitung-Rostock
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