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Braune Wanderer
04.03.2009
Die Einladung für den 6. Tollense-Marsch "im Raum Neubrandenburg" war kurz und bündig gehalten und sollte nur intern "im engsten Kameradenkreis" weitergeleitet werden. Unter der Führung von David Petereit, Jurastudent und Anführer der "Mecklenburgischen Aktionsfront", versammelten sich am frühen Samstagmorgen, den 28. Februar rund 60 überwiegend junge Neonazis aus der Region auf dem Parkplatz vor der Burg in Stargard, um in Richtung Neustrelitz loszumarschieren. Unter den braunen Wanderern waren neben den HDJ-Anhängern der "Leitstelle Nord", Denis Tomszek und Steve Neitzel aus Neubrandenburg, auch der Landtagsabgeordnete Tino Müller sowie dessen rechte Hand Marcus Neumann aus Ueckermünde. Flankiert wurden sie von etwa fünf Fahrzeugen unter anderem auch aus Bad Doberan und Stade, die die Straßen entlang der Route checkten. Denn anders als in den letzten Jahren war über den geplanten Neonazi-Marsch - der zeitlich im Rahmen des alljährlichen Gedenkens an den Todestag des NS-Märtyrers Horst Wessel liegt - zuvor im "Nordkurier" ausführlich berichtet worden. Die Polizei war mit mehreren Fahrzeugen im Einsatz, aber auch die zahlreichen zivilen Ermittler vor Ort schienen die Route im Vorfeld nicht zu kennen.
An zwei möglichen Startpunkten direkt am Tollense-See hatten Nazigegner und Die Linke Gegenkundgebungen angemeldet, so dass die Neonazis um Petereit ausweichen mussten. Auch im ehemaligen NS-Musterdorf Alt Rhese mit seiner ehemaligen Reichsführerschule für Ärzte regte sich erstmalig leichter Protest. 2007 noch waren die Neonazis ungehindert durch den Ort marschiert. In diesem Jahr hätte die Marschierer ein Transparent mit der Aufschrift "Wir für Demokratie und Toleranz" erwartet. Doch die kamen gar nicht in die Nähe des Dorfes. Dafür berichtet der "Nordkurier" über eine etwa 20-köpfige rechtsextreme Besuchergruppe aus Sachsen und Thüringen, die zeitgleich zum Marsch die reetgedeckten Dächer der früheren NS-Siedlung besichtigten.
Insgesamt machte der 6. Tollense-Marsch in diesem Jahr eher den Eindruck einer alibimäßigen Kurzwanderung. Disziplin und Marschordnung der jugendlichen Teilnehmer des Aufmarsches dürften den militärisch geprägten HDJ-Erziehern um Petereit allerdings weniger gefallen haben. So liefen jüngere Glatzköpfe recht lustlos hinter den in Tarnklamotten gekleideten Vorangehenden her. Auch das junge Mädchen mit Ausgehschuhen und Handtasche wollte nicht so recht zum inszenierten Anlass passen. Einer der Teilnehmer trug zunächst demonstrativ eine schwarze Fahne mit rotem Schwert und Hammer bei sich. Bei Sonnenschein und milder Temperatur wunderten sich die Dorfbewohner in Usadel und Ballwitz weniger über den versprengten Neonazi-Aufzug als über die Polizeipräsenz.
Zwischen den Kameradschaftsstrukturen um die "Mecklenburgische Aktionsfront", dem "Sozialen und Nationalen Bündnis Pommern", deren Kulturorganisation "Heimatbund Pommern" und der neonazistischen Erziehertruppe "Heimattreue Deutsche Jugend" (HDJ) bestehen enge Kontakte. Die HDJ-Homepage ist auf Tino Müllers Namen registriert und Mails landen nach NDR-Recherchen bei der NPD-Fraktion im Schweriner Schloss. Multifunktionär Petereit vertreibt in seinem Versandhandel die Jahreskalender der HDJ, in denen unter anderem an Rudolf Heß oder Albert Leo Schlageter gedacht wird. Im letzten Jahr soll an der Uecker ein Werbelager der HDJ mit vielen Kindern stattgefunden haben. Über die Märsche um den Tollense-See wird seit Jahren im HDJ-Organ "Funkenflug" berichtet.
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