Rechte kaufen Grundstück
29.02.2009
Grevesmühlen Das ehemalige Betonwerk im Grevesmühlener Gewerbegebiet am Grünen Weg hat einen neuen Besitzer. Nach OZ-Informationen hat Sven K., Abbruchunternehmer aus Jamel, die Immobilie gekauft. K., der mehrfach vorbestraft ist und vom Verfassungsschutz zur rechten Szene gerechnet wird, sorgt seit 1992 für Schlagzeilen im Land. Damals feierten 120 Neonazis am Ostersonntag, dem 19. April, Hitlers bevorstehenden 103. Geburtstag und hissten eine Reichkriegsflagge vor dem Gutshaus - direkt neben dem Wohnhaus von Familie K. Seitdem häufen sich die Meldungen über das kleine Dorf zwischen Grevesmühlen und Wismar. Nun geht in der Kreisstadt die Angst um, dass sich diese Geschichte auf Grevesmühlen ausweiten könnte. Dabei sah es im Januar 2007 fast danach aus, als würde es eine Lösung für das Problem in Jamel geben. Der Innenausschuss des Landtages nahm sich des Themas an. Die Mitglieder des Ausschusses samt Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sahen sich im Ort um und hörten sich die Sorgen der Gemeindevertreter an. Zwei Jahre danach hat sich nach Aussage von Uwe Wandel (parteilos), Bürgermeister von Gägelow, zu der auch Jamel gehört, nicht sehr viel getan. "Eigentlich gar nichts, um genau zu sein." Außer der Tatsache, dass Sven K. inzwischen weitere Grundstücke in dem kleinen Ort gekauft hat. "Bis auf das alte Forsthaus und einige Häuser, in denen Sympathisanten leben, gehören die meisten Häuser Sven K.", sagt der Bürgermeister. Dass der Abbruchunternehmer nun auch in Grevesmühlen eine Immobilie erstanden hat, ist laut Wandel kein gutes Zeichen. Im Rathaus der Kreisstadt ist man ebenfalls wenig begeistert über das Geschehen im Grünen Weg. Aber es sei ein Privatverkauf gewesen, so eine Sprecherin. Man habe erst im Nachhinein erfahren, wer das Objekt gekauft habe. Bürgermeister Jürgen Ditz (parteilos) ist derzeit auf einer Tagung und nicht zu sprechen. Das Thema allerdings sei in der Verwaltung schon besprochen worden, hieß es. Inzwischen wird auf dem ehemaligen Gelände des Betonwerkes kräftig renoviert. Ob Sven K. dort sein Abbruchunternehmen ansiedelt, oder ob es einen anderen Grund für den Immobilienerwerb gibt, darüber rätseln nicht nur die Grevesmühlener. Der Verfassungsschutz ist mittlerweile über das Vorgehen informiert. Laut dem Schweriner Innenministerium sei "die rechtsextremistische Szene im Raum Grevesmühlen im vergangenen Jahr durch Straftaten aufgefallen, die auf eine beginnende Strukturierung hinweisen." Sowohl Sven K. als auch das Geschehen im Grünen Weg würden weiterhin beobachtet. Landrätin Birgit Hesse (SPD) erklärte gestern: "Das ist sehr besorgniserregend und wir müssen genau hinschauen, was dort passiert und im Rahmen unserer rechtlichen Möglichkeiten konsequent handeln." Doch das allein reicht Uwe Wandel nicht. "Dass es im Moment keine Straftaten gibt, mag ja sein", sagt Uwe Wandel. "Das heißt aber nicht, dass es dort keinerlei Aktivitäten gibt." Die Informationen von Seiten des Verfassungsschutzes reichen dem Bürgermeister von Gägelow bei weitem nicht aus. Zumal die Kommunen sich ihre Erkenntnisse zumeist mühsam zusammensuchen müssen. "Es muss doch möglich sein, dass man uns rechtzeitig informiert und warnt."
Zum Ärger des Gägelower Bürgermeisters passt auch die Veranstaltung vor wenigen Tagen im Grevesmühlener Rathaus. Das Schweriner Innenministerium hatte die Bürgermeister im Amtsbereich Grevesmühlen zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Michael Flenker, Experte für die rechte Szene, erklärte dort, wie sich Kommunen schützen können, wenn rechte Gruppen Immobilien kaufen oder mieten wollen. "Das war im Grunde genommen eine gute Veranstaltung, aber konkrete Informationen über das, was in unseren Gemeinden passiert, haben wir dort nicht bekommen", sagt Uwe Wandel. Und für Grevesmühlen kam die Veranstaltung ein paar Wochen zu spät.
Jamel ist nicht das einzige Problem. In Plüschow sitzt seit Jahren einer der größten Versandhandel für die rechte Szene. T-Shirts, Fahnen, Bücher, CDs - es gibt dort alles, was rechte Anhänger brauchen. Auch hier gibt es weder von der Polizei noch vom Verfassungsschutz konkrete Nachrichten. "Dabei", sagt Uwe Wandel, "wäre das wichtig, damit wir wissen, womit wir es zu tun haben." Mathias Brodkorb, Landtagsmitglied (SPD) und Mitarbeiter bei "Endstation Rechts", sieht den Immobilienerwerb in Grevesmühlen derweil nicht ganz so dramatisch. "Wir müssen erst einmal abwarten, was Sven K. dort überhaupt vorhat."
MICHAEL PROCHNOW
Ostseezeitung-Grevesmühlen
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