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Amt will mit Bilderschau zu NS-Verbrechen aufrütteln

Ausstellung. Im Landratsamt sind grausame Bilder von Menschen zu sehen, die in den Konzentrationslagern von Auschwitz und Majdanek gedemütigt wurden. Der russische Kunstprofessor war Soldat im zweiten Weltkrieg und hielt seine Eindrücke aus deutschen Vernichtungslagern in düsteren Bildern fest.

12.02.2009

Von Christian Gies

Waren. "Mit der Ausstellung wollen wir erinnern und aufrütteln, und nicht vergessen." Mit diesem Appell eröffnete Landrätin Bettina Paetsch (CDU) die Ausstellung "Der Soldat Tolkatchev an den Toren zur Hölle" im Landratsamt.

Erschreckende Bilder hängen nun bis zum 20. Februar in den Fluren der Verwaltung. Der neutrale Beobachter fühlt sich geradezu hineingesogen in die einzelnen, traurigen Momente von verfolgten Juden, die ihren Tod in den Konzentrationslagern von Majdanek und Auschwitz fanden. Mit der ganzen Brutalität des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges konfrontiert der 1903 in Weißrussland geborene Künstler Zinovii Tolkatchev den Besucher der Ausstellung. Und lässt ihn erschüttert zurück. Der damals 41-jährige Kunstprofessor erlebte als Soldat den Horror in den Vernichtungslagern hautnah mit. Alles, was er nach der Befreiung von Auschwitz sah und was ihm Überlebende schilderten, brachte er auf Papier - in 23 Tagen ohne Essen und Schlaf.

In "Nichts als Knochen" zeigt er einen sichtbar gealterten, gebrochenen Mann, der durch seine gebeugte Haltung beim Tragen einer Bahre auffällt. Diese demütigende Szene wird dadurch noch verstärkt, dass er einen Mantel mit einer Aufschrift für Konzentrationslager auf dem Rücken tragen muss. Die im KZ Untergebrachten werden solange zermürbt, bis sie nur noch ein Häufchen Elend sind - das verdeutlichen weitere Bilder. Alle Spuren von Individualität eines Gefangenen wurden an diesem Ort gelöscht. Statt mit einem Namen wurden die Todgeweihten nur noch mit einer Nummer angeredet, die sie auf einer Jacke stehen hatten. Diese Degradierung intensiviert der Sohn eines Metallarbeiters durch die düstere Stimmung der verwendeten Farben. Bläulich-graue Töne dominieren seine Zeichnungen. Wütend macht das Bild "Drei Deutsche", auf dem drei dämonisch lachende Soldaten zu sehen sind. Es ist die Gleichgültigkeit gegenüber menschlichem Leben, die diese Leute umgarnt.

"Und deshalb muss man auch die Personen heute ernst nehmen, die die freiheitliche demokratische Grundordnung mit Füßen treten, die nichts auf Pietät und Menschenwürde geben", warnte Andreas Handy, der Leiter der Europäischen Akademie. Warens Polizeichef Edo Kuhlmann, der die Veranstaltung mit seinen Kollegen mit großem Interesse verfolgte, und Warens Bürgermeister Günter Rhein (SPD) riefen während der Ausstellungseröffnung dazu auf, bei den anstehenden Wahlen die Stimme einer demokratischen Parteien zu geben.

Nordkurier-Waren

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