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Storch Heinar und das Ei der Weichen
Storch Heinar - ein Führer, der seine Biografie noch selbst fälscht.
27.12.2008
ROSTOCK - "Heinar, ein kleiner missratener Storch, war zu schwach, um im Herbst nach Afrika zu fliegen. Er wollte daher den Vogelzug nehmen. Der fuhr um 19.33 Uhr vom Bahnhof ab. Heinar trödelte und kam erst 19.45 Uhr am Bahnhof an - als alles längst zu spät war", so beginnt die Geschichte vom Storch Heinar. In der Bahnhofskneipe fasste der frustrierte Stelzenvogel dann bei einem Glas Eierlikör einen folgenschweren Entschluss. Er machte seinen Namen zur Marke: "Storch Heinar". Die Ähnlichkeit zur real existierenden Marke "Thor Steinar", die vor allem bei Rechtsextremen beliebt ist und als Erkennungszeichen getragen wird, ist durchaus gewollt.
Seitdem ist der Vogel nicht nur der erste Führer, der seine Biografie selbst fälscht, er entwickelt auch fleißig seine Mode-Kollektion weiter. So sind auf der Internetseite www.storchheinar.de beispielsweise T-Hemden der Modelle "Ronny" und "Mario" für ihn und "Jaqueline" für sie im Angebot - ergänzt die sportliche Handtasche "Wüstenfuchs".
Auch wird die Geschichte des braunen Vogels in Episoden im lokalen Rostocker Radiosender "Lohro" erzählt.
Geistige Väter der Storch-Heinar-Satire sind die Macher der Internetseite "Endstation Rechts". "Wir wollen über rechtsextreme Szeneläden und braune Modeklamotten aufklären", sagt Mathias Brodkorb, einer der Initiatoren des Projektes. Statt auf langweilige, seitenlange Broschüren setze man dabei auf jugendgemäße Satire, so Brodkorb, der für die SPD im Schweriner Landtag sitzt. Die knapp 20 Euro Erlös für jedes T-Shirt sollen in die redaktionelle Arbeit des Projekts gehen.
Die Marke "Thor Steinar" der in Brandenburg ansässigen Textilfirma Mediatex gilt in der rechtsextremen Szene als "identitätsstiftendes Erkennungszeichen", wie der Verfassungsschutz in Potsdam in seinem Jahresbericht schreibt. Der Aufdruck "Division Thor Steinar" erinnert an den Namen des Generals der Waffen-SS, Felix Steiner.
Das Andreas-Kreuz, das seit 2004 statt symbolisierter germanischer Wolfsangel die Klamotten der Marke kennzeichnet, findet sich in abgewandelter Form auch in der Satire-Version wieder. Unter den gestreckten Storchenflügeln und -beinen liegt ein Ei. Eine Anspielung auf die vor wenigen Wochen wieder neu entflammte Diskussion, ob Adolf Hitler nur einen Hoden hatte.
Der Zuspruch im Internet sei in den ersten drei Wochen so groß gewesen, dass die Server an manchen Tagen die Grenze ihrer Belastbarkeit erreicht hätten, so Brodkorb. Bis zu 16 000 Nutzer hätten sich täglich auf die Seiten eingeklickt, um den Radiospot herunterzuladen. Die Pläne gehen weiter. Comics und Trickfilme seien bereits in Arbeit.
Schweriner Volkszeitung
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