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Jeder Sechste in MV befürwortet eine Diktatur

Eine Studie der Universität Leipzig zeigt, dass Rechtsextemismus vor allem in Mecklenburg-Vorpommern immer noch weit verbreitet ist. So stimmen zum Beispiel 32,2 Prozent der Nordostdeutschen dem Satz zu: "Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet."

28.11.2008

Schwerin (dpa) In Mecklenburg-Vorpommern sind rechtsextreme Einstellungen laut einer Studie im Auftrag der SPD- nahen Friedrich-Ebert-Stiftung weit verbreitet. Jeder sechste Deutsche im Nordosten (16 Prozent) befürworte eine Diktatur, heißt es in einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten Erhebung der Universität Leipzig zu rechtsextremistischen Einstellungen. Dieser Wert, ermittelt aus vier Befragungen zwischen 2002 und 2008, sei in Mecklenburg-Vorpommern "auffallend am deutlichsten ausgeprägt", schrieben die Autoren.

In Sachsen-Anhalt hätten nur 9,7 Prozent, in Bayern 8,4 Prozent und in den anderen Ländern noch weniger Befragte Sätzen wie diesem zugestimmt: "Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert."

Aus Reihen der CDU wurden am Donnerstag in Schwerin Zweifel an der Aussagekraft der Studie laut, für die in Mecklenburg-Vorpommern 337 Menschen befragt wurden. Auch die Zustimmung zu Aussagen, die den Nationalsozialismus verharmlosen oder Teilen seiner Rassenideologie zustimmen, ist demnach in Mecklenburg-Vorpommern größer als anderswo.

Laut der Untersuchung bejahten 7,2 Prozent der Befragten im Land den Satz "Die Verbrechen des Nationalsozialismus sind in der Geschichtsschreibung weit übertrieben worden." Nur in Baden-Württemberg ermittelten die Forscher einen vergleichbar hohen Wert. Der Satz "Es gibt wertvolles und unwertes Leben" fand in Mecklenburg-Vorpommern bei 14,3 Prozent der Befragten Zustimmung. In Thüringen war dieser Wert mit 9,1 Prozent am zweithöchsten.

In insgesamt sechs Dimensionen wurden die rechtsextremen Einstellungen ermittelt. Überdurchschnittliche viele Nordost-Deutsche unterstützen demnach chauvinistische - das heißt aggressiv-nationalistische - Aussagen. 27,6 Prozent teilten Positionen wie "Das oberste Ziel der deutschen Politik sollte es sein, Deutschland die Macht und Geltung zu verschaffen, die ihm zusteht". Ausländerfeindliche Statements wie "Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß.überfremdet" stießen bei 32,2 Prozent der Mecklenburger und Vorpommern auf Zustimmung.

Im Mittelfeld liegt der Nordosten lediglich beim Antisemitismus. 5,4 Prozent der Befragten unterstützten Positionen wie "Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns". Hier lag die Zustimmung mit 16,6 Prozent in Bayern am höchsten, gefolgt von Baden-Württemberg (13,3) und Thüringen (12,9). Am geringsten waren antisemitische Stimmungen in Brandenburg (1,1 Prozent) und im Saarland (1,5 Prozent).

Im Bundesdurchschnitt waren laut Studie fast 18 Prozent der Befragten der Ansicht, dass der Einfluss von Juden auch heute noch zu groß sei. Knapp 15 Prozent stimmten der These zu, Juden arbeiteten für ihre Ziele mehr als andere "mit üblen Tricks". Allerdings sei gegenüber früheren Befragungen ein leichter Rückgang rechtsextremer Positionen zu verzeichnen, erklärten die Leipziger Wissenschaftler Prof. Elmar Brähler und Oliver Decker. Diese Entwicklung sei möglicherweise auch ein Erfolg der vielfältigen Projekte gegen den Rechtsextremismus.

Der Chef der CDU-Landtagsfraktion, Armin Jäger, stellte die wissenschaftliche Aussagekraft der Studie für einzelne Bundesländer in Frage und verwies auf die vergleichsweise niedrige Zahl der Befragten in Mecklenburg-Vorpommern. "Damit ist die Aussagekraft der Extremismusstudie gleich null!", betonte Jäger.

Kritik an der Untersuchung kam auch von Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Der Bund-Länder-Vergleich spiegele nicht die wirkliche Situation in den Ländern wieder. Die Studie lasse die Vielzahl von Initiativen gegen Extremismus und Fremdenfeindlichkeit vollkommen außer Acht, bemängelte Caffier.

Ostseezeitung

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