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Opfern ein Gesicht geben
Eine Folge von Druckgrafiken, die das Sternberger Relief zum Judenpogrom von 1492 nacherzählen, ist zurzeit in der Sückauer Kirche zu sehen.
11.11.2008
von Maria Nielsen
SÜCKAU - "Zahlen sind anonym. Aber Porträts machen deutlich, dass es Leute wie du und ich sind, die da hingerichtet wurden. Ich möchte mit dieser Arbeit den Opfern ein Gesicht geben." Joachim Steinmann stellt zurzeit in der Sückauer Kirche ein Folge von Druckgrafiken aus, die ein Pogrom gegen die Juden nacherzählen, das sich 1492 in Sternberg ereignete. Wegen einer angeblichen Hostienschändung hatte man 27 Juden aus ganz Mecklenburg-Vorpommern in Sternberg verbrannt. Schon wenige Jahre danach wurde diese Schandtat auf einem Relief abgebildet, das noch heute in der Sternberger Kirche zu sehen ist. Und dieses Relief hat den Künstler Steinmann zu seiner Arbeit inspiriert. Er begann, sich mit dem Judentum auseinander zu setzen und Familienforschung zu treiben, denn auf dem jüdischen Friedhof in Bützow gab es allein drei Grabsteine mit dem Familiennamen Steinmann. Diese Familien hatten aber nichts mit seiner Familie zu tun, obwohl es im frühen 19. Jahrhundert einen jüdischen Zweig im Litauischen gab.
Joachim Steinmann ist Christ und hat sich als solcher auch immer wieder mit Themen aus dem alten Testament befasst, zuletzt mit der Arche Noah - dem Alter entsprechend, wie er verschmitzt erklärt. Die Arche Noah als Synonym für die Lebensbilanz: was will man mitnehmen auf der verbleibenden Wegstrecke, was bewahren, wovon verabschiedet man sich.
Joachim Steinmann ist seit über 30 Jahren künstlerisch tätig, neben dem Broterwerb. Er studierte in Leipzig Kunsterziehung und Geschichte und arbeitete viele Jahre als Lehrer, unter anderem sieben Jahre in Kaarßen. Aus dieser Zeit stammt die herzliche Verbindung nach Preten zu Dr. Herbert Wilhelm, die bis heute besteht. Als er in Bützow einen Ausreiseantrag stellt, darf er ab 1986 seinen Beruf als Lehrer nicht mehr ausüben. Seine Frau und er ziehen den Antrag wieder zurück, aus Angst, die Kinder zu verlieren, die Drohungen waren unüberhörbar.
Später ist er Abgeordneter in der letzten Volkskammer der DDR und dann im Schweriner Landtag. Steinmann gibt sein Mandat zurück, als er für die nächsten zwölf Jahre Direktor der Landesrundfunkzentrale wird. "Zu Beginn gab es in den Parlamenten noch ganz viele Künstler. Beide, der Politiker als auch der Künstler sind gestalterisch tätig, da sehe ich keinen Widerspruch", so Joachim Steinmann.
An seine künstlerische Arbeit geht er über den Intellekt heran. Daher auch die Orientierung zur Grafik. An diesem Prozess interessiert ihn auch sehr der unmittelbar handwerkliche Prozess, wenn es in der Werkstatt ans Drucken der Holz- oder Metallplatten geht. Joachim Steinmann stellt das dritte Mal in der Sückauer Kirche aus. Der Zyklus wurde gewählt, weil des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht am 9. November 1938 in Nazi-Deutschland gedacht wurde. Die Arbeiten sind noch einige Wochen zu sehen.
Schweriner Volkszeitung-Hagenow
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