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Störenfriede überschatten Gedenkfeier
Eklat. Die Verlegung der Stolpersteine zur Erinnerung an die ermordeten Juden in Waren ist gestern von jungen Extremisten gestört worden.
10.11.2008
Von Jens Kiffmeier
Waren. Ein Aufzug jugendlicher Extremisten hat gestern Nachmittag die Gedenkveranstaltung anlässlich des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht überschattet. Zahlreiche Bürger waren dem Aufruf von Stadtpräsident Andreas Handy (CDU) und den beiden christlichen Kirchen gefolgt, um friedlich an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur im Dritten Reich zu erinnern. Doch noch vor Beginn der Veranstaltung, bei der Bürgermeister Günter Rhein (SPD) und Landrätin Bettina Paetsch (CDU) vier Gedenktafeln in den Asphalt verlegen wollten, zogen die vermummten Jugendlichen auf dem Marktplatz auf. Dabei entrollten sie ein Transparent und skandierten mit einem Megaphon lautstark Israel feindliche Parolen. "Es ist traurig, dass 70 Jahre nach der schrecklichen Judenverfolgung hier auf dem Marktplatz wieder Unruhe herrscht", zeigte sich Stadtpräsident Handy bestürzt.
Unterdessen herrschte bei den Anwesenden eine unterschiedliche Auffassung, wie man mit den Störenfrieden umgehen sollte. Einige mutige Bürger stellten sich den Jugendlichen in den Weg und forderten sie zum Rückzug auf. Andere wollten indes die Extremisten ignorieren und sich nicht den Zeitpunkt für den Veranstaltungsbeginn diktieren lassen. Doch noch vor dem Eintreffen der Polizei-Verstärkung traten die Jugendlichen den Rückzug an. Zwei Beamte, die sofort an Ort und Stelle waren, nahmen die Verfolgung auf. Allerdings, so erklärte ein Beamter, verstreuten sich die Jugendlichen in alle Richtungen, so dass vorerst ihre Personalien und die Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot nicht aufgenommen werden konnten.
Ein wenig hatte sich die Störaktion bereits im Vorfeld angekündigt. Wie Veranstaltungsorganisatorin Dorothea Rother informierte, waren in der Nacht zu Sonntag bereits die Türen der Georgenkirche mit eindeutig zu verstehenden Zeitungsartikeln zugeklebt und Blumenkübel vor der Parfümerie Amarillis umgetreten worden. In dem Geschäftshaus hatte die jüdische Familie Löwenberg bis zu ihrer Verhaftung 1938 gelebt. Hier verlegten die Initiatoren der Veranstaltung dann nach dem Abzug der Jugendlichen auch die vier "Stolpersteine". Sie sollen künftig ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus und Intoleranz sein.
Die Stolperstein-Initiative stammt vom Kölner Künstler Gunter Demnig. Die Idee: Die Steine werden vor dem letzten Wohnhaus der verfolgten Juden in den Asphalt eingelassen. Auf den Tafeln stehen Name, Deportationsdatum und der Todesort. Insgesamt 12 Steine sollen in Waren verlegt werden, wo laut Rother bis 1938 zirka 35 Juden lebten. An ihre Geschichten und das jüdische Leben, das einst in Waren herrschte, erinnerte sie im Anschluss an die Steinlegung mit einer Gedenkstunde in der Marienkirche. "Es sind viele schreckliche Dinge hier passiert. Es ist doppelt traurig, dass das Andenken heute in den Schmutz gezogen worden ist", sagte eine Teilnehmerin.
Nordkurier-Waren
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