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Jüdischer Mitbewohner gedacht
10.11.2008
Von Karl-Heinz Engel
Neubrandenburg. Die Viertorestadt hat jetzt einen Ort der Mahnung und der Erinnerung an die Verfolgung ihrer jüdischen Einwohner. Anlässlich des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde gestern Abend die Gedenkstätte in der Poststraße unter Glockengeläut im Beisein mehrerer Hundert Neubrandenburger eingeweiht. Hier hatte die Synagoge gestanden, die in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 von SA-Leuten niedergebrannt wurde. Auf dem neu gestalteten Platz sind unter anderem 19 Grabsteine vom ehemaligen jüdischen Friedhof niedergelegt worden. Der hatte in den 60er Jahren Bauarbeiten weichen müssen.
Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD), OB Paul Krüger, Stadtpräsident Günter Rühs (beide CDU), Vertreter der Linken und von Verbänden legten Blumen und Kränze an dem vor 15 Jahren vom Bildhauer Uwe Maroske gefertigten Gedenkstein nieder. Paul Krüger rief vor allem die Jugend auf, nicht nachzulassen im Einsatz gegen Rassismus und Intoleranz. Die Wahrung demokratischer Werte sei wichtiger denn je.
In Neubrandenburg hatten um 1900 etwa 100 Einwohner jüdischen Glaubens gelebt, Anfang 1938 waren es noch 15. Viele von ihnen mussten den Weg in die Vernichtungslager antreten. Steffen Compat, Auszubildender in der Stadtverwaltung, verlas unter ergreifenden Geigenklängen ihre Namen. Der letzte jüdische Einwohner, Isidor Heine, starb einen Tag vor seiner geplanten Deportation. Die Gedenkstätte in der Poststraße kann nun auch als Ausgangspunkt eines Lehrpfades "Spurensuche Orte der Gewalt - Jüdisches Leben in Neubrandenburg", der auch zum Haus Isidor Heines führt, genutzt werden. Begonnen hatte die Gedenkveranstaltung in der Stadt bereits am Vormittag mit einem Gottesdienst in der Friedenskirche. Am Nachmittag trafen sich auf Einladung der Johannisgemeinde und der Volkshochschule etwa 150 Neubrandenburger in der Johanniskirche, um einem Klezmer-Konzert des Ensembles "Shoshana" aus Dessau zuzuhören. Das Trio unter der Leitung von Leonid Norinsky verstand es,
sowohl mit melancholischer als auch mit fröhlicher Musik ein Stück jüdische Kultur lebendig werden zu lassen.
Nordkurier-Neubrandenburg
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