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Peinlich. Polizei duldete Neonazi-Konzert in Mallentin

Bei einem Rechtsrock-Konzert mit vier Bands und mehr als 1000 Besuchern in dem kleinen nordwest-mecklenburgischen Dorf Mallentin trat offenkundig auch der Sänger der verbotenen Band "Landser" auf. Doch die Polizei erkannte "keine Zwischenfälle, die ein Eingreifen erforderlich machten". Erst am Tag danach...

29.10.2008

Der Ort - eine alte Industriehalle in Mallentin, nicht weit von Lübeck. Eine verlassene Gegend. Hier lachten sich am Samstag, dem 25.10. mehr als 1000 Neonazis ins Fäustchen. Vier Neonazibands konnten ungestört auftreten, für eine "private Feier" hatten die Veranstalter den Ort gemietet. 80 Polizisten schauten tatenlos zu und halfen, den Verkehr zu regeln.

"Mit dem Landratsamt überprüfen wir gerade, ob eine Genehmigung vorliegt, Schankkonzessionen oder Baurechtsauflagen berücksichtigt werden", sagte ein Polizeisprecher noch nachts um 23 Uhr der tageszeitung taz.. "Liegt was vor, schreiten wir ein", versicherte er. Am Sonntag teilte die zuständige Schweriner Dienststelle mit: "Es gab keine Zwischenfälle, die ein Eingreifen erforderlich machten".

Mittlerweile sieht die Polizei das anders. Denn tags darauf ließ sie folgendes verlauten, zitiert aus mv-ticker.de: "Nach heutiger Auswertung des Einsatzes in Mallentin, anlässlich eines rechtsextremen Konzertes, hat der Leiter der Polizeidirektion Schwerin, Knut Abramowski, Versäumnisse im Zuge der polizeilichen Maßnahmen festgestellt. So wurden notwendige Kontrollen der anreisenden Rechtsextremisten im Vorwege nicht durchgeführt und Polizeikräfte zu spät nach Mallentin gebracht. Fehlerhafter und nachlässiger Umgang mit einsatzrelevanten Informationen aus dem Einsatzbereich der Polizeidirektion Schwerin machten es dem vor Ort agierenden Polizeiführer unmöglich die Teilnahme des Rechtsextremisten Michael Regener zu erkennen: "Wäre diese wichtige Information zum Polizeiführer gelangt, hätte es eine neue Lagebeurteilung gegeben, die auch zu einer Auflösung geführt hätte. In jedem Falle hätten alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Anreise der Veranstaltungsteilnehmer zu verhindern, auch wenn der Ort der Veranstaltung der Polizei erst kurz vor Konzertbeginn bekannt wurde", so der Leiter der Polizeidirektion Schwerin.

Verbotener Auftritt

Das besonders peinliche: Besagter Sänger Michael Regener ist gerde erst aus dem Gefängnis entlassen worden und hat in Deutschland eigentlich Auftrittsverbot. Seine agressiv und menschenverachtend textende Band Landser galt der Justiz als kriminelle Vereinigung, mit der daraufhin gebildeten "Lunikoff Verschwörung" hetzte Regener weiter. Kaum in Freiheit, veröffentlichte Regener geschäftstüchtig mit Lunikoff eine neue CD mit dem vieldeutig vielsagendem Titel "Heil froh" und einem Titelbild (siehe Foto), das einen eindeutigen historischen Bezug zum Dritten Reich herstellt. Untertitel seiner Werbung: "Die neue CD vom "Hetzer". Garantiert "politisch unkorrekt". Darauf singt er u.a.: "Wenn du mich fragst, was ich am meisten hasse / dann ist das auch ganz schnell erzählt: Mulikulti, Toleranz, diesen ganzen Affentanz" und droht: "Bald beginnt der richtige Spaß / dann geht's an den Kragen der Bonzen und Bänker".

Von alldem hatte die eingesetzte Polizei aber offensichtlich keine Ahnung. Und auch keine Muße, tätig zu werden. So heißt es in einem Bericht auf indymedia: "Die Grün-Weißen hielten sich zurück, wir hatten eigentlich mit Vorabkontrollen gerechnet aber außer 2 Bullenwannen haben wir weit und breit nichts gesehen", freuen sich Besucher/innen des Konzertes. Weder versuchte die Polizei, die Veranstaltung zu unterbinden, noch gab es die sonst obligatorischen Vorkontrollen, bei denen die Anreisenden auf Waffen oder Straffälligkeit überprüft werden. Stattdessen, so berichteten beobachtende Antifaschist/innen, vertrieben vereinzelte Polizist/innen sich die Zeit mit Kartenspielen, Bereitschaftskräfte wurden im nahen Grevesmühlen zurückgehalten. Gegenüber der Öffentlichkeit gab die Polizei sich anschließend überrascht...Dabei war ein Konzert mit der "Lunikoff Verschwörung" in Mecklenburg-Vorpommern bereits spätestens am Freitag Gesprächsthema in einschlägigen Kreisen im Land. Über einen Auftritt des früheren Landser-Sängers und in der Szene berühmten Michael Regener, zu dem letztendlich 1.500 Neonazis anreisen, werden darüber hinaus neben den Besucher/innen mehrere weitere Tausend Rechte informiert gewesen sein. Sollten die Verfassungsschützer/innen und polizeilichen Rechtsextremismusabteilungen der gesamten Bundesrepublik dies nicht mitbekommen haben, stellt das ihre Profession doch sehr in Frage..."

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