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"Schutzimpfung" gegen braunes Gedankengut
26.10.2008
Neubrandenburg. Am kommenden Montag bricht der Neubrandenburger Dreikönigsverein zu seiner 9. Jugendreise nach Israel auf. Mehr als 20 Teilnehmer im Alter zwischen 15 und 24 Jahren werden in der Ferienwoche jenes Land erkunden, in dem die drei großen Weltreligionen ihre Wurzeln wähnen und welches auch im 60. Jahr seines Bestehens als eigenständiger Staat noch keinen Frieden gefunden hat. Mit Rainer Prachtl, Vorsitzender des von ihm 1991 mitbegründeten Dreikönigsvereins, sprach Hans-Joachim Guth.
Die Jugendreisen begannen 1992 und endeten dann 1999. Was bewog Ihren Verein, die Sache wieder aufleben zu lassen?
In der Satzung des Dreikönigsvereins einigten sich die Mitglieder schon 1991 auf ein grundlegendes Ziel: über konfessionelle Grenzen hinweg, unabhängig von politischen Parteien und im Geist von Demokratie und Toleranz soziale und christliche Initiativen zu unterstützen, christlich-humanistische Kunst, Kultur und Bildung zu fördern sowie sich für eine umfassende Völkerverständigung einzusetzen. Vor diesem Hintergrund sind auch die Jugendreisen zu verstehen - mit bislang bereits 250 Teilnehmern.
Trotzdem gab es eine mehrjährige Pause.
In der Tat, die allgemeine Sichheitslage in Israel hatte uns seinerzeit bewogen, das Projekt auszusetzen. Aus den Augen verloren haben wir es aber nie. Und 2008 ist gleich aus drei Gründen der richtige Zeitpunkt, um junge Menschen erneut zusammenzubringen. Der Staat Israel feiert den
60. Jahrestag seiner Gründung, am 9. November begehen wir den
70. Jahrestag der Reichspogromnacht, und als Christen feiern wir in diesem Jahr den 2000. Geburtstag des Apostels Paulus.
Welche Höhepunkte erwarten die Teilnehmer auf der nunmehr neunten Reise ins Heilige Land?
Das Programm - dankenswerterweise unterstützte uns dabei wieder das Edith-Stein-Haus in Parchim - hält eigentlich nur Höhepunkte parat. Darunter sind viele heilige Stätten des Christentums. Hervorheben möchte ich aber den Besuch von Yad Vashem in Jerusalem, dem lebendigen Denkmal des jüdischen Volkes für den Holocaust. Yad Vashem ist für mich gleichsam eine "Schutzimpfung" gegen jede Art nationalsozialistischen Gedankengutes. Da mag man unseren Verein oder auch mich persönlich auf einschlägig bekannten braunen Internetseiten noch so unflätig attackieren - an meiner Einstellung vermögen diese Hetztiraden nicht zu rütteln. Sich der bedrückenden Wahrheiten unserer Geschichte zu stellen, ist unverzichtbar.
Zu dieser Geschichte zählt auch ein deutscher Soldatenfriedhof in Nazareth. Was hat es damit auf sich?
Im Ersten Weltkrieg kämpften Deutsche an der Seite ihrer türkischen Verbündeten in Palästina und Transjordanien. Der Friedhof in Nazareth, den die Jugendlichen aufsuchen werden, wird vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge betreut. Hier fanden 261 deutsche Soldaten ihre letzte Ruhestätte.
Der Dreikönigsverein hat auch die Partnerschaft zwischen Neubrandenburg und Nazareth befördert. Im hiesigen Stadtbild ist davon nichts zu spüren.
Das bedauern wir auch sehr. Zumal Nazareth - hier ist das Wort Fleisch geworden - nicht irgendeine Stadt ist. Also ein Hinweis auf diese Partnerschaft an den Ortseingängen wäre schon nicht so schlecht. Auch könnte ich mir vorstellen, dass beispielsweise auf dem Weihnachtsmarkt Artikel aus dem Heiligen Land angeboten werden. Auch mit solch kleinen Gesten könnten wir das Ja zum Staat Israel und unsere uneingeschränkte Unterstützung dieses States in seinem Überlebenskampf gegen Fundamentalisten und Extremisten offen dokumentieren. Partnerschaft sollte nicht nur auf dem Papier stehen.
Sophie Körner, eine der Mitreisenden, wird ab Montag via Internet ihr Tagebuch ins Netz stellen. Nachzulesen unter:@!www.neubrandenblog.blog.de
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