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Netzwerk soll Exotendasein verhindern
07.10.2008
Von Roman Goll
Neubrandenburg. Seine Feuertaufe feierte er passenderweise während der "Multikulturellen Woche": Hartmut Weise, seit gut zwei Jahren Ausländerbeauftragter in Neubrandenburg. "Das war Glück", sagt er heute, durch die Veranstaltung sei er sofort mit Ausländern und Vereinen in Kontakt gekommen. Dies sei ihm besonders wichtig gewesen. Weise ist gebürtiger Sachse, "also in gewisser Weise auch ein Migrant", wie er sagt, "zumindest was die Sprache betrifft".
Der 54-jährige zweifache Familienvater ist eigentlich Sachbearbeiter im Büro der Stadtvertretung. Darüber hinaus hat er 20 Stunden pro Woche für seine Arbeit als Ausländerbeauftragter zur Verfügung - "eine freiwillige Leistung der Kommune", wie er betont.
Weise sieht sich in erster Linie als Koordinator. Als Ausländerbeauftragter verfügt er über keinen Etat und ist auf Aktivitäten freier Träger oder Initiativen angewiesen. "Kein Problem", sagt er, so könne er "eine gewisse Unabhängigkeit wahren" - durchaus ein Vorteil für die Arbeit mit den Vereinen und Institutionen, die in der Stadt ein Netzwerk bilden; darunter unter anderem die Erstberatung und der Jugendmigrationsdienst, das soziokulturelle Bildungszentrum, das Asylbewerberheim, die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland sowie die Initiativgruppe für Ausländer. Gemeinsam wollen sie Integration erleichtern und Aktionen für Leute mit Migrationshintergrund initiieren.
Laut Hartmut Weise lebten am 30. Juni dieses Jahres 1062 Ausländer in der Viertorestadt, ein Fünftel davon jünger als 16 Jahre. Insgesamt habe sich der Ausländeranteil in Neubrandenburg auf einem konstanten Niveau bei rund 1,5 Prozent eingependelt. "Sie kommen aus über 80 Ländern, die meisten aus Russland, der Türkei und Vietnam", weiß Weise. Die Zuwanderungszahlen seien jedoch etwas rückläufig. Deutlich werde dies auch daran, dass in dem von den Malteser Werken getragenen Asylbewerberheim in Fritscheshof lediglich noch etwas mehr als 100 Personen untergebracht seien. "Die Kapazität liegt mit 350 Plätzen aber deutlich höher", sagt Weise.
Problematisch sei für Ausländer in dieser Region besonders die Jobsuche. Weise gibt sich überrascht, "wie schwer jemandem die Integration gemacht wird, wenn er hier arbeiten will. Viele möchten sich mit den Erfahrungen, die sie aus ihren Ländern mitbringen selbstständig machen." Mit 2,3 Prozent sei der Anteil an Ausländern unter den Arbeitssuchenden aber deutlich höher als an der Gesamtbevölkerung.
Für die Zukunft sieht Weise Hilfebedarf beim Nachwuchs. Das erlernen der deutschen Sprache sei Grundvoraussetzung für die Integration, sagt Weise, "sonst besteht Gefahr, dass sie unter den Gleichaltrigen ein Exotendasein führen". Hier müsse vor allem bei den Eltern das Bewusstsein geweckt werden, "dass Zweisprachigkeit und Schulabschlüsse notwendig sind".
Ein Problem sei außerdem die finanzielle Situation vieler Asylbewerber: "Einige gehen gleich zum Rechtsanwalt, obwohl sie auch bei mir oder Vereinen Hilfe erhalten könnten", so Weise. Dies entpuppe sich häufig als Schuldenfalle.
Nordkurier-Neubrandenburg
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