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Freie Deutsche Jugend war wieder da

Mit einer Umfrage und einer Filmvorführung im klex sorgte die FDJ jetzt für Aufsehen. Alle Aktionen waren legal.

19.09.2008

Greifswald. Die FDJ ist wieder da. Am 1. September kündigte die Organisation an, Lehrer und Schüler der Fischerschule zu befragen. Und zwar dazu, ob die DDR oder die Bundesrepublik der bessere Staat sei und ob es richtig sei, dass das wiedervereinigte Deutschland Kriege führe. "Ich habe mich an Polizei und Ordnungsamt gewandt, aber die konnten nicht helfen, weil die Aktion außerhalb der Schule stattfand", berichtet Schulleiterin Heike Kagel. "Die Kinder waren sehr vernünftig. Die meisten Zettel landeten im Papierkorb. Wir haben mit ihnen gesprochen." Schon am nächsten Tag waren die Ergebnisse gedruckt. Für 53 Prozent der Kinder war die DDR der bessere Staat, 87 Prozent waren gegen Kriegseinsätze. Heike Kagel erscheint die Geschwindigkeit der gedruckten Auswertung unglaubwürdig, auch hätte ja keines der Kinder die DDR erlebt. Am 4. September präsentierte die FDJ einen Film gegen den Faschismus im klex.

Dieser Klub ist übrigens Adresse der Roten Hilfe, die einige Seiten im Verfassungsschutzbericht 2007 füllt. Auch die Greifswalder Ortsgruppe wird hier erwähnt. Die Rote Hilfe unterstützt laut Selbstdarstellung "politisch Verfolgte aus dem linken Soektrum." In unserer Stadt soll es eine sehr gut organisierte linke Szene geben.

"Wir sind gegen jede Form von Gewalt, ob von Rechts oder Links", betont Heike Kagel. "Man muss sich gleich positionieren und nicht erst, wenn es zu spät ist." Und da hat sie sich allein gelassen gefühlt, hätte sich eine Reaktion von Jugendamt und Präventionsrat gewünscht.

Die FDJ, die laut Selbstdarstellung die Wiedervereinigung als Annexion bezeichnet, ist nicht verboten, wird aber vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Organisation mit Sitz im Berliner Liebknechthaus soll mehrere Hundert Mitglieder haben. Das Tragen des FDJ-Hemdes ist nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Berlin erlaubt. Dr. Christine Dembski, Koordinatorin des Präventionsrats, sicherte jetzt zu, das Problem an den Oberbürgermeister, an den Präventionsrat heranzutragen. Es bestehe Handlungsbedarf. Dass die Rote Hilfe das klex als Postadresse nutzt, war Senator Ulf Dembski vorher nicht bekannt. Das habe er untersagt, zumal die Rote Hilfe auch keine Jugendorganisation sei. Über die Filmpräsentation durch die FDJ sei er nicht informiert gewesen. "Ich habe dem Stadtjugendring klar gemacht, dass ich das nicht wünsche und er sich angreifbar macht", so Dembski. Im Übrigen rät er, den Ball flach zu halten. Die FDJler vor der Fischerschule seien keine Greifswalder gewesen. Acht waren es, so Yvonne Görs, Geschäftsführerin des Stadtjugendrings, der das klex betreibt. Sieben Greifswalder kamen hinzu. "Ich habe mich sehr geärgert, war schockiert", so Yvonne Görs. Sie habe nicht gewusst, wer hinter der Filmvorführung steckt, will künftig besser nachfragen. Und die Rote Hilfe habe auch nie Räume, nur die Adresse im Infoladen gehabt.

ECKHARD OBERDÖRFER

Ostseezeitung-Greifswald

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