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Engagement unübersehbar
"Einander achten, Gewalt ächten, Gesicht zeigen!" Dieses Thema haben die Initiatoren der 3. Kunstmeile Parchim erwählt und sich damit auf Neuland gewagt. Nicht nur wegen der oft verständlichen Scheu vieler Menschen, sich festzulegen oder festlegen zu lassen.
15.09.2008
PARCHIM - Ist nicht schon die - wiederum gelungene - Absicht, Kunst und Künstler im alltäglichen Stadtbild zu etablieren und quasi dem "ganz normalen" Passanten gratis zugänglich zu machen, genug? Nein, wenn man etwas zu sagen hat!
Und 43 Künstler mit fast 400 ihrer Werke in 46 Geschäften der Altstadt aber vor allem die nach Hunderten zählenden Besucher am Eröffnungstag geben den Machern eindrucksvoll Recht.
"Wir waren uns nicht gleich sicher. Auch die angesprochenen Künstler reagierten nicht alle gleich mit Zustimmung", berichten Eckhard Bergmann, Norbert Wiencke, Werner Grimmer, Kirsten Tonagel und Christian Wahls, die bei diesem 3. Versuch Verstärkung durch Silke Rauhut und Maud Frommhold bekamen.
Letztere fand als Studentin im Praktikum zu dieser Initiative Kontakt und brachte sich mit ganzer Persönlichkeit ein, wodurch u.a. auch das Gastspiel einer Jugendband aus ihrer dänischen Heimat zu Stande kam. Internationales Flair steuerten zudem Mady Camara aus Gambia und sein in Rusch-Raduhn heimisch gewordener Landsmann Emil Demba mit Trommelrhythmen aber auch einheimische Fotogruppen mit ihren afrikanischen Reisebildern bei. Nicht zu vergessen auch Helga Kaffke aus Irland und Claudie Borchers, deren Wurzeln in Vietnam liegen.
Ganz ohne Worte aber dafür um so wörtlicher hat das Thema übrigens der Jugendclub des Landestheaters genommen, indem sechs Jugendliche gemeinsam mit dem Berliner Dietrich Riemann als Pantomimen durch die Altstadtstraßen zogen. Ihre Körpersprache und der als Requisit gezogene Schlitten mit einer "verrenkten" Strohpuppe setzten bei vielen, denen der kleine Zug zum Kaufhaus Stolz begegnete, verschiedenste Assoziationen in Gang: Krieg und Vertreibung, Todesmarsch der KZ-Häftlinge oder die gefühlte Ohnmacht angesichts eines traumatischen Geschehens.
Kunst gegen das Vergessen
"Nicht alle Künstler haben das gleiche dazu zu sagen. Es ist kein Chor der bildenden Kunst, der hier zu uns spricht", betont Eckhard Bergmann. Die Interpretation des Themas reiche von Gewalt in der Partnerschaft, in der Familie bis hin zur "schlimmsten Gewalt, die bis jetzt vorstellbar ist".
Der Parchimer Galerist lenkt damit bewusst auf die Ausstellung im Parchimer Museum - zweifellos das Highlight der 3. Kunstmeile. Bis zum 12. Oktober sind hier Werke des Malers Adolf Frankl (1903-1983) zu sehen wie bisher nur in Wien, Berlin, Köln oder demnächst in Chikago.
Eine kleine aber höchst repräsentative Auswahl der 260 Ölgemälde und etwa 2000 Zeichnungen aus dem Nachlass des slowakischen Malers jüdischer Herkunft, der darin seine Erinnerungen und Visionen aus dem KZ Auschwitz-Birkenau aufzuarbeiten versuchte.
Als "Kunst gegen das Vergessen" habe Frankls Sohn Thomas das Werk seines Vaters nach dessen Tode der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, erklärte Georg Siklossy von der Galerie Artforum am Judenplatz in Wien. Der 73-Jährige habe sich eine Präsentation wie diese im Osten Deutschlands gewünscht und sei glücklich gewesen über das zufällige Zusammentreffen mit dem Parchimer Eckhard Beckmann.
Dieser meinte außerdem: Wenn das Staatliche Museum der Landeshauptstadt Schwerin Hitlers Hofkünstler Arno Breker eine große Ausstellung gewidmet habe, müsse man doch etwas entgegensetzen.
Schweriner Volkszeitung-Parchim
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