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Deutsche immer häufiger Opfer rechter Gewalt
Ob politische Gegner oder Gleichgesinnte: Rechtsextremisten fallen zunehmend über Landsleute her. Experten: Rechte Gewalt richtet sich gegen alles, was "anders" ist.
12.09.2008
Rostock (OZ) Rechtsextremisten schlagen wahllos zu. Dabei werden in Mecklenburg-Vorpommern zunehmend Deutsche Opfer der brutalen Nazischläger. Ins Visier geraten jedoch nicht nur politische Gegner, sondern auch eigene Gesinnungsgenossen. So wird derzeit in Wismar ein Streit unter Rechten vor Gericht verhandelt. Mitglieder der Wismarer Neonazitruppe "Werwölfe" sollen im Frühjahr 2007 auf Gleichgesinnte losgegangen sein - mit Baseballschlägern und stacheldrahtumwickelten Axtstielen.
Ein Grund für Nazi-Gewalt gegen Deutsche sei die geringe Anzahl an Ausländern in MV, sagt Claudia Teichmann vom Verein Lobbi, der in MV Opfer rechter Gewalt berät. "In einigen Regionen des Landes treffen Rechtsextreme kaum noch auf Menschen mit dunkler Hautfarbe." Den Angaben zufolge stieg der Anteil der Nazi-Angriffe, die kein rassistisches Motiv hatten, von etwa 60 Prozent in 2006 auf gut 75 Prozent im vergangenen Jahr. "An der zunehmenden Gewalt gegen Deutsche zeigt sich, dass Rechtsextremisten sich gegen alles richten, was ihrer Meinung nach ,anders' ist", sagt Micha Guttmann vom Deutschen Anwaltverein (DAV). Die DAV Stiftung contra Rechtsextremismus und Gewalt hat ebenfalls eine deutliche Zunahme deutscher Opfer registriert: von 22 Prozent (2006) auf 57 Prozent in 2007. Auch der Anteil weiblicher Opfer sei um das Dreifache auf 24 Prozent gestiegen.
Ob am Bahnhof Boizenburg, auf einem Parkplatz in Malchin, einem Zeltplatz in Ückeritz oder beim Dorffest in Zierow - allein seit Juli dieses Jahres wurden zahlreiche Menschen von Neonazis zusammengeschlagen. Viele der Opfer wurden schwer verletzt. Der Verein Lobbi dokumentiert auf seiner Internetseite eine lange Liste derartiger Fälle.
Vermehrt kommt es im Nordosten auch zu Sachbeschädigungen mit rechtsextremistischem Hintergrund. In Bad Doberan attackierten Neonazis mehrfach ein Büro der Partei Die Linke. In Rostock gab es einen Farbanschlag auf das Büro des SPD-Bundestagsabgeordneten Christian Kleiminger. Offensichtliche Absicht der Rechtsextremisten: Einschüchterung des politischen Gegners.
Immer deutlicher wird dabei die Verflechtung zwischen der rechtsextremistischen NPD und den als "Kameradschaften" bezeichneten Neonazischlägerbanden. "Eine eindeutige Unterscheidung zwischen Aktivitäten der Neonazis und denen der NPD ist kaum mehr möglich", heißt es im aktuellen MV-Verfassungsschutzbericht.
So sagte der NPD-Führer im Schweriner Landtag, Udo Pastörs, dass er den Kameradschaften persönlich"sehr nahe" stehe. Bezeichnend sind die Namen dieser von Pastörs hofierten Truppen: z.B. die "National-Germanische Bruderschaft" in Uecker-Randow oder die "Aryan Warriors" (dt.: "arische Krieger") in Ueckermünde.
Eine deutliche Zunahme rechtsextremistischer Straftaten stellt das Landeskriminalamt fest. Demnach stieg die Zahl der Fälle von 310 (2006) auf 470 in 2007. Allerdings fallen Taten wie das Blutbad von Wismarer Neonazis am Neujahrstag 2007 nicht in diese Kategorie. Fünf Männer hatten dabei einen 30-jährigen "Kameraden" in einer Gewaltorgie getötet. Motiv: Streit unter Betrunkenen.
AXEL MEYER
Ostseezeitung
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