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Staatsanwalt ermittelt nach Demonstration
20.08.2008
Neustrelitz (as). Die unangemeldete Demonstration der rechtsradikalen Szene am Sonntag hat Folgen für den NPD-Kreischef von Mecklenburg-Strelitz/Neubrandenburg, Marco Zimmermann. Gegen ihn ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Das bestätigten gestern Sprecher der Staatsanwaltschaft und des Staatsschutzes in der Polizeidirektion. Am Sonntag waren etwa 60 Neonazis mit Transparenten und Sprechchören durch den Neustrelitzer Stadtteil Kiefernheide gezogen (der Nordkurier berichtete). Die Demo sei nicht spontan, sondern vorbereitet gewesen, hieß es gestern. Erstmals haben sich damit Angehörige der rechtsextremistischen Szene anlässlich des Todestages des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß in der Residenzstadt öffentlich versammelt, in den Vorjahren war es bei der üblichen Verunreinigung der Stadt mit Aufklebern und Ähnlichem geblieben. Bis 2004 hatte sich die Nazi-Szene am Heß-Grab in Wunsiedel (Bayern) versammelt, seit 2005 werden diese Zusammenkünfte verboten. Unter den Demonstranten am Sonntag waren nach Einschätzung der Polizei und von Rechtsextremismus-Experten hauptsächlich rechtsextreme Vertreter aus Mecklenburg-Strelitz und Neubrandenburg, neben dem Neustrelitzer NPD-Chef Marco Zimmermann sei auch Norman Runge aus Burg Stargard als führendes Mitglied der Szene aufgefallen. Am Montag stellten Akteure der hiesigen Nazisszene ein Video der Demo ins Internet.
Kommentar
Perfider Effekt
VON ANDREAS SEGETH
Nur ein bisschen doof, normal doof oder doch schon sehr doof? Wie darf man es interpretieren, wenn die rechtsextreme Szene aus Mecklenburg-Strelitz und Neubrandenburg selbst ein Video von sich ins Internet stellt? Darauf zu sehen: Einige Dutzend schwarz gewandete Personen, die hinter einem Parolen-Rufer durch Kiefernheide latschen. Das Ganze unterlegt mit martialischer Filmmusik, die das Ganze auch nicht gerade feierlicher macht.
Für ein bisschen doof spricht schon, dass weder die Hobby-Transparentemaler noch die Amateurvideo-Filmer den Namen ihres angeblichen "Helden" Rudolf Heß richtig schreiben können - ignorieren sie doch tatsächlich dessen Schreibweise mit dem urdeutschen "ß"! Als "nur doof" hingegen könnte man noch einstufen, dass sie mit ihrer Demo immerhin jemandem huldigen wollten, der von Hitler und dessen Propaganda-Apparat wegen seines Englandflugs geächtet wurde. Aus Sicht eines echten Nazis, der so richtig was auf sich hält, müsste das ja eigentlich eher kontraproduktiv sein. So richtig dumm aber ist anscheinend die Tatsache, dass man selbst ein Video der Demonstranten ins Internet stellt und damit der Polizei und der Staatsanwaltschaft sicher sehr gefragte Informationen über die vergleichsweise kleine rechtsextreme Szene vor Ort liefert. Aber ist das wirklich nur dumm? Denn diese Art der Veröffentlichung hat auch Nebenwirkungen. Bei den Demos der rechtsextremistischen Szene zum Heß-Todestag geht es laut Informationen des Nordkurier weniger um die Wirkung in der Öffentlichkeit als vielmehr um eine Art Bekenntnis innerhalb der Szene - in etwa nach dem Motto: Wer hier mitläuft, der gehört zu uns. Mit üblen Nebenwirkungen, denn wer hier zu sehen ist, der kann auch schwerer aussteigen. Wer später zur Besinnung kommt, dem liegen mit diesem Video schwere Steine im Weg. Nicht doof, nicht lustig - nur berechnend und perfide.
Nordkurier-Neustrelitz
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