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An ein Zeltlager wie zu DDR-Zeiten gedacht
12.08.2008
von Hans-Jürgen Kowalzik
HOHEN SPRENZ/ NEU MISTORF - Gestern Mittag in der Pension "Meeresangler". Klaus Narjes sitzt mit Helmut Otte, Bürgermeister von Hohen Sprenz, im Gastraum. "Ich muss da was richtig stellen, denn ich lasse mich nicht in die rechtsextreme Ecke rücken", sagt der 70-Jährige mit Nachdruck. Für Narjes war das der erste Weg, nachdem deutschlandweit berichtet wird, dass auf seinem Grundstück am Freitagabend ein Zeltlager der HDJ (Heimattreue Deutsche Jugend) aufgelöst wurde. Und Narjes legt nach: "Wenn ich gewusst hätte, mit wem ich es da zu tun habe, hätte ich für das Zeltlager nie die Erlaubnis gegeben."
Es sei ungefähr 14 Tage vor Lagerbeginn gewesen. Da seien zwei Männer, mit einem Klawitter habe er aber verhandelt, zu ihm gekommen und gefragt, ob die HDJ dort nicht eine Woche zelten könnte. Narjes: "Warum nicht, habe ich mir gedacht. Das wird ein Verein wie viele sein, der ein Ferienlager wie früher zu DDR-Zeiten organisiert." Narjes verlangte 200 Euro, die paar Tage später überwiesen waren. "Ich habe eine schmale Rente und meine Tiere hat man mir kürzlich auch weggenommen. Deshalb muss aber trotzdem Geld reinkommen", so Narjes. Weder in diesen Gesprächen noch während des Zeltlagers will Narjes etwas von rechtsextremistischen Aktivitäten mitbekommen haben. "Das Lager war von meinem Haus 300 Meter entfernt. Ich habe mich nicht gekümmert, was da passiert, habe ja auch mein Tun gehabt", erklärt er weiter.
Natürlich habe er morgens Trompetensignale gehört, räumt er ein. Aber was sei daran Schlimmes, wenn man von so etwas, was einem jetzt bekannt sei, nichts wisse. Von sportlichem Drill hat er auch nichts bemerkt.
Klaus Narjes bejahte auf Nachfrage, dass zur Sommersonnenwende ebenfalls eine Feier mit Schwein am Spieß, Würstchenbude und Fackelumzug auf seinem Gelände stattgefunden habe. Auch hier habe er sich nicht um Inhalte gekümmert.
Bürgermeister Otte glaubt Narjes und sagt: "Auf einer Sondersitzung der Gemeindevertretung werde ich einen Beschluss vorlegen, dass alle Grundstücke der Gemeinde für solche Veranstaltungen tabu sind." Narjes dazu: "Egal, wer jetzt bei mir anruft. Ich vergewissere mich bei der Polizei, wer das ist, damit mir so was nicht wieder passiert."
Schweriner Volkszeitung
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