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Raus aus dem Abseits

Die für ihre Fanarbeit oft kritisierte Führung der SG Dynamo Schwerin hat ein "Konzept gegen Gewalt" vorgelegt. Die Verantwortlichen bei Dynamo scheinen begriffen zu haben, dass gewaltbereiten Fans nicht mit kumpelhafter Hobby-Psychologie beizukommen ist.

09.07.2008

von Mathias Gröckel

SCHWERIN - Die SG Dynamo Schwerin will aus den Negativschlagzeilen. Die Vereinsspitze hat ein "Konzept gegen Gewalt" erarbeitet, das zur neuen Saison umgesetzt werden solle, so Dietmar Hirsch, Vorstandsvorsitzender des Fußball-Landesligisten.

Ein Fanbeauftragter wird seine Arbeit aufnehmen, darüber hinaus soll sich ein Sozialpädagoge insbesondere dem harten Kern von etwa 30 "Fans" widmen, von denen etliche vorbestraft sind und offensichtlich zur rechten Szene gehören. Vor allem sie sind es, die auf den Fußballplätzen der Region immer wieder für Gewalt sorgen. "Allerdings müsste der Sozialpädagoge von der Stadt gestellt werden, da der Verein ihn nicht bezahlen kann", sagt Vorstandsmitglied Daniel Meslien. Gespräche mit der Verwaltung stünden demnächst an.

Um die auch vom Landessportbund vehement geforderte Professionalisierung der bislang fast ausschließlich von Vereinsmitgliedern ohne sozialpädagogische Kenntnisse betriebene Dynamo-Fanarbeit voranzutreiben, will sich der Verein künftig auch vom Regionalzentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg beraten lassen. Hilfsangebote der dortigen Experten waren auf der Paulshöhe bislang ohne Resonanz geblieben.

"Wir setzen in der Fanarbeit zwar auch in Zukunft auf Integration, unbelehrbare Chaoten und Rassisten haben bei uns aber keine Chance", betont Dietmar Hirsch, der als Sachbearbeiter Prävention in der Polizeidirektion Schwerin arbeitet. Deshalb werde es notfalls auch Vereinsausschlüsse und Stadionverbote geben. Zudem sollen weibliche Konfliktmanager, die als besonders deeskalierend gelten, auf den Rängen eingesetzt und die Zugangskontrollen auf der Paulshöhe verschärft werden. "Angetrunkene dürfen die Mannschaft zu Auswärtsspielen, wo die Lage erfahrungsgemäß schneller eskalieren kann als auf heimischem Platz, nicht begleiten", sagt Dynamo-Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Radtke. Noch intensiver solle vor Spieltagen mit den Verantwortlichen des jeweiligen Gegners vorbeugende Strategien abgesprochen werden.

Mit dem "Konzept gegen Gewalt" reagiert Dynamo auch auf wachsenden Druck. "Fußballverband und Klubs müssen darüber nachdenken, in wie weit Vereine, die sich nicht ausreichend von Hooligans distanzieren können oder wollen, im Spielbetrieb belassen werden können", hatte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) nach der Randale im Juni beim Dynamo-Spiel in Bützow gesagt. Gelinge es dem Sport nicht,das Problem zu lösen, werde der Staat sein Gewaltmonopol durchsetzen.

Der Landesfußballverband hat bereits durchgegriffen: Dynamo und der TSV Bützow müssen ihre beiden Partien gegeneinander in der kommenden Saison vor leeren Rängen und auf neutralem Platz austragen.

Schweriner Volkszeitung

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