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Rechtes Gedankengut lauerte in eigener Familie
27.06.2008
Wismar - Wie wird man Nazi? Diese Frage interessierte eine ganze Menge vor allem junger Leute. Der Saal des Filmbüros war voll, als ein Aussteiger seine Geschichte erzählte. Die Aids-Hilfe Westmecklenburg hatte Matthias Adrian eingeladen, der schon als Kind mit rechtem Gedankengut in Berührung kam und sich heute bei der Berliner Organisation "exit-deutschland" engagiert.
"Ich möchte einige Klischees über Rechtsextreme in Frage stellen", begann er in seinem hessischem Dialekt. "Wie man hört, komme ich aus dem Rhein-Main-Gebiet, also nicht aus Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen." Rechte Strukturen gebe es bundesweit, "aber das Bodenpersonal ist im Osten stärker vertreten".
Er sei auch weder Schulabbrecher noch ohne Berufsausbildung, habe sogar zwei Berufe gelernt: Bäcker und CNC-Zerspaner. Und sei letztlich in einem Milieu aufgewachsen, das Sozialpädagogen als Idealfall für behütetes Kindsein betrachteten: in einer ländlich geprägten Großfamilie mit vier Generationen unter einem Dach.
Aber es seien gerade die älteren Generationen gewesen, die dafür sorgten, dass nationalsozialistisches Gedankengut einen festen Stellenwert in der Familie erhielt. "Banal" nannte Adrian das, was bei Familienfeiern unter den älteren Verwandten Gesprächsthema war: "Wenn mein Opa, der bei der Wehrmacht war, das dritte Glas Bier anhob, rollten die Panzer wieder durch Afrika." Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg wurden nostalgisch verklärt, nicht kritisch hinterfragt.
Lehrer, die das Problem offenbar eher verdrängten oder jedenfalls falsch anfassten, hätten ihren Teil dazu beigetragen. Und auch die älteren Bewohner aus dem Ort hätten anfangs gar nicht ernst genommen, was "die Buben" so trieben - wenn sie Wahlplakate angeblich "undeutscher" Parteien verbrannten. Was Adrian so anekdotenreich und kurzweilig erzählte, machte nachdenklich. U. OEHLERS
Ostseezeitung-Wismar
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