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Einblick in eine extreme Parallelwelt

05.06.2008

Von Niels Seehase

Burg Stargard. Der Zweite Weltkrieg war für sie ein "großdeutscher Befreiungskampf", Hip-Hop ist für sie "schwarze Unkultur", Toleranz ein Begriff für "Feige, Schwache und Menschen ohne wirkliche Überzeugung". Die Rede ist von der "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ), einer rechtsextremen Organisation, über deren Machenschaften jetzt in Burg Stargard informiert wurde.

Zu der Veranstaltung in der Regionalen Schule hatten das Burg Stargarder Jugendzentrum und LOBBI, ein Verein, der Opfern rechter Gewalt zur Seite steht, eingeladen. Vor gut besetzten Stuhlreihen stellte die Journalistin Andrea Röpcke, die seit Jahren im Millieu der militanten Neonazis recherchiert, ihre Erkenntnisse zur HDJ vor. Bei ihrer oft gefährlichen Arbeit habe sie einen "Einblick in eine Parallelwelt" bekommen, sagte die Journalistin. Nach ihren Recherchen sei die HDJ eine Nachfolgeorganisation der verbotenen "Wiking-Jugend". Die HDJ sei "soldatisch" organisiert und verfolge das Ziel, Kinder und Jugendliche in ihrem, das heißt im völkisch-nationalistischen, offen rassistischen Sinne, zu erziehen. Um - wie Röpcke es bezeichnete - "die braune Elite von morgen" zu schaffen, würden sogenannte Heldengedenkfeiern, Leistungsmärsche, Mutproben, Volkstanz, Schulungen in Runenkunde oder Fahnenappelle organisiert. Viele dieser Aktivitäten finden im Rahmen von Zeltlagern statt, die regelmäßig an verschiedenen Orten der Bundesrepublik veranstaltet werden. Unter anderem auch in Mecklenburg-Vorpommern, wie das Beispiel des Schullandheimes Tückhude im Landkreis Demmin zeigt. Meist würden sich die Gruppen der HDJ mit Tarnbezeichnungen als "freie Pfadfinder", "Burgschar" oder Freundes- und Familienkreise anmelden. Die Lager seien mit Wachdienst und Parolenzwang militärisch organisiert, die weiblichen Teilnehmer mit langen blauen Röcken und "Jujas" (Jungenschaftsjacken), die Jungen mit Zimmermannshosen und "Jujas" uniformiert Andrea Röpcke wies in ihrem Vortrag auch auf die engen Beziehungen zwischen Mitgliedern und Mitarbeitern der NPD-Fraktion im Schweriner Landtag und der HDJ hin. Sie zeigte Ausschnitte aus HDJ-Postillen, die etwa den NPD-

Abgeordneten und Aktivisten der sogenannten Freien Kameradschaften Tino Müller auf dem Titel abbilden.

Auf die Beziehungen der HDJ in die Region Mecklenburg-Strelitz ging anschließend Kay Bolick von LOBBI ein. Er wies auf die lange Tradition rechtsradikaler Organisationen in der Gegend hin, auf der die HDJ aufbaue. Als Beispiel für die regionalen Aktivitäten der Organisation führte Bolick einen Ausschnitt aus einer HDJ-Veröffentlichung an, in dem für ein "Reiterlager für Mädchen" im Bereich Mecklenburg- Strelitz geworben wurde. Zudem hätten Mitglieder der HDJ an Märschen um den Tollensesee teilgenommen, die von einem aus Neustrelitz stammenden Aktivisten der rechtsradikalen Szene organisiert worden seien.

Nordkurier-Neubrandenburg

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