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Polizei und Uni mit Konzepten gegen Gewalt im Fußball
26.05.2008
Von Andreas Zecher
Schwerin. Bei Gewalt auf dem Fußballplatz sind nicht nur Fäuste im Spiel. Detlef Müller, Vizepräsident des Landesfußballverbandes (LFV), spricht davon, dass es keinesfalls unüblich sei, wenn Väter ihre bolzenden Sprösslinge mit Aufrufen zum brutalen Körpereinsatz anfeuern. "Die Achtung vor dem Spielgegner nimmt ab", so der sportpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Eine Spirale, die sich nach dem Spiel weiter dreht, wenn es zu Handgreiflichkeiten unter den Zuschauern kommt. Im Spieljahr 2008, sagt Müller, habe es im Amateurfußball bislang elf solcher Vorkommnisse gegeben. Mit dreien habe sich die Sportgerichtsbarkeit beschäftigen müssen.
Am Wochenende hat der Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung in Sachen "Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus im Fußball" zu einer Fachtagung in das Rostocker Stadion geladen. Gastgeber Horst Klinkmann, Aufsichtsratsvorsitzender des FC Hansa, verwies darauf, dass es wichtig sei, "Gewalt nicht von unten aufwachsen zu lassen".
Seit zwei Jahren widmen sich Landessportbund und Landespolizei den Problemen der zumeist ehrenamtlich geführten Amateurvereine. Spiele der fünften, sechsten oder siebten Liga galten und gelten weithin als von Ausschreitungen gefährdet und drohen den Fußballsport insgesamt in Misskredit zu bringen, so die Einschätzung der Arbeitsgruppe Sport und Sicherheit im Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung.
Sich "so eine schöne Sache nicht von Verrückten kaputt machen zu lassen", darin bestärkte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) die Teilnehmer der Tagung. "Wir können mit dem Stand des Erreichten nicht zufrieden sein", stellte er fest. Polizeischutz für die untere Liga sei auf Dauer nicht machbar, weder personell noch finanziell. Bei "erziehungsresistenten Blödmännern", die sich von Präventionsarbeit nicht beeindrucken ließen, "werden Polizei und Justiz ihren repressiven Auftrag auch künftig umsetzen müssen". Dabei werde ein Konzept der Landespolizei für den Amateurfußballbereich neue Möglichkeiten eröffnen. Die vom DFB vorgesehene Entschärfung der Stadionverbote nannte Caffier "ein falsches Signal".
LFV-Vize Detlef Müller zeigte sich enttäuscht darüber, dass sich die Öffentlichkeit oft erst dann intensiv für den Amateurfußball interessiert, wenn dort Gewalt oder rassistische Exzesse im Spiel sind. Jährlich gebe es landesweit 25 000 Pflichtspiele in diesen Ligen. Die überwiegende Zahl verlaufe vorbildlich, ohne dass dies beispielhaft gewürdigt werde, so Müller. Als eine bewährte Möglichkeit, Gewalt vorzubeugen, nannte er Vorabkontakte zwischen Vereinen, bei deren Zusammentreffen Ausschreitungen absehbar seien. Müller kündigte an, dass an der Uni Greifswald ein Forschungsprojekt gestartet werde, welches Gewalt und Fußball im Nordosten untersucht.
Nordkurier
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