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Grenzenlos jugendlich

Eine Iranerin setzt sich in Greifswald für junge Migranten ein und gründet die Organisation "Jugendliche ohne Grenzen".

21.05.2008

Greifswald. An der Wand hängt eine bunte Weltkarte - der einzige Wandschmuck in dem sonst leeren Raum im Jugendzentrum klex. Shahrzad Dalvandi sitzt gelassen auf einem Stuhl und wartet, bis ihre Mitstreiter sich hingesetzt haben. Die 17-jährige Iranerin hat in Greifswald einen Ableger der Organisation "Jugendliche ohne Grenzen", JoG, gegründet und am Donnerstag ein erstes Treffen einberufen.

JoG setzt sich seit 2005 bundesweit für jugendliche Flüchtlinge ein. Die Organisation kämpft für ein Ende des Arbeits- und Ausbildungsverbotes für Flüchtlinge, gegen die Residenzpflicht, für eine umfassende Bleiberechtsregelung und die UN-Kinderechte. Shahrzad Dalvandi hat taillenlange braune Haare und trägt weiße Stiefelchen. Die Schülerin einer 9. Klasse der Fischer-Gesamtschule kam vor zwei Jahren nach Greifswald. Zusammen mit ihrer Familie floh sie aus dem Iran, wo ihre Eltern wegen politischer Aktivitäten verfolgt wurden. "Ich möchte mich für etwas Wichtiges einsetzen", sagt Shahrzad Davandi, die bisher in ihrer Freizeit im St. Spiritus Bauchtanz machte und persische Gedichte schrieb. Die Ziele von JoG betreffen sie persönlich. "Im Unterricht haben wir das Grundgesetz besprochen, das die Menschenrechte anerkennt. Kein Mensch darf grundlos unterschiedlich behandelt werden. Ich möchte dafür kämpfen, dass das auch für Flüchtlinge gilt. Zum Beispiel im Gesundheitsbereich. Wenn anderen Menschen ein Zahn überkront wird, wird er mir gezogen. Oder bei der Bildung: Ich darf die Schule zwar beenden und mein Abi machen, aber keine Ausbildung oder Studium beginnen." Shahrzad sieht ihre Zukunft in Deutschland. "Hier gibt es Meinungsfreiheit", sagt sie, "das ist mir sehr wichtig." Bei dem ersten Treffen im Klex gibt es viele Ideen, was JoG in Greifswald alles machen könnte: Öffentliche Aktionen wie Straßentheater oder einen Beitrag zur Konferenz für mehr Demokratie und Toleranz am 31. Mai im BIG in Greifswald. Shahrzads Initiative wird vom PSZ, dem Psychosozialen Zentrum für Migranten, und der Beteiligungswerkstatt Mecklenburg-Vorpommern unterstützt und hat von der Stadt eine Anschubfinanzierung von 350 Euro bekommen. Beim nächsten Treffen will die Gruppe den Raum gestalten. Shahrzad schlägt eine Zimmerpflanze vor. "Eine Orchidee wär doch passend", sagt eine ihrer Mitgründerinnen. Bevor es mit den Jugendlichen ohne Grenzen so richtig losgehen kann, braucht es noch ein paar Mitstreiter. Dann, hoffen die Initiatoren, können auf der Weltkarte an der Wand viele Kreuze gemacht werden.

Der Verein "Jugendliche ohne Grenzen" trifft sich montags, 17 Uhr im Klex, 1. Obergeschoss. Willkommen sind junge Greifswalder ab 14 Jahren.

www.jugendliche-ohne-grenzen.de

ANKE LUEBBERT

Ostseezeitung-Greifswald

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