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Wider das Vergessen
In der Hafenstadt wird morgen der Opfer der Bombenangriffe vom 6. März 1945 gedacht. Darunter waren auch Menschen, die zuvor den Untergang der "Gustloff" überlebt hatten.
05.03.2008
Sassnitz. Die Jahre vergehen. Eben ist der Spielfilm über den Untergang der "Wilhelm Gustloff" im ZDF gelaufen. Der 6. März 1945 rückt jedoch in immer weitere Ferne. Obwohl es Parallelen gibt. Am Tag des Bombenangriffs auf Sassnitz traf es Flüchtlinge und Sassnitzer gleichermaßen. Dabei auch einige der wenigen Überlebenden der "Wilhelm Gustloff", die in Sassnitz angelandet worden waren.
Menschen, die das Inferno des Bombenangriffs auf Sassnitz bewusst erlebt und überlebt haben, sind inzwischen in höherem Alter oder verstorben. Rund 800 Menschen kamen dabei ums Leben und wurden größtenteils auf dem alten Friedhof in einem Massengrab beigesetzt."Die Stadt Sassnitz hat bisher dafür gesorgt, dass die historisch noch immer ungeklärten Ereignisse im öffentlichen Bewusstsein bleiben, dass Ursachen, Wirkungen und Schlussfolgerungen in einen geschichtlichen Zusammenhang gestellt sind, der immer wieder in die Wiederholung des Rufes der Überlebenden mündet: "Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!" Sagt Bürgermeister Dieter Holtz, selbst engagiert bei der Gruppe "Bürgermeister für den Frieden"."Nachfolgende Generationen erfüllen das Vermächtnis der Opfer und der Überlebenden nur, wenn ein Bezug zu Gegenwart und Zukunft hergestellt wird, indem Demokratie und soziale Gerechtigkeit, Frieden und Toleranz als Sicherheiten für das Leben der Menschen verteidigt und täglich ausgefüllt werden", lautet sein Credo laut einer Pressemitteilung. Er zitiert den Schriftsteller Georg Satayanys: "Wer nicht aus der Geschichte lernen will, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." Deshalb gedenkt die Stadt Sassnitz morgen um 15 Uhr auf dem Alten Friedhof und anschließend auf dem Waldfriedhof Dwasieden, unterhalb der Berufsschule, der Opfer des Infernos: Ein Zeichen gegen den oder für eine Welt ohne Krieg. Dort im Wald neben den Kreuzen aus Stein steht heute der Gedenkstein, mit dem auf Initiative der Pastorin Thurid Pörksen einige Namen der Bombenopfer durch Gravur in den Stein dem Vergessen entrissen wurden.
ANDREAS KÜSTERMANN
Ostseezeitung-Rügen
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