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»Intellektueller, Kommunist und Jude«

Rostocker Initiative kämpft seit Jahren gegen die Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße. Ein Gespräch mit Cornelia Mannewitz

25.02.2008

Interview: Cristina Fischer

Dr. Cornelia Mannewitz ist Slawistin an der Universität Greifswald und in der Initiative Ilja Ehrenburg sowie im Rostocker Friedensbündnis aktiv

Seit Jahren drängen Neonazis in Rostock auf die Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße im Stadtteil Toitenwinkel...

Es gab schon Aufmärsche und symbolische Umbenennungen, zum Beispiel in Rudolf-Heß-Allee. Anwohner der Straße haben uns Flugblätter und Broschüren gebracht, die sie immer wieder in ihren Briefkästen finden. Auch jetzt sind mehrere Schilder der Straße durch Naziaufkleber verdeckt. Aber Neofaschisten sind nicht die einzigen, die Geschichtsrevisionismus betreiben.

Was haben die gegen den sowjetischen Schriftsteller?

Sie werfen ihm vor, die Deutschen gehaßt und als Kriegskorrespondent zu ihrer Vernichtung aufgerufen zu haben. Er soll sogar einen Aufruf an die Sowjetsoldaten verfaßt haben, deutsche Frauen zu vergewaltigen -- eine Fälschung, wie man seit langem weiß. Ein wissenschaftliches Gutachten dazu haben wir. Letztlich werfen sie ihm vor, Intellektueller, Kommunist und Jude gewesen zu sein: die ideale Haßfigur.

Was war der Anlaß für die Gründung der Initiative Ilja Ehrenburg in Rostock?

Die Ankündigung von Oberbürgermeister Roland Methling Ende April 2007, einen Antrag auf Umbenennung der Straße in das Stadtparlament einbringen zu wollen. Man wollte das »Problem« wohl vom Tisch haben-- als etwas anderes wird ein historisch begründeter Name ja oft nicht wahrgenommen. Wir haben daraufhin einen offenen Brief verfaßt mit den Forderungen, den Namen zu erhalten, die Berechtigung der Benennung öffentlich darzustellen und Ilja Ehrenburgs zu gedenken sowie geschichtsrevisionistischen Verleumdungen seiner Person öffentlich entgegenzutreten.

Was für Unterstützung hat es gegeben?

Erst einmal die von verschiedenen politischen Gruppen: Die Initiative ging vom Rostocker Friedensbündnis aus, von Anfang an waren aber die Basisgruppe der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten, die Gruppen Antifa A3 und LI*MO, in denen sich vor allem junge Leute engagieren, die Regionalgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft-- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) und der Kreisverband der Partei Die Linke dabei. Dann bekamen wir mehrere hundert Unterschriften unter den offenen Brief. Und schließlich boten Referenten wie Heinz und Ruth Deutschland, Jochanan Trilse-Finkelstein und Victor Grossman an, auf Veranstaltungen zu sprechen.

Inzwischen hat die Initiative eine Reihe von Veranstaltungen über Ehrenburg in Rostock organisiert. Welche könnte man hervorheben?

Vielleicht die zur Editionsgeschichte seiner Memoiren in der BRD und in der DDR, übrigens auf beiden Seiten ein Kabinettstück über den politischen Umgang mit einem Autor seines Formats. Oder die Lesung aus seinen kapitalismuskritischen dokumentarischen Romanen im Theater. Nicht zu vergessen eine sehr bewegende Veranstaltung in der Jüdischen Gemeinde, die ebenfalls einen Protestbrief an die Stadt geschrieben hat. Bei den Themen »Das Schwarzbuch. Der Genozid an den sowjetischen Juden« und »Ilja Ehrenburg im Spanischen Bürgerkrieg« hat die Zahl der Teilnehmer die Räume fast gesprengt.

Wie geht es weiter?

Im Moment sammeln wir Reaktionen auf unser Faltblatt über Ehrenburg, das wir in Toitenwinkel verteilt haben. Unsere nächste Veranstaltung findet am 8. Mai statt, zum Thema Antisemitismus in der Sowjetunion. Wir rufen auch zum Mitmachen auf. Unterschriften für den offenen Brief, Interesse für das Faltblatt, Ideen und auch Spenden -- alles ist herzlich willkommen. Auch Informationen über Straßen oder Objekte mit dem Namen Ilja Ehrenburg und Erfahrungen, wie man generell mit Umbenennungsplänen umgeht, helfen uns. Geschichtsrevisionismus gibt es überall.

* Kontakt: Initiative Ilja Ehrenburg, c/o Rostocker Friedensbündnis, Postfach 10 82 40, 18012 Rostock, rostocker-friedensbuendnis@web.de, Spendenkonto: Rostocker Friedensbündnis, Konto 122 013 31 47, BLZ 130 500 00 (OstseeSparkasse Rostock), Stichwort Ilja Ehrenburg

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