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"Ein faschistischer Gewalt-Exzess"

05.02.2008

Ferdinandshof/Uecker-Randow (NK). Nachdem zu Beginn der vergangenen Woche durch den Verein "Tacheles Uecker-Randow" den Opfern des Überfalls vom 25. Januar der Kontakt zu "Lobbi", dem Verein zur Beratung von Opfern rechter Gewalt vermittelt wurde, traf sich der Tacheles-Vorsitzende und Chef der Linken im Kreis, Gerd Walther, mit den Opfern des brutalen Überfalls. "Die Genesung der Opfer geht voran, allerdings sind die psychischen Folgen unübersehbar", äußert sich Walther nach dem Gespräch. Die vier jugendlichen Opfer, von denen zwei noch nicht volljährig sind, scheuen derzeit den Gang an die Öffentlichkeit, was nach dem Erlebten nur all zu verständlich ist. Deutlich wird nach Ansicht Walthers, dass der Überfall seit längerer Zeit geplant war, denn bereits im Jahr 2007 wurden Drohungen aus der rechtsextremen so genannten Kameradschaftsszene laut, nach denen man die Jugendlichen in ihrem Treff in einer Garage nahe der B109 egen "ihrer bunten Haare" überfallen wolle. Bei der Tat selbst fielen die Worte "das habt ihr verdient".

Nur dem besonnenen Verhalten der Opfer ist es zu verdanken, dass die Verletzungen nicht noch gefährlicher ausfielen. So hat sich der Hauptgeschädigte instinktiv schützend die Hände über den Kopf gehalten. Damit verhinderte er weitaus stärkere Schädelverletzungen, die bei den brutalen Schlägen mit einem so genannten Totschläger darauf ausgerichtet waren, ihm lebensgefährliche Verletzungen beizufügen. "Vor diesem Hintergrund muss man es deutlich aussprechen: Das, was die Opfer erlebt haben, war ein faschistischer Gewaltexzess", wertet Walther.

Bisher war der Überfall jedoch nicht als politisch motivierte Straftat eingestuft worden. "Wenn Menschen vorsätzlich wegen ihrer Andersartigkeit oder wegen der Ablehnung rechtsextremen Gedankengutes zu Opfern werden, erinnert dies an die Zeit der Ausbreitung des Faschismus zu Beginn der 1930er Jahre", so Walther.

Offensichtlich hatten die erwachsenen Täter aber nicht damit gerechnet, dass sie trotz ihrer Vermummung erkannt würden. "Wenn sich die Angaben der Opfer bestätigen, handelt es sich bei allen Tätern um bekennende Vertreter der Kameradschaftsszene, den Vorfeld-Organisationen der NPD, aus Ferdinandshof und Wilhelmsburg. Einige der Täter sind vorbestraft, teilweise wegen ähnlicher Überfälle in den Jahren 2001 und 2002 in Ferdinandshof. Besonders erschreckend dabei ist, dass es sich nicht etwa um gleichaltrige Jugendliche der rechten Szene handelt, sondern um gefestigte Persönlichkeiten, unter ihnen auch Familienväter", sagt Gerd Walther.

"Der dieser Tage verwandte Vergleich mit dem faschistischen Agieren des Ku-Klux-Klan in der früheren USA nimmt so eine erschreckende Realität an. Die Opfer, wie auch die Gesellschaft, können daher zu Recht ein maximales Strafmaß für die Täter erwarten, ohne jeden Anspruch auf mildernde Umstände", lautet Walthers Forderung nach dem Gespräch mit den Opfern.

Nordkurier-Ueckermünde

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