Präventionsrat erhält deutliche Absage
01.02.2008
Von Christina Weinreich
Rosenow. Braucht das Amt Stavenhagen einen Präventionsrat? Die Abgeordneten von Rosenow, die Gemeinde gehört zum Amtsbereich, sprachen sich am vergangenen Montagabend eindeutig dagegen aus.
Dabei erhielten sie auch die Zustimmung von Gästen dieser Sitzung. Zwei, drei Rosenower nehmen regelmäßig Platz auf den Besucherstühlen, am vergangenen Montag kamen vier Luplower dazu. "Wir sind einfach neugierig, was hier so besprochen wird", begründeten sie ihr Erscheinen. Und wurden dann selbst noch um Stellungnahme gebeten.
Der Präventionsrat soll nicht nur der Bildung rechten Gedankengutes vorbeugen, sein Tätigkeitsfeld ist erweitert worden, erklärte Bürgermeister Rüdiger Hensel (UBV). Er soll sich der gesamten Kriminalitätsvorbeugung, von der Suchtproblematik bis hin zum Opferschutz, zuwenden.
"In Städten sicher brisante Themen", meinte Rosenows Bürgermeister Rüdiger Hensel, "in den Dörfern ist die Lage überschaubarer. Rechte Tendenzen gibt es bei uns keine."
Um solchen Entwicklungen Vorschub zu leisten, müsse gewiss etwas getan werden. Doch nicht mit Hochglanzbroschüren und Präventionsräten. Die Abgeordneten haben andere Vorschläge an die Politik: Den Kommunen sollte nicht immer nur Geld weggenommen werden, sie sollten mehr, gerade für eine ordentliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, bekommen. Das sei Prävention.
"Wir kriegen stattdessen vom Land jedes Jahr weniger, haben aber in Kita, Jugendklub und Grundschule stetig wachsende Betriebskosten zu begleichen. Wir versuchen, zu sparen, Kreis und Land nehmen uns das Geld wieder weg und kürzen kontinuierlich Zuschüsse. Dabei machen wir deren Arbeit", schimpfte der Bürgermeister. Die Konsequenzen seien längst sichtbar: Gerade erst musste das Jugendbüro in Ivenack die Schließung bekannt geben, weil Geld fehlt.
Wenn er dann die Broschüren sehe, die der Landkreis Demmin den Gemeinden zuschicke zum Thema Prävention - deren Druck habe sicher ein Heidengeld gekostet. Für Rüdiger Hensel sei dies eine weitere von vielen Verrücktheiten, die die Politiker produzierten.
"Ihre Glaubwürdigkeit hat stark nachgelassen." Für ihn beginne Prävention gegen Rechts im Elternhaus. "Wenn aber Eltern zu Hause sitzen und Hartz-IV-Empfänger sind, wachsen Kinder mit unzufriedenen Eltern auf, Eltern und Kinder sind dann empfänglich für rechtes Gedankengut."
Jana Schäfer warf ein, dass in der Gemeinde schon recht gute Arbeit für Kinder und Jugendliche geleistet werde. "Wir stecken Geld in die einzelnen Orte, dort wird es für Kinder eingesetzt. Es sollte aber viel stärker das Ehrenamt unterstützt werden", forderte sie.
Abgeordnete Andrea Trubel schlägt in die gleiche Kerbe: "Ich empfinde es als Frechheit, dass die Arbeit des Präventionsrates ehrenamtlich erfolgen soll. Es wird immer mehr auf das Ehrenamt abgeschoben. Das ist nicht bürgernah." Für einen Luplower bedeutet die Bildung eines Präventionsrates, "wieder ein Stück Verantwortung von oben nach unten zu delegieren. Das spiegelt den Zustand unserer Politik wider."
Ein einstiger Lehrer auf den Gästestühlen plädierte für ein engeres Zusammenrücken von Elternhaus und Schule, wie es vor 1989 existierte. "Das ist heute nicht mehr gefragt."
Er sei hingegen froh, dass die Verbindung Schule-Betrieb wieder aktiviert werde, die inzwischen auch abgeschafft wurde. Schulleiter hätten die Freiheit, sich mit Eltern zu verständigen, reagierte ein anderer Luplower darauf. Da beginne für ihn Prävention.
An der Grundschule Rosenow sei diese Zusammenarbeit Normalität, so Hensel.
Nordkurier-Demmin
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