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Artamanen auf dem Vormarsch?
Rund um Hoppenrade sollen sich Rechtsextreme angesiedelt haben, die einer "Blut und Boden"-Ideologie anhängen. Als so genannte Artamanen berufen sie sich auf eine völkische Bewegung aus den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Einwohner besonders in den Gemeinden Klaber und Koppelow sind beunruhigt und fordern Aufklärung.
15.11.2007
von Jens Griesbach
GÜSTROW - Diesem Aufklärungsbedürfnis will morgen Abend Christian Dobslaw nachkommen. Der Leiter der Kreisvolkshochschule Güstrow lädt deshalb um 19 Uhr auf Drängen besorgter Bürger zu dem Vortrag "Geschichte der Artamanen - eine Siedlungsbewegung?" in die Uwe-Johnson-Bibliothek Güstrow ein. Als Referenten konnte er den Hamburger Historiker Stefan Brauckmann gewinnen, der sich mit dem Thema intensiv beschäftigt hat. In einer anschließenden Diskussion soll Bezug zur Gegenwart und zur aktuellen Situation in Klaber und Koppelow genommen werden. Vor allem Koppelow ist in Bezug auf die Artamanen-Bewegung vorbelastet. In der 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts existierte hier eine Siedlung dieser völkischen "Wehrbauern". "Die morgige Veranstaltung soll einen Bogen von dieser Vergangenheit bis zu den Entwicklungen schlagen, mit denen wir uns heute konfrontiert sehen", so Dobslaw.
Sachlichkeit bei Umgang mit Thema gefordert
Er hofft auf eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema und ist um Objektivität bemüht. Dobslaw will vermeiden, dass weder radikale Gegner noch die mutmaßlichen Artamanen selbst die morgige Diskussion für ihre Zwecke missbrauchen.
Rechtsextreme Tendenzen sind im ländlichen Raum rund um Hoppenrade unübersehbar. Die Gruppe derjenigen, die vor allem von Außenstehenden immer wieder den Artamanen zugerechnet werden, umfasst drei bis fünf Personen, Landwirte und Handwerker. Mindestens zwei von ihnen sind Mitglieder der NPD.
Der Schmied Jan Krauter aus Klaber, der ebenfalls diesem Kreis angehören soll, setzt sich jedoch gegenüber unserer Zeitung gegen Verallgemeinerungen zur Wehr. "Wir sind keine homogene Gruppe. Ich bin auch kein NPD-Mitglied", sagt er. Zudem bestreitet er vehement, ein Artamane zu sein. "Ich interessiere mich zwar für diese Bewegung, lehne jedoch ihre völkische, agrarromantische Blut- und Boden-Ideologie ab", unterstreicht er. Krauter kann nachvollziehen, dass die Leute vor Ort durch die angeheizte Diskussion verunsichert sind. "Aber was ist denn wirklich vorgefallen? Nichts. Man muss sachlich bleiben", verteidigt er sich. Bei der morgigen Diskussion will sich der Kunstschmied, der bis vor kurzem noch Kurse an der Kreisvolkshochschule Güstrow gegeben hat, stellen.
Staatsschutz hat bisher keine ErkenntnisseAuch der Staatsschutz hat nach Hinweisen aus der Bevölkerung bereits ein Auge auf die Vorgänge rund um Hoppenrade geworfen, sieht bisher jedoch keinen Anlass einzugreifen. "Gegenwärtig konnten wir keine rechtsradikalen Bestrebungen feststellen. Wir haben keine Anhaltspunkte, dass von den Betreffenden gegen die demokratische Grundordnung verstoßen wird", so Gisbert Prestl, Leiter des Staatsschutzes der Polizeidirektion Rostock, auf Nachfrage unserer Zeitung.
Schweriner Volkszeitung
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