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Keine Angst vor einer Nacht im Knast
Beim Reaktor-Transport von Rheinsberg nach Lubmin blockierten Greifswalder die Schienen. Die Polizei nahm sie in Gewahrsam. "Wir sind froh, dass wir ein Zeichen setzen konnten", sagen die Aktivisten eine Woche danach.
07.11.2007
Greifswald. Stockduster war es auf den Bahngleisen nahe des Greifswalder Ortsteils Friedrichshagen. "Da mussten wir schon aufpassen, um nicht vom Zug überrollt zu werden", erinnert sich Birger Buhl (32). Mit Kollegin Nina Seifert (28) und zehn weiteren jungen Leuten gelang es dem Mitglied der Anti Atom Initiative (AAI) Greifswald, den Atomreaktor-Transport von Rheinsberg ins Zwischenlager Nord Lubmin aufzuhalten: 45 Minuten musste der Waggon mit der radioaktiven Ladung stehen: "Ein Erfolg für uns", sagt der Biologe nun, eine Woche später.
"Wir haben mit Taschenlampen geleuchtet, damit uns die Zugführer sehen. Kurz bevor die Lok tutend herankam, haben wir uns hingesetzt. Über uns schwebte ein Hubschrauber", beschreibt Nina Seifert die Situation. Was dann passierte sei irgendwie unwirklich gewesen: "Minutenlang kam niemand aus den Waggons, indem immerhin dutzende Bereitschaftspolizisten saßen", erzählt Birger: "Dann traten Beamte an uns heran, wir haben mit ihnen sogar noch Witze gerissen." Weitere herbeieilende Polizisten seien dann aber nicht mehr so cool gewesen. "Sie haben uns mit doch ziemlich harten Handgriffen von den Gleisen getragen", sagt Nina. Birger flog eine Böschung hinunter. "Dann wurden wir in Gewahrsam genommen. Die Polizisten haben unsere Personalien notiert. Wir saßen zwei Stunden im Streifenwagen", erzählt die Greifswalderin: "Erst hieß es, wir müssen eine Nacht in der Zelle verbringen. Schließlich haben uns die Beamten aber einige hundert Meter weg gefahren und frei gelassen." Angst vor einer Nacht im Knast hätte er nicht gehabt, betont Birger. Im deutschen Rechtsstaat laufe so etwas ja alles relativ gesittet. Ulrike Wolter, Sprecherin der Anti Atom Initiative, fuhr während der Blockade durch den Uecker-Randow-Kreis. Sie hatte ihre Kollegen per Handy laufend über die aktuellen Aufenthaltsorte des Transports informiert. "Wichtig ist, dass wir mit der Blockade ein Zeichen gesetzt haben, dass sich die Menschen in unserer Region solche Aktionen nicht einfach gefallen lassen", sagt sie. Die Studentin befürchtet, dass Lubmin mit weiteren Transporten zum deutschen Atomklo werden könne.
ALEXANDER LOEW
Ostseezeitung-Greifswald
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