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Kleine Denkmale gegen das Vergessen

Seit dem der Kölner Künstler Gunter Demnig vor 13 Jahren das Projekt Stolpersteine ins Leben rief, wurden bis heute mehr als 30 000 der kleinen Denkmale für die Opfer des Nazi-Terrors in ganz Deutschland, Österreich und Ungarn verlegt. Heute gibt es dank der sieben Gymnasiasten vom Fridericianum bereits 30 auch in Schwerin.

22.10.2007

von Timo Weber

SCHWERIN - Hinter jedem kleinen, leicht zu übersehenden Stolperstein im Straßenpflaster steckt ein trauriges Schicksal, aufwändige Recherche in Archiven, aber auch eine Spende, die das Verlegen des 95 Euro teuren kleinen Mahnmals erst möglich gemacht hat. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", hat Stolperstein-Erfinder Gunter Demnig sein Projekt einst begründet - und damit viele Mitstreiter gefunden.

In Schwerin sind es sieben Schüler des Fridericianums, die unter Leitung von Sabine Klemm beim Stadtjugendring dafür sorgen, dass die Einzelschicksale nicht vergessen werden. "Nach den ersten 14 Stolpersteinen haben wir bei den jetzigen 16 nicht nur an jüdische Familien erinnert", sagte Klemm. "Es sind auch ein Gewerkschafter, ein Wehrmachtsangehöriger und ein Euthanasie-Opfer dabei." Bei einer Gedenkveranstaltung am Sonnabend auf dem Markt stellten die Gymnasiasten den zahlreichen Zuschauern, darunter Vertreter aus Politik und Kirche, die Einzelschicksale vor.

Die Jugendlichen haben nicht nur die Akten aus dem Archiv gelesen, sondern sind auch Angehörigen von Opfern begegnet. So sprachen sie mit der Enkelin des früheren Inhabers der "Strandperle" in Zippendorf. Hermann Abraham hatte das Haus Am Strand 14 erworben und das Café 1921 eröffnet. 1935 wurde Hermann Abraham gezwungen, sein Lokal zu verpachten. Drei Jahre später wurde er denunziert und musste für ein Jahr und sechs Monate ins Gefängnis Dreibergen-Bützow, wegen "Rassenschande". Seine Tochter Ilse Abraham ging nach Hamburg und überlebte die Schreckenszeit. Ihr Vater wurde 1942 in Theresienstadt umgebracht.

Landesrabbiner William Wolff und Stadtpräsident Andreas Lange dankten den Gymnasiasten für ihr "kolossales Engagement": "Ich bin dankbar, in einer Stadt leben zu dürfen, in der ich keine Angst haben muss", sagte Wolff. "Darauf kann unsere Gesellschaft stolz sein. Und das noch mehr, wenn wir uns stets wieder vor Augen halten, was vor mehr als 60 Jahren auch hier in Schwerin passiert ist."

Seit 1997 sind bundesweit in etwa 280 Gemeinden und Städten bereits 12 500 "Stolpersteine" zum Gedenken an NS-Opfer verlegt worden.

Schweriner Volkszeitung

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