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Nazi-Klamotten in der Dompassage

Ein Modeladen in Greifswalds Zentrum verkauft Sachen von Thor Steinar - ein Label, das bei Rechtsextremen hoch im Kurs steht.

18.09.2007

Greifswald. Mandy Constanze Schöndorf sitzt auf einer Bank im "Playaz". Neben dem "MCS Fashion Store" in der Dompassage ist das ihre zweite Filiale - ein reiner Hip-Hop-Laden in der Innenstadt. Nur amerikanische Marken, vor der Tür eine US-Flagge. "Ich habe mit Rechten nichts zu tun, noch nie gehabt", sagt sie. Thor Steinar Klamotten findet Mandy Schöndorf allerdings gut, sie trägt selbst eine schwarze Kapuzenjacke, auf der Rückseite prangt groß der Schriftzug der Marke.

In ihrem Geschäft "MCS Fashion Store" in der Dompassage sind die Schaufensterpuppen in Thor Steinar gekleidet. "Die Klamotten haben eine ordentliche Qualität und verkaufen sich gut", sagt die Geschäftsinhaberin: "Es gibt schlimmere Marken, für mich ist Thor Steinar nicht rechts."

Hubertus Buchstein, Politik-Professor und Rechtsextremismus-Experte an der Uni Greifswald, kann da nur mit dem Kopf schütteln: "Bei Thor Steinar gibt es keinen Zweifel. Dieses Label ist eindeutig die Kleidungsmarke Nummer eins in Neonazi-Kreisen", betont der Wissenschaftler. Die Firma mit Sitz in Königs Wusterhausen produziere zielgerichtet für rechtsextreme Klientel: "Hier handelt es sich nicht um eine Vereinnahmung der Szene wie bei Marken Lonsdale, Helly Hansen oder ähnlichem. Bei Thor Steinar weiß man genau, für wen man die Sachen herstellt", sagt Hubertus Buchstein. Auf vielen Kleidungsstücken seien germanische Runen zu sehen, die zwar nicht verfassungsfeindlich, aber bei den Extremisten beliebt seien.

Überrascht ist Buchstein nicht, dass im Zentrum der als landesweit liberal und bunt eingestuften Hansestadt solche Klamotten nachgefragt werden: "Wir sind keine Insel der Glückseligen. Wir haben in Greifswald Burschenschaften mit Verbindung zur NPD und die Partei hat in Wohngebieten wie Schönwalde II schon eine spürbare Akzeptanz", schätzt der Experte ein. Sein Uni-Kollege Dierk Borstel, ebenfalls Fachmann für Extremismus von rechts bestätigt das: Auch auf Schulhöfen werde Thor Steinar getragen. Dies bedeute zwar nicht immer, dass die Besitzer rechtsextrem eingestellt seien, solle aber für Lehrer und Eltern ein Warnsignal sein. Buchstein bewertet es als positiv, dass sich in Greifswald sofort Widerstand regt, wenn ein Laden rechtsextreme Kleidung verkauft: "Das ist dann doch der Unterschied zu einigen ländlichen Regionen", betont der Professor. Am Ryck haben linke politische Kräfte schon Aufkleber gedruckt, womit sie gegen den Verkauf der Thor-Steinar-Klamotten protestieren.

Schöndorf will Thor Steinar Klamotten weiterhin verkaufen. Sie achte darauf, dass auf ihren Sachen keine Runen seien. Nach einem Scheibeneinwurf letzte Woche präsentiert die Geschäftsinhaberin die Ware allerdings nicht mehr so offensiv. "Ich will nicht provozieren", sagt sie.

ELISA SIMANTKE und ALEXANDER LOEW

Ostseezeitung-Greifswald

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