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Buntes Treiben auf dem Markt

Mit einem bunten Kinderfest auf dem Markt reagierten am Sonnabend rund 100 Demokraten auf eine NPD-Veranstaltung in Bad Doberan.

10.09.2007

Bad Doberan. Auf dem Pflaster des Fußgängerweges der Neuen Reihe zeigten am vergangenen Sonnabend Wegweiser - gezeichnet mit bunter Kreide - an, wo es lang ging: "Fest für Kinder" - das war Richtung Markt. "Fest für Nazis" - da ging es zum Hof eines Antikhändlers am Ende der Straße, auf den die NPD zu einem Kinderfest geladen hatte. Alles kostenlos.

Was da wirklich abging und bezweckt wurde, hatte der junge Künstler Jan Kluge auf einer Grafik prägnant dargestellt: Ein pausbackiges Baby war darauf zu sehen, Springerstiefel an den Füßen und den Baseballschläger in der Hand. Und die Schriftzüge: "Sie besuchen das NPD-Kinderfest! Wollen Sie wirklich, dass ihr Kind irgendwann 'Nazi' spielt?"

So wie der aus Doberan stammende und jetzt in Rostock lebende Grafiker protestierten am Sonnabendnachmittag auf dem Doberaner Marktplatz gut 100 Menschen gegen das NPD-Kinderfest: junge Leute von der evangelischen Kirchgemeinde der Münsterstadt, Jusos und unabhängige Linke aus Rostock, Bürger ohne Parteibindung, die mit ihren Kindern zu dem Fest unter dem Motto "Bunt statt braun" gekommen waren. Die Vertreter der demokratischen Parteien im Stadtparlament hielten eine Mahnwache am Eingang des Hofes, den der Besitzer der NPD zum Feiern zur Verfügung gestellt hatte. Was bei vielen Doberanern Empörung und Entsetzen hervorgerufen hatte.

Möglich wurde die Protestveranstaltung auf dem Markt, weil kurzfristig viele ganz unterschiedliche Kräfte - das Aktionsbündnis für Frieden und soziale Gerechtigkeit, das Netzwerk Migration, die demokratischen Parteien, die Kirche, das Kornhaus . . . - auf die sehr kurzfristige Ankündigung des Beieinanderseins der Rechten reagiert hatten und ein spontanes Fest auf die Beine stellten "bei dem es wirklich um die Kinder ging", wie René Wiggers vom Aktionsbündnis sagte.

Das bunte Kinderfest spielte sich auf dem Markt ab, in der Einmündung der Neuen Reihe versuchten die Demokraten mit jenen ins Gespräch zu kommen, die zum Fest der Rechten unterwegs waren. Bemühten sich, ihnen klar zu machen, dass hinter dem kostenlosen Lockangebot für die ganze Familie pure Werbung für die Ziele der NPD steckte. Was sich schwierig gestaltete, denn zu Diskussionen hatten diese Passanten meistens keine Lust.

"Wir haben als Standort unseres bunten Festes bewusst den Markt gewählt, der ein gutes Stück entfernt vom Fest der Rechten liegt. Denn Kinder dürfen in politische Auseinandersetzungen nicht hineingezogen werden", betonte Renè Wiggers im Namen aller Organisatoren.

Bei den Kindern kam das bunte Treiben auf dem Markt mit Spielen, Malangeboten, Luftballons und Aktionen gut an. "Mutti hat uns gesagt, dass wir zum richtigen Kinderfest auf dem Markt gehen sollen. Und sie hat Recht: Hier ist viel los", meinte beispielsweise die zwölfjährige Franziska.

LUTZ WERNER

Ostseezeitung-Bad Doberan

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