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"Er war ein Kriegsgewinnler"

15.08.2007

Was bereits 2002 zu einem handfesten Eklat führte, wird im kommenden Jahr aufs Neue versucht: eine Präsentation in Wort und Bild rund um Ernst Heinkel und seinen Betrieb. Der Chef des bekannten Flugzeugwerks bietet noch heute Zündstoff für hitzige Diskussionen.

So auch bei der Debatte über eine geplante Ausstellung im kommenden Jahr. Anlässlich seines 50. Todestages soll Heinkel als Person näher beleuchtet werden und wirft schon im Vorfeld viele Fragen auf. Der Geschäftsmann sorgte von 1922 bis 1943 zwar für wirtschaftlichen Aufschwung an der Küste, beschäftigte jedoch ausländische Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. "Er selbst wollte das nicht, sondern wurde in die Rolle hineingedrückt", sagt Dietrich Kruse, Chef des Förderkreises Luft- und Raumfahrt Mecklenburg-Vorpommern. Der Zusammenschluss trifft mit seinen Arbeiten zum Thema "Heinkel" nicht immer auf Gegenliebe.

Vor fünf Jahren war es Senatorin Ida Schillen, die eine Präsentation zum 80. Gründungsjubiläum des Flugzeugwerkes - auch auf Druck eines Teils der Öffentlichkeit - schließen ließ. Sogar von "Geschichtsverfälschung" und "Verdacht der Volksverhetzung" war damals die Rede.

Kein Wunder also, dass man der kommenden Ausstellung vorsichtig gegenüber tritt. "Ernst Heinkel war keinesfalls, wie mitunter behauptet wird, ein ,strammer' Nationalsozialist, aber er war auch kein Nicht-Nazi und schon gar nicht ein Anti-Nazi. Der Geschäftsmann gehört ganz eindeutig zu den Kriegsgewinnlern", erklärt Robert Rosentreter, Vorsitzender der Societät Rostock maritim.

Es ist also zu differenzieren, da sind sich alle einig. Hilfreich wäre hierzu eine wissenschaftliche Aufarbeitung von Seiten der Rostocker Universität. Doch das ist bislang nicht geschehen.

Der Förderkreis sieht es als seine Aufgabe an, historische Überbleibsel für die Nachwelt zu erhalten. "Immerhin ist Rostock in den 25 Jahren der aktiven Luftfahrt zur Großstadt herangewachsen. Ohne diesen Industriezweig wäre es heute ein Ort in der Größenordnung von Wismar oder Stralsund", so Kruse. Dass gerade dieses Kapitel der Geschichte für die Bürger sehr interessant ist, beweisen die Besucherzahlen der aktuellen Ausstellung "Vom Wasser- zum Strahlflugzeug". Rund 6000 Interessenten wurden in die Begegnungsstätte des Societät gelockt.

Schweriner Volkszeitung

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