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Rechter Rummel um Heldenhain
Auf Flugblättern fordert ein rechtsextremer Publizist seit kurzem die Ludwigsluster auf, die Gedenkstätte "Heldenhain" mehr zu pflegen. Der Stadt wirft er vor, sich nicht gebührend um die Gedenkstätte für die Opfer des Ersten Weltkrieges zu kümmern. Der Bürgermeister ist verärgert über die Stimmungsmache.
26.07.2007
von Malte Behnk
LUDWIGSLUST - Bürgermeister Hans Jürgen Zimmermann ist nicht erfreut über die Zettel, auf denen unter anderem ein Stahlhelm samt Eisernem Kreuz, aber auch die, allerdings nicht mehr funktionierende, Internetadresse des Verfassers abgebildet sind. "Die Stadt ist für die Pflege aller Gedenkstätten zuständig, und es dürfen keine Eingriffe oder Arbeiten gemacht werden, ohne dass wir zustimmen. Das hat unser Rechtsanwalt dem Verfasser auch mitgeteilt", sagt Zimmermann. Er räumt allerdings ein, dass die Pflege des Heldenhains eventuell verbesserungswürdig wäre. Aber im Plan der städtischen Mitarbeiter hätten die Gedenkstätten Vorrang, die häufig von Ludwigslustern und Touristen besucht würden. Und das sei beim abgelegenen Heldenhain nicht der Fall. "Ludwigsluster sind nur selten dort, weil in dem Gebiet früher die Russen stationiert waren und Fremde gehen noch weniger dort hin", erklärt der Bürgermeister. Jetzt in der Touristensaison würden die Prioritäten auf die Pflege der Gedenkstätten im Innenstadtbereich gesetzt.
Dass sich nach den vielen Stürmen inzwischen einiges Totholz angesammelt hat, lasse sich in einem Wald, der der Heldenhain ist, nicht vermeiden. Einmal im Monat sei aber durchaus ein Arbeitstrupp an der Anlage beim Schießstand und sorge für Ordnung. Schließlich werde mit dem Heldenhain allen Opfern des Ersten Weltkriegs gedacht.
"An Heldenverehrung denke ich bei der Gedenkstätte nicht", sagt Hans Jürgen Zimmermann. Das gelte für alle Gedenkstätten und Mahnmäler in der Stadt. "Die gefallenen Soldaten sind in meinen Augen Opfer der Angriffskriege, die von deutschem Boden ausgingen", so der Bürgermeister. "Mit der Bezeichnung Held habe man damals vielleicht Müttern und Ehefrauen den Tod ihrer Söhne und Ehemänner leichter gemacht", sagt er. Heute müsse man das aber mit dem nötigen Abstand betrachten.
Gegen eine Beteiligung an der Pflege des Heldenhains hat der Ludwigsluster Verwaltungschef im Prinzip gar nichts einzuwenden. Er möchte das allerdings mit den Interessenten absprechen. Innerhalb der Interessengemeinschaft "Heimatgeschichte" hatten junge Ludwigsluster bereits kurz nach der Wende an der Gedenkstätte gearbeitet. Die Schüler suchten die 400 Feldsteine, legten sie frei und platzierten sie wieder an den ihnen zugedachten Bäumen. Außerdem haben mit Unterbrechungen immer wieder ABM-Kräfte neben der Pflege durch den Bauhof an der Gedenkstätte gearbeitet.
Dass sich nun ein rechtsextremer Publizist dem Heldenhain mit seiner Aufforderung widmet, ist für Hans Jürgen Zimmermann eine klare Aktion aus dem Umfeld der örtlichen NPD. Stadtvertreter Klaus Bärthel hatte in den jüngsten Sitzungen wiederholt Anträge im Zusammenhang mit der Gedenkstätte gestellt, die von der Stadtvertretung aber abgelehnt wurden. Zimmermann sieht in der aktuellen Flugblattaktion einen erneuten Versuch der NPD, mit einem scheinbar allgemeinen Thema in die Rolle des Biedermannes zu schlüpfen und so Stimmen für sich zu gewinnen.
Schweriner Volkszeitung-Ludwigslust
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