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Abgeordneter fährt attackierte Gäste
Schwerin hat sich bis auf die Knochen blamiert: Nicht genug, dass junge Franzosen von Rechtsradikalen durch die Stadt gejagt wurden. Die Verwaltung konnte sich nicht zu einer Geste der Versöhnung durchringen. Die kam vom Gadebuscher Unternehmen SGS Bus und Reisen und dem SPD-Landtagsabgeordneten und Busfahrer Thomas Schwarz.
23.07.2007
von Udo Mitzlaff
GADEBUSCH / SCHWERIN - Bis Ende nächster Woche fährt der Betriebsratsvorsitzende des Unternehmens, das zur Hälfte den Landkreisen Nordwestmecklenburg und Parchim gehört, die jungen Leute.
Die 26 Jugendlichen aus Marseille und 15 Duisburger sind Gäste der Schweriner Schule der Künste und nehmen an einem Workshop unter dem Motto "Ein grenzenloses Miteinander" teil. Weil sie nicht genug Geld für die Bus- und Bahn-Fahrkarten haben, waren sie am Dienstag zu Fuß zur Jugendherberge unterwegs. Im Schlossgarten pöbelten mehrere junge Männer die Gruppe mit Steinwürfen und "Neger raus"-Rufen an und verfolgten die verängstigten Gäste. Die haben nun verständlicherweise Angst, zu Fuß durch die Landeshauptstadt zu gehen.
Seit Mittwoch bemühte sich deshalb eine Gruppe von SPD-Politikern um Abhilfe, darunter die Landtagsabgeordneten Heike Polzin, Thomas Schwarz und Jörg Heydorn sowie die Schweriner Stadtvertreterin Manuela Schwesig. "Zuerst dachten wir, die Stadt könnte den Jugendlichen einfach für die wenigen Tage Freifahrtsscheine aushändigen und so das Problem lösen", sagte Heike Polzin.
Anfangs sah es auch danach aus, als wäre dies möglich. Vertreter der Kunstschule erhielten einen Anruf, sie mögen sich die Karten an einem zentralen Schalter abholen.
Doch dort angekommen, wussten die zuständigen Angestellten aber nichts von der Sache. Die Stadt Schwerin hatte ihr Angebot inzwischen wieder zurückgenommen. Man wolle keinen Präzedenzfall schaffen, heißt es.
Thomas Schwarz beendete das unwürdige Spiel: Er rief kurzerhand SGS-Geschäftsführer Andreas Helms in Gadebusch an und bat um schnelle und unbürokratische Hilfe. Helms fackelte nicht lange und stellte einen Bus zur Verfügung. "Unsere Fahrer sind im Auftrag des Schweriner Reiseservice in ganz Europa unterwegs. Sie wissen, was Gastfreundschaft bedeutet und wollen gute Botschschafter unseres Landes sein", sagte Helms.
Dem Unternehmen entstehen keine Kosten. "Wir sammeln untereinander für Abnutzung und Kraftstoff", erklärte Thomas Schwarz, der lange Jahre am Steuer der SGS-Busse auch Gadebusch anfuhr. Schwarz fährt den Bus ehrenamtlich ohne Lohn und zeigt damit den jungen Gästen nicht nur die Sehenswürdigkeiten der Region sondern auch die gute Seite der Menschen unseres Landes.
Schweriner Volkszeitung-Gadebusch
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