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Kein rechter Terror am Strand

In der Gemeinde Kuchelmiß sind die Bürger froh, dass sich ein rechtsradikaler Hintergrund für den Vorfall am Sonntag an einer Serrahner Badestelle nicht bestätigt hat. Auch soll sie kein Treff für rechtsradikale Gruppen seit Jahren sein. Trotzdem will man in der Gemeinde den Rechtsextremismus mit der Polizei und in Bürgergesprächen thematisieren, Motto "Wehret den Anfängen!"

21.07.2007

von Hans-Jürgen Kowalzik

KUCHELMIß/SERRAHN - Donnerstagabend im Kuchelmisser Gutshaus: Die Gemeindevertreter nutzen eine Sondersitzung, die wegen eines Formfehlers zu einem Beschluss einberufen werden musste, um den Vorfall vom Sonntag an einer Serrahner Badestelle am Krakower See zu diskutieren.

Zur Erinnerung: Sonntag hatten dort über Stunden sechs betrunkene Männer und eine Frau aus Güstrow, Krakow am See und Boldebuck Badegäste angepöbelt, Naziparolen gerufen und besonders russische Familien belästigt. Es kam zu einer Schlägerei zwischen der Gruppe und den Russen. Die Situation eskalierte als ein 29-jähriger Krakower eine Maschinenpistole zog und mehrere Salven mit scharfen Patronen in die Luft jagte.

Hintergrund der Diskussion unter den Gemeindevertretern war Donnerstag aber auch, dass Bootshausbesitzer sagen, dass die Serrahner Badestelle seit Jahren ein Treff für rechtsextreme Gruppen sei, aber die Polizei nichts unternehme.

Rechtsextremismus Thema auf AmtsausschusssitzungBürgermeister Peter Hildebrandt hatte bereits nach dem Vorfall gegenüber SVZ erklärt, dass er davon nichts wisse. Er bestätigte lediglich, dass manchmal Jugendliche dort auftauchen, trinken und "dumme Sprüche" von sich geben. Die Gemeindevertretersitzung sollte klären "Haben wir etwas versäumt und was hätten wir unternehmen müssen?"

Die Antwort fiel differenziert aus, auch wenn unisono alle Gemeindevertreter die Erklärung des Bürgermeisters bestätigten: "Von einem rechten Treff wissen wir nichts." Sie bestätigten aber wie Gemeindevertreter Bernd Wruck, dass es dort schon zu Schlägereien gekommen ist. Sein Kollege Reinhard Jahn, der nicht weit von der Badestelle wohnt: "Ein Treff der Rechtsradikalen ist die Badestelle nicht. Aber mich beunruhigt, dass sich dort zunehmend Jugendliche aufhalten und stark dem Alkohol zusprechen." Bertold Riech, Bürger, meinte, dass es nicht darum gehen dürfe etwas hochzuspielen oder herunterzureden. Entwicklungen dürfe man jedoch nicht übersehen und unterschätzen. Das lehre die Geschichte. Daher findet er es gut, dass die Gemeinde, auch wenn sie jetzt mit einem "blauen Auge" davongekommen ist (O-Ton Peter Hildebrandt) etwas unternehmen will.

Hildebrandt: "Zur nächsten Amtsausschusssitzung werden wir die Polizei Teterow und Rostock einladen und über das Thema Rechtsextremismus sprechen." Jörg Plitschinger, Ahrenshagen, äußerte, dass das aber nicht reiche. Verantwortung hätten alle Bürger, jeder sei gefragt, um den Anfängen zu wehren.

Und die seien da, auch wenn in der Gruppe kein Einwohner aus der Gemeinde gewesen sei und es fest stehe, dass der Vorfall keinen rechtsradikalen Hintergrund habe.

MPi-Schützen drohen ein bis fünf Jahre HaftDas bestätigte gestern Peter Lückemann, Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Nach Ermittlungen des Verfassungs- und des Staatsschutzes gibt es keine Erkenntnisse, dass die Männer und die Frau irgendeiner rechten Organisation angehören." Trotzdem hat der Krakower Konrad K., der die Schüsse abgegeben hat, mit einer Anklage zu rechnen. Sie werde kurzfristig erfolgen, so Lückemann. Beschuldigt werde der Mann wegen eines Verbrechens nach dem Waffengesetz sowie wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Angedroht werden kann dem Krakower eine Freiheitsstrafe zwischen einem und fünf Jahren.

Die Behauptung von Anwohnern, dass die Badestelle seit Jahren ein rechter Treff ist, bestätigt die Polizei nicht. Volker Werner, Sprecher der Polizeidirektion Rostock: "Die Badestelle war vor Jahren mal ein Ort, wo sich rechte Gruppierungen getroffen haben. Aktuell ist der Polizei aber nichts bekannt."

Schweriner Volkszeitung-Güstrow

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