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Vom Acker in die Städte
Mecklenburg-Vorpommern: In der Provinz konnten Neofaschisten punkten, weil Gegengewicht fehlt. Nun sind die gößeren Orte dran. In Rostock Rechnung ohne Bürger gemacht
18.07.2007
Von Hayo Plietsch
Als Neonazi Thorsten de Vries seinen Laden »East Coast Corner« am 15. Juni in Rostock eröffnete, rief er den Ort als »Frontstadt« aus. Doch bereits eine halbe Stunde nach der Eröffnung in dem linksalternativen Stadtteil Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) zogen die ersten antifaschistischen Demonstranten am Laden vorbei und beschädigten die Fassade des Geschäfts in der Doberaner Straße. Seither halten die Proteste gegen den Neonaziladen an. Mehrere größere Demonstrationen und Aktionen vor dem »East Coast Corner« wurden von einer breitangelegten Öffentlichkeitskampagne begleitet. Mehr als 4 500 Rostockerinnen und Rostocker haben mit ihrer Unterschrift die sofortige Schließung des Ladens gefordert.
Finanziell unterstützt der vermögende Hamburger Rechtsanwalt und Neonazi Jürgen Rieger Thorsten de Vries bei seinem Versuch, in Rostock zu landen. De Vries, der sich selbst als Freier Nationalist bezeichnet, kommt aus der militanten Kameradschaftsszene. Vor seinem Laden posierte er bereits mit Eisenstangen, um Antifaschisten einzuschüchtern. Bis Januar war er Mitglied des Hamburger NPD-Landesvorstandes, bis er nach parteiinternen Querelen ausgeschlossen wurde. Seine damalige Landesvorsitzende Anja Zysk hatte ihn wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen, Bedrohung und Beleidigung angezeigt.
Neonaziläden haben in Mecklenburg-Vorpommern zunehmende Bedeutung bekommen. Läden wie der »Werwolf-Shop« (Wismar), »Tattoo-Shop Walhalla« (Ludwigslust) oder »Zutts's Patriotentreff« (Waren-Müritz) sind zu Stützpunkten der Neonazis geworden. Über die Läden wird die Arbeit in der Region koordiniert und mit rechter Subkultur werden neue Leute rekrutiert. Wo dem nichts entgegengesetzt wird, wo es keine alternativen Kultur- und Freizeitangeboten gibt, funktioniert das Konzept. In Orten wie Anklam, Stralsund, Wolgast oder auf Usedom ist ein Klima entstanden, in dem rechte Jugendkultur akzeptiert und Neonaziangriffe bagatellisiert werden. Bei der Landtagswahl im September 2006 erreichte die NPD in dieser Region durchweg zweistellige Wahlergebnisse, im Durchschnitt knapp 15 Prozent. Angespornt von diesen Erfolgen in der Provinz geht es nun offenbar um die »Eroberung« der größeren Städte Mecklenburg-Vorpommerns. So wurde vor kurzem auch Neubrandenburg zur »rechten Frontstadt« erklärt, verbunden mit der Eröffnung eines Neonazi-Shops.
endstation-rechts.de
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