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Prora zeigt KZ-Schicksale

Eine Ausstellung im ehemaligen "Kraft-durch-Freude-Seebad" zeichnet den Umgang der Nationalsozialisten mit missliebigen Kindern und Jugendlichen nach.

09.07.2007

Prora/Fürstenberg (ddp) Das ehemalige Jugendkonzentrationslager Uckermark nahe der brandenburgischen Stadt Fürstenberg gehörte jahrzehntelang zu den verschwiegenen Kapiteln der Stadtgeschichte. Mit der Begründung, die jungen Mädchen seien keine bewussten Antifaschisten gewesen, habe man lange gerechtfertigt, dass ihre Schicksale unerwähnt blieben, sagt Jürgen Rostock von der Stiftung Neue Kultur.

Jetzt widmet sich das Dokumentationszentrum im ehemaligen "Kraft-durch-Freude-Seebad" Prora auf der Insel Rügen den erschütternden Details über den Umgang mit missliebigen Jugendlichen während der NS-Zeit. Die von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Ausstellung trägt den Titel "Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben". Sie schlägt auf 29 Informationstafeln den geschichtlichen Bogen von der Gleichschaltung aller Jugendverbände nach 1933 über die Errichtung der beiden sogenannten Jugendschutzlager Uckermark und Moringen (Niedersachsen) bis zur Aufarbeitung dieser Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg in den beiden deutschen Staaten.

Die Ausstellung zeigt, wie die mit der Hitler-Jugend (HJ) geplante totale Vereinnahmung der Jugend im Deutschen Reich misslang. Die Protestkultur, von Nazi-Dienststellen als Verwahrlosung und asoziales Verhalten hingestellt, war vielfältig. Sie reichte von den "Swingern", Anhängern angloamerikanischer Tanzmusik, bis zu Wanderorganisationen wie dem "Bündischen Selbstschutz" und oppositionellen Jugendgruppen wie den "Kittelbachpiraten".

1940 befahl der Chef der Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich, die Errichtung von zwei Jugend-Konzentrationslagern. Nachdem im August 1940 auf Weisung von Polizei und Jugendämtern die ersten Jungen nach Moringen eingewiesen wurden, mussten im Frühjahr 1942 Häftlinge in der Nähe des Frauen-KZ Ravensbrück ein weiteres Barackenlager für Mädchen errichten, das nach dem Landschaftsgebiet Uckermark benannt wurde.

Die Zustände in beiden Lagern waren katastrophal. Die fast 3000 Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 25 Jahren wurden ständig überwacht. Nachts wurden sie in Schlafsälen eingeschlossen und tagsüber mussten sie bis zum Umfallen arbeiten. Die Mädchen bei Fürstenberg wurden zu Arbeiten für den Siemens-Konzern herangezogen, mussten Sümpfe und Wälder urbar machen, Lastkähne entladen, bei der Ernte helfen, Uniformen ausbessern und Spielzeug bauen.

Insgesamt kamen in den Lagern mindestens 60 Kinder und Jugendliche um. Andere wurden zwangssterilisiert, in andere KZ deportiert oder an die Front geschickt. Den Überlebenden wurden in beiden deutschen Nachkriegsstaaten Opferrenten verweigert. Täter aus den Reihen von Polizei und SS, wie die Lagerkommandanten Karl Dieter und Lotte Toberentz, behielten ihre Renten- und Pensionsansprüche. Die Ausstellung ist noch bis zum 29. Juli zu sehen.

RALPH SOMMER

Ostseezeitung

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